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Der Trainer und sein Dolmetscher: Georg Koch (v.r.) erteilt Anweisungen, die der Algerier Djamelddine Mahieddine auf Französisch übersetzt. - © Johannes Hülstrung
Der Trainer und sein Dolmetscher: Georg Koch (v.r.) erteilt Anweisungen, die der Algerier Djamelddine Mahieddine auf Französisch übersetzt. | © Johannes Hülstrung

Herford Ex-Profitorwart Georg Koch trainiert Flüchtlingsauswahl

Ex-Fußballprofi Georg Koch trainiert mit Flüchtlingen vor dem Spiel gegen ein Promi-Team. Der frühere Herforder Coach sieht Sport als wichtiges Mittel zur Integration

Herford. Wenn der Ball rollt, spielt alles andere keine Rolle mehr. Dann stehen auf dem neuen Kunstrasen des Dennewitzplatzes nur noch 14 junge Männer, die alle Spaß am Kicken haben. Dass sie aus fünf verschiedenen Nationen kommen, dass sie in einem fremden Land leben - das war für die Flüchtlinge bei ihrem ersten Training mit Ex-Profi Georg Koch am Donnerstagnachmittag nicht wichtig.

Die jungen Männer bei der Übungseinheit am Dennewitzplatz. - © Johannes Hülstrung
Die jungen Männer bei der Übungseinheit am Dennewitzplatz. | © Johannes Hülstrung

Die Übungseinheit soll die Asylbewerber auf das Freundschaftsspiel gegen ein Prominententeam vorbereiten, das am Dienstag um 18 Uhr ausgetragen wird (NW berichtete). Ursprünglich sollte der Herforder Spieler Tim Vezzon das Training leiten, der aber nicht frei bekam. Kurzfristig sprang der in Bad Salzuflen lebende Georg Koch, der schon in die Organisation des Spiels eingebunden war, ein.

Für den ehemaligen Bundesliga-Torwart und früheren Trainer des SC Herford eine Selbstverständlichkeit: "Es ist doch klar, dass ich den Jungs helfe. Für die ist das eine große Sache", sagt Georg Koch. Er weiß, wie wichtig ein solches Fußballspiel sein kann: "Sport ist die einfachste Sprache der Welt. Da versteht man sich einfach."

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Die Weltreise des Georg Koch

  • Im Flüchtlingsteam spielen neben dem Algerier Djamel sechs Männer aus Albanien, fünf aus Syrien und jeweils einer aus Guinea und Ghana.
  • In diesen Ländern war Georg Koch zwar nie aktiv, trotzdem ist er in seiner Karriere ziemlich herumgekommen.
  • Seine exotischste Station war Dubai. Beim dortigen SC war er von 2012 bis 2013 Torwarttrainer.
  • Als Spieler war er im Ausland für die Erstligisten PSV Eindhoven (1997), Dinamo Zagreb (2007 bis 2008) und Rapid Wien (2008 bis 2009) im Einsatz.

Ihn selbst versteht vor allem Djamelddine Mahieddine, der von allen nur Djamel gerufen wird. Der 28-Jährige spricht von allen teilnehmenden Flüchtlingen am besten Deutsch. Daran ist der Fußball nicht unschuldig: "Seit acht Monaten spiele ich beim FC Radewig. Daher habe ich viele deutsche Freunde", sagt Djamel. "Wir trainieren zwei Mal die Woche, spielen am Sonntag und gehen abends gerne ins Restaurant."

Er betont, dass er die deutsche Sprache lernt, ohne einen Kursus zu besuchen: "Ich habe zu Hause die Bücher und versuche das umzusetzen, wenn ich mit meinen Freunden spreche." Fußball ist für ihn der Schlüssel zur Integration: "Durch den Sport habe ich die deutsche Mentalität kennengelernt." Der kleine Mittelfeldspieler war schon in seinem Heimatland Algerien ein begeisterter Fußballer. Er kann gar nicht aufhören zu strahlen, wenn er vom runden Leder spricht.

Jagd nach dem Ball: Die Asylbewerber im Training am Donnerstagnachmittag. - © Johannes Hülstrung
Jagd nach dem Ball: Die Asylbewerber im Training am Donnerstagnachmittag. | © Johannes Hülstrung

Während Georg Koch zunächst noch mit seinem "perfekten Englisch" prahlt, bleibt er später doch lieber hauptsächlich bei seiner Muttersprache. Djamel übersetzt für ihn auf Französisch. In Herford ist er seit 16 Monaten. Aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse ist er Ansprechpartner für die Verantwortlichen beim SC Herford und für seine Teamkollegen gleichermaßen.

Nach einer kurzen Begrüßung von Koch geht es für alle erst einmal ein paar Runden um den Platz. "Ich mache die natürlich platt, wir wollen am Dienstag ja gewinnen", scherzt Koch. Trotzdem haben seine Jungs noch genug Luft für Lauf- und Passübungen. Als dabei das erste Mal ein Ball ins Spiel kommt, muss er auch taktisch eingreifen. "Die laufen alle nur stur dem Ball nach", sagt Koch und klingt dabei wie ein verzweifelter Vater vor einer Rasselbande aus Minikickern. Schmunzelnd fügt er hinzu: "Dann weiß ich ja, wie sich mein Team am Dienstag einstellen muss."

Lockeres Abschlussspiel

Das Training endet mit einem lockeren Abschlussspiel, bevor gegen das Prominententeam zumindest spielerisch der Ernstfall eintritt. Dann steht Georg Koch für eine Halbzeit im Tor und will die Schüsse der Spieler parieren, die er vorher trainiert hat. "Ich bewege mich jetzt einfach so schlecht, dass die denken, ich wäre schon alt und grau. Und beim Spiel zeige ich dann erst, was ich noch draufhabe", so Kochs nicht ganz ernst gemeinter Plan.

Nicht nur durch sein Training mit den Asylbewerbern geht ihm das Thema der Flucht nahe: "Eigentlich sind wir doch alle Flüchtlingskinder. Die Eltern meiner Frau zum Beispiel sind aus der DDR geflohen", erzählt der 43-Jährige. "Ich hoffe, dass meine Kinder nie in diese Situation kommen, aus ihrem eigenen Land fliehen zu müssen."

In dieser Situation befanden sich Djamel und seine Teamkollegen. Sie haben Kriege erlebt, haben wilde Fluchten überstanden und sich an ein unbekanntes Land gewöhnen müssen. Doch das liegt hinter ihnen. Wenn der Ball rollt, ist das alles vergessen.