Gut gelaunt: Nach der Ehrung wurde im Foyer bis nach Mitternacht getanzt - und zwar so ausgiebig wie selten zuvor. Das lag sicherlich auch daran, dass die Standard-Formation des Grün-Gold TTC Herford mit 24 Frauen und Männern zu den Ausgezeichneten gehörte. - © Yvonne Gottschlich
Gut gelaunt: Nach der Ehrung wurde im Foyer bis nach Mitternacht getanzt - und zwar so ausgiebig wie selten zuvor. Das lag sicherlich auch daran, dass die Standard-Formation des Grün-Gold TTC Herford mit 24 Frauen und Männern zu den Ausgezeichneten gehörte. | © Yvonne Gottschlich

Herford Gute Laune und viele Emotionen bestimmen die Sport-Gala

Geschenke für Hans-Joachim Zedler und Sebastian Dietz. Jürgen Berger mahnt Verbesserung der leistungssportlichen Strukturen in der Stadt Herford an

Dirk Kröger

Herford. Zurückhaltung kennt Jürgen Berger, der neue Vorsitzende des Stadtsportverbandes Herford, nicht, wenn es um die Belange des Sports geht. Schon während der jüngsten Sportausschuss-Sitzung der Stadt hatte er deutlich gemacht, dass längst noch nicht alles in der Hansestadt gut ist, was positiv dargestellt wird. Und diese Position wiederholte er mit klaren Worten während der Eröffnung der Sport-Gala im Stadttheater. "Die leistungssportlichen Strukturen in der Stadt können und sollen noch verbessert werden", sagte Berger - und setzte in diesem Zusammenhang auf eine weitere gute Zusammenarbeit von Sport, Verwaltung, Politik und Wirtschaft. Aber: Nach Bergers Meinung ist eben noch nicht perfekt, was perfekt sein könnte. "Bleiben Sie uns gewogen", rief er den Verantwortlichen zu, "und wenn es geht, noch etwas gewogener!". Berger hatte auch die Verdienste seines Vorgängers Hans-Joachim Zedler gewürdigt, der im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Vorsitzender des Stadtsportverbandes zurück getreten war. Und natürlich durfte Zedler noch einmal auf die Bretter, die sein Leben waren. "Das ist ein wunderbarer Moment, um Danke zu sagen", verabschiedete er sich vom Publikum und lobte noch einmal die Gala als solche: "Das ist eine gute Plattform für den Sport hier, um die uns andere beneiden", erklärte Zedler voller Rührung und mit einem Tränchen im Auge. "Ich habe mit Herzblut für den Sport gearbeitet und mit dem Pakt für den Sport haben wir eine große Nummer geschafft", blickte er voller Stolz zurück. Aber nicht nur Zedler zeigte Emotionen, sondern auch der von ihm stets besonders unterstützte Behindertensportler Sebastian Dietz, der im vergangenen Jahr bei den paralympischen Spielen in Rio de Janeiro die Goldmedaille im Kugelstoßen gewonnen hatte und in der offiziellen Kleidung des deutschen Paralympics-Teams auf die Bühne kam. Vier Jahre zuvor war ihm das gleiche Kunststück mit dem Diskus geglückt - aber der stand plötzlich nicht mehr im Programm der Paralympics. "Das war ein Schock und ein Schlag ins Gesicht für mich", berichtete der Sportler im Gespräch mit Jörg Brökel. Dietz aber wollte sich nach seinen eigenen Worten nicht in sein Schicksal ergeben, sondern sattelte um auf Kugelstoßen, wurde 2015 Weltmeister. "Und dann wollte ich Rio rocken!", erzählte er. Er rockte Rio. »Da kann ich mich ja nicht einmal weigern« Nach dem Gewinn der Goldmedaille wurde natürlich gefeiert. Was im Deutschen Haus in Rio passierte, schilderte Dietz ausführlich - einen Einblick in sein Seelenleben eingeschlossen. Irgendwann nämlich erkannte der Mann, dass das vielleicht genau der richtige Moment sei, um um die Hand seiner Freundin Sophie anzuhalten. Er tat es. Und weil die Antwort ein "Ja" war, dürfte das Jahr 2016 wohl als eines der besten in Dietz' persönliches Geschichtsbuch eingehen. Emotionen und verkniffene Tränen waren die eine Seite einer gelungenen Sportgala, interessante Informationen eine weitere. Sportkegler Thomas Klein beispielsweise überraschte den Fragesteller Brökel offensichtlich, als er dem erklärte, dass Luxemburg das Brasilien der Sportkegler sei. Im Großherzogtum wurde der Herforder Senioren-Weltmeister und Vize-Weltmeister mit der Mannschaft. Dass die Luxemburger so gut im Kegeln sind, hatte Brökel nicht gewusst - aber dann hakte er nach und wollte wissen, ob auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kegeln würde. "Nein", antwortete Klein, "ganz sicher nicht. Sonst hätten sich unsere Wege schon einmal gekreuzt." Brökels durchaus angenehmes Nicht-Wissen übrigens sollte sich für den Fernseh- und Rundfunk-Journalisten noch rächen, denn nach der Auszeichnung der Damen-60-Tennismannschaft des TC Herford wollte er von deren Spielerinnen wissen, ob sie denn den Aufschlag von oben oder unten machen würden. Allein die Frage sorgte für Entsetzen - und sorgte dafür, dass Brökel sich im Laufe des Jahres sportlich mit den erfolgreichen Tennisdamen wird messen müssen, wobei ein Rahmenprogramm für den guten Zweck entwickelt wird. "Dann kann ich mich ja nicht einmal weigern", stöhnte der Mann. Nur Zuschauer war auch er, als zweimal auf der Leinwand des Theaters Filmbeiträge zu sehen waren. Zunächst bedankte sich Markus Brinkmann, der wegen gleichzeitiger eigener sportlicher Aktivitäten in Leipzig nicht vor Ort sein konnte, für seine Wahl zum Sportler des Jahres per Video. Und dann präsentierte die Neue Westfälische noch einmal die sechs Kandidaten, die für den von dieser Zeitung vergebenen Medienpreis vorgeschlagen worden waren, in bewegten Bildern, was mit viel Applaus bedacht wurde. Für einen ungewollten Lacher sorgte die spätere Siegerin Hannah Kölling, die zunächst mit ihrem Mountainrad in Aktion zu sehen war und im Video direkt danach selbst das Mikrofon in die Hand nahm - im Gesicht sehr, sehr deutlich gekennzeichnet vom Gelände, das sie zuvor durchfahren hatte. "Dann wissen wir jetzt, wo sie ihr Make-up hernimmt", hieß es danach.

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