Trainer vom CVJM Rödinghausen spricht im Interview über die jüngsten Erfolge

Interview: Handballtrainer Pascal Vette vom Verbandsliga-Tabellenführer CVJM Rödinghausen äußert sich am Ende der kurzen Winterpause zum Thema Aufstieg und erläutert, was den Verein insgesamt ausmacht

Herr Vette, wie haben Sie und ihr Team die kurze Winterpause verbracht? Pascal Vette: Nach ein paar freien Tagen haben wir am Donnerstag vergangener Woche wieder angefangen zu trainieren, um die Weihnachtspfunde wegzukriegen. Am Wochenende haben wir dann beim Kreispokal mitgespielt. Das ist für uns immer eine willkommene Möglichkeit, gegen gute Gegner wieder in den Wettkampfmodus zu schalten. War während der Pause auch der mögliche Oberliga-Aufstieg ein Thema? Vette: Da sollten wir die Kirche erstmal im Dorf lassen, gerade auch als CVJM-Verein (lacht). Noch sind wir ja nicht einmal Hinrundenmeister. Aber natürlich befassen sich insbesondere die Vereinsverantwortlichen auch mit dem Thema. Das liegt doch in der Natur der Sache, man muss auch zweigleisig denken, wenn man in der Tabelle unten steht. Brakes Trainer Hartmut Rittersberger, früher ja auch erfolgreich in Rödinghausen tätig, hat ihr Team schon sehr früh auf den Schild des Aufstiegsfavoriten gehoben... Vette: Der "Max" ist ja durchaus ein Experte, aber damals habe ich doch gesagt: Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat. Aber wir haben im bisherigen Saisonverlauf schon bestätigt, dass wir zu Recht vorn dabei sind. Klingt so, als hätten Sie das vor der Saison nicht unbedingt erwartet. Vette: Ganz ehrlich, das habe ich auch nicht. Mit Lukas Reese und Patrick Meier hatten uns zwei wichtige Spieler wegen Touren ins Ausland verlassen. Dazu war nicht klar, wie gut es bei einigen Spielern, die länger verletzt waren, wieder laufen würde. Und wir haben insgesamt eine sehr junge Mannschaft. Vorab haben wir gesagt, wir wollen auf gar keinen Fall nach unten gucken und warten ansonsten erst einmal ab, was sich entwickelt. Entwickelt hat sich dann ja schnell ziemlich viel. Wann haben Sie gemerkt, dass es eine richtig gute Saison werden kann? Vette: Tatsächlich war schon in der Vorbereitungsphase zu spüren, dass sich eine echte Euphorie entwickelt, und die konnten wir in die Serie mitnehmen. Die Jungs haben richtig Bock auf unser Tempospiel. Stichwort Tempospiel: Auf Grundlage des Torverhältnisses endete in dieser Serie ein Meisterschaftsspiel bislang 33:25 für den CVJM, wohlgemerkt im Durchschnitt. Das ist doch schon ein Klassenunterschied zum Großteil der Liga. Vette: Es waren auch zwei sehr hohe Kantersiege dabei, die zu diesem Torverhältnis geführt haben. Aber wir haben uns das schon auch langfristig erarbeitet. Das ist nicht zufällig. Erläutern Sie das bitte näher. Vette: Als ich vor rund vier Jahren als Trainer in Rödinghausen angefangen habe, galt es einen Umbruch einzuleiten und Aufbauarbeit zu leisten. Zuerst mussten wir damals die Deckung stabilisieren, was gut gelungen ist. Im Angriff musste fast alles über das Gegenstoßspiel gehen, weil wir nicht eben viele Spieler hatten, die aus dem Rückraum alles kurz und klein werfen. Das war also auch eine Systemfrage. Aktuell haben wir noch schnellere junge Leute und auch mehr Tiefe im Kader. So konnten wir das Tempo noch mehr steigern und bis zum Ende auch hoch halten. Nun scheint das Leistungsniveau zwischen der Verbandsliga und der Oberliga doch relativ hoch zu sein. Könnte der CVJM Rödinghausen einen möglichen Aufstieg sportlich schultern? Vette: Ich werde dann mal hypothetisch: Wenn es in die Oberliga geht, bräuchte man eigentlich drei gestandene Spieler von außen, um sich dort sorgenfrei zu behaupten. Das passt aber nicht in unser grundsätzliches Konzept. Wir planen unabhängig von der Spielklasse nur punktuelle Verstärkungen im Kader. Und wir wissen, dass die nächsten anderthalb Jahre für uns ziemlich brutal werden. Wie meinen Sie das? Vette: Erst einmal kommt jetzt die schwere Rückrunde, in der wir unter anderem noch die Auswärtsspiele in Isselhorst und Altenbeken haben, also bei unseren beiden derzeit größten Konkurrenten. Sollten wir es schaffen, wird die Oberliga eine Riesen-Herausforderung. Wenn wir jedoch in der Verbandsliga bleiben, wären wir im nächsten Jahr Titelfavorit. Eigentlich erwarten viele von uns ein Meisterstück, wo die meisten unserer Jungs von ihrer Erfahrung her noch nicht einmal Gesellen sind. Sie selbst haben kürzlich die B-Lizenz gemacht und könnten bis zur 3. Liga trainieren. Da reizt doch die Oberliga, oder? Vette: Na, inzwischen bin ich auch aus dem Alter ?raus, dass die Bäume sportlich in den Himmel wachsen müssen. Aber grundsätzlich will doch jeder, der sich im Sport engagiert, auch erfolgreich sein, sonst wäre wohl etwas falsch. Und ich würde schon gern mit dem CVJM Rödinghausen in die Oberliga kommen. Sie haben inzwischen ja auch schon einige Stationen als Trainer erlebt. Was macht denn beim CVJM Rödinghausen das besondere aus? Vette: Das Vereinsmotto "Mehr als nur Handball" trifft es im Kern. Der Zusammenhalt ist überall spürbar. Bei Events wie dem Klostermann-Cup oder dem Beach-Cup sind immer wieder viele ehemalige Spieler von außerhalb da. Auch die Mannschaft läuft nicht nach den Spielen sofort auseinander und macht viel neben dem Handball zusammen. Das passt eben auch charakterlich zusammen. Dieser Klub ist im absolut positiven Sinne 20 Jahre hinter dem allgemeinen Trend zurück.

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