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Fordert in der Prüfung: Karate-Prüfer Guido Horst mit zwei der jüngeren SKD-Sportler in einer Prüfung vor einem Jahr. Fotos: SKD Bünde|| - © GERALD DUNKEL
Fordert in der Prüfung: Karate-Prüfer Guido Horst mit zwei der jüngeren SKD-Sportler in einer Prüfung vor einem Jahr. Fotos: SKD Bünde|| | © GERALD DUNKEL

Bünde Auf der Stufe zur nächsten Klasse

Karate: Die Kampfkunst scheint eine kleine Renaissance zu erfahren. Beim Shotokan-Karate-Dojo Bünde freut man sich über Zuwachs bei Kindern und Erwachsenen. 24 Karateka unterzogen sich dort jetzt einer Prüfung

Gerald Dunkel
22.12.2016 | Stand 22.12.2016, 06:23 Uhr

Bünde. Ist es eine Form der Selbstverteidigung, ist es Sport? Ist es beides? Eines steht beim Karate fest: Es verlangt gerade Kindern, aber auch Erwachsenen eine Menge ab und gibt so viel zurück. Körperbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit und nicht zuletzt Kondition und Fitness. Eine Prüfung, wie jetzt beim Shotokan-Karate-Dojo Bünde (SKD), hat für die Prüflinge ein wenig den Charakter einer Klassenarbeit - nur dass auf diese mit Spannung und Freude hingefiebert wird. Nervosität nur bei den jungen Sportlern? Nein, auch die Eltern zeigen Nerven. Da ist der junge Sprössling von gerade mal zehn oder elf Jahren - zumindest äußerlich - schon viel cooler, als er eine halbe Stunde zuvor von Prüfer Guido Horst seine Aufgaben gestellt bekommt - aber eben auch nur äußerlich. Egal ob sechs oder 60 Jahre alt; wer vor Zuschauern und laufenden Kameras zeigen soll, was er in den letzten Monaten gelernt hat, kommt sich vor wie auf der Bühne beim ersten Stück der Theater-AG in der Schule. Aber der Applaus ist sicher. Kampfsportarten wie Karate erleben derzeit eine kleine Renaissance. Nach ihrer Blütezeit in den 1970er und 80er Jahren in Deutschland - bedingt durch zahllose Martial-Arts-Streifen aus China und den USA - verzeichnen Vereine wie der SKD Bünde heute wieder steigende Mitgliedszahlen. Hier überwiegend bei den Kindern, aber eben auch bei den Erwachsenen. Vereinsvorsitzender Guido Horst erklärt, woran das liegen kann: "Bei den Erwachsenen ist es überwiegend der Gedanke der Selbstverteidigung. Es gibt aber auch den Gesundheits- und Fitnessaspekt. Wer länger dabei bleibt, merkt schnell, dass es ein Weg ist, auf den man sich begibt und auf dem man sich ständig selbst hinterfragt und selbstständig verbessert - körperlich, technisch und auch geistig." Alle der erwachsenen Prüfungsteilnehmer haben erst Anfang des Jahres an einem speziellen Kursus für Einsteiger und Wiedereinsteiger beim SKD Bünde teilgenommen - und sind dabei geblieben. Bei den Kindern komme hinzu, dass sie einerseits ihr Körperbewusstsein und ihre Konzentrationsfähigkeit schulen, aber durch die beiden Rollen als Angreifer und Verteidiger im Training sehr schnell den gegenseitigen Respekt voreinander lernen würden und auch, was passieren kann, wenn man diese Techniken anwendet. "Es ist dann eher so, dass sie in Konfliktsituationen deeskalieren und den Streit schlichten", erklärt Guido Horst. Die 24 Prüfungsteilnehmer zwischen sechs und 60 Jahren lassen während der zweieinhalbstündigen Prüfung viel Schweiß in der Halle am Südring. Und die Kinder geben es ungern zu, wenn die Eltern anmerken, dass sie am Vorabend der Prüfung - wenn die Augen beim Nachwuchs eigentlich schon längst geschlossen sein sollten - Geräusche aus dem Zimmer gehört haben, die an das Verrücken von Möbeln erinnerten. Denn für die Kata - so nennt man im Karate die prüfungsrelevante Form des Schattenkampfs gegen einen imaginären Gegner - braucht man Platz. Und hier ist es dann wieder genauso wie in der Schule bei den Klausuren: Gelernt wird manchmal noch auf den letzten Drücker.

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