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Gütersloh Marvin Gregor beendet seine Karriere mit Rang acht bei der DM

Der 25-Jährige von der LG Kreis Gütersloh konzentriert sich auf den Beruf und pausiert auch als Handballer

Wolfgang Temme
13.08.2019 | Stand 12.08.2019, 20:16 Uhr

Gütersloh. Zur "7" vorne hat es nicht ganz gereicht, aber die angestrebte "8" in der Ergebnisliste sprang doch heraus. Im letzten Zehnkampf seines Lebens erreichte Marvin Gregor von der LG Kreis Gütersloh 6.855 Punkte und wurde damit Achter der Deutschen Meisterschaft in Bietigheim-Bissingen. Damit endete am Sonntag die Karriere eines der besten Leichtathleten, die es hierzulande jemals gab, mit einem akzeptablen Erfolg. "Die Punktzahl ist nicht so grandios, aber stimmungsmäßig war es ein geiler Wettkampf", so Gregor. Der 25-Jährige schwärmte von der Atmosphäre im württembergischen Sportpark Ellental und der großen Kulisse mit den dicht an den Wettkampfstätten stehenden Zuschauern. Vor allem aber genoss er es, "noch einmal mit den Jungs zusammen zu sein." Die Zehnkampfszene hat viel von einer großen Familie. Sie wird der Gütersloher vermissen. Von Wehmut möchte Marvin Gregor nicht sprechen, er ist kein sentimentaler Typ. Aber leicht ab geht ihm der Abschied nicht: "Jetzt vor Augen zu haben, dass es das letzte Mal war, ist schon komisch." Es folgt in zwei Wochen noch ein Start bei den Polizeimeisterschaften, aber dann hängt der Isselhorster seine Spikes an den Nagel und konzentriert sich auf sein berufliches Weiterkommen. »Alles war so ein bisschen unter dem Möglichen« Derzeit noch im Streifendienst auf der Polizeiwache in Halle eingesetzt, beginnt er am 1. September eine Umschulung zum Ermittlungsdienst. Weil das mit wechselnden Einsatzorten in ganz Nordrhein-Westfalen verbunden ist, legt er 2020 "sportmäßig eine Pause" ein. Das betrifft auch sein Engagement als Handballer beim Verbandsligisten TV Isselhorst. Zwar verwendet Gregor die Vokabel "vorerst". Er weiß aber, dass zumindest in der Leichtathletik eine Rückkehr auf gleichem Niveau so gut wie ausgeschlossen ist: "An meine alten Werte würde ich nicht mehr herankommen." Der just von Isselhorst zusammen mit Freundin Laura nach Kattenstroth umgezogene Leistungssportler kann mit Stolz und Zufriedenheit auf fast ein Jahrzehnt als Zehnkämpfer der nationalen Klasse zurückblicken. Insgesamt neun Mal startete er im Sommer bei deutschen Titelkämpfen. Seine beste Platzierung in der Männerklasse feierte er 2017 in Kienbaum als Vizemeister mit 7.002 Punkten. 2016 in Kienbaum (7.202 Pkt.) und 2018 in Wesel (6.935 Pkt.) wurde er Dritter. Ausgerechnet im Jahr 2015, in dem keine DM stattfand, präsentierte er sich mit der persönlichen Bestleistung von 7.387 Punkten in Topform. 2012 war Gregor in Hannover deutscher U20-Jugendmeister mit 7.288 Punkten geworden. Von 2012 bis 2017 trug er das Trikot des LC Paderborn, trainierte aber weiterhin in Gütersloh bei Tanja Rolle-Sichau. Nach seiner Rückkehr zur LG Kreis schraubte er nicht nur den Kreisrekord auf 7.198 Punkte, sondern gewann zusammen mit Andre Düsterhöft und Florian Baum in Wesel auch den deutschen Mannschaftstitel. Begonnen hat Marvin Gregor seine Wettkampfkarriere in der Leichtathletik im Jahre 2006 als Dreizehnjähriger. Dafür, dass er unter fast pausenloser Belastung stand ("Wenn die Leichtathletiksaison zu Ende war, begann die Handballsaison"), spielte der Körper lange hervorragend mit. In Bietigheim-Bissingen war der Gütersloher allerdings doppelt gehandicapt: Sowohl der linke Oberschenkel als auch der rechte Ellenbogen bereitete Probleme. Um noch einmal über 7.000 Punkte zu kommen, hätte es schon optimal laufen müssen. Das tat es nicht, aber es gab auch in keiner Disziplin einen derben Einbruch. "Alles war so ein bisschen unter dem Möglichen", fasste Tanja Rolle-Sichau den Wettkampf zusammen. »Er hat sich nicht getraut, es laufen zu lassen« Nach dem ersten Tag belegte ihr Schützling mit 3.384 Punkten Rang elf im Feld der 17 Teilnehmer. Gestartet war er mit 11,76 Sekunden über 100 Meter (699 Pkt.). "Er hat sich nicht getraut, es laufen zu lassen", bemerkte Rolle-Sichau eine gewisse Zurückhaltung. Nach Weitsprung (6,47 m, 691 Pkt.) und Kugelstoßen (12,82 m, 656 Pkt.) musste die Trainerin ihren Athleten im Hochsprung etwas "wachrütteln", bevor der die 1,82 Meter im dritten Versuch meisterte. Als Gregor die 1,85 Meter im ersten und die 1,88 Meter (696 Pkt.) im zweiten Versuch souverän übersprang, schienen auch die 1,91 Meter möglich. Doch dann spielte der Kopf nicht mehr mit, und die 27 Bonuspunkte waren wieder futsch. Nach zu verhaltenem Beginn im 400-Meter-Lauf war am Ende nicht mehr zu retten als etwas magere 53,95 Sekunden, für die es nur 642 Punkte gab. Tag zwei begann mit einem 110-Meter Sprint, bei dem Marvin Gregor die ersten beiden Hürden mit Bremswirkung touchierte und 15,59 Sekunden (780 Pkt.) benötigte. Im Diskuswurf übertraf er mit 40,01 Meter (665 Pkt.) zum ersten Mal innerhalb eines Zehnkampfs die 40-Meter-Marke. Auch im Stabhochsprung, in dem ihn der ebenfalls mitgereiste LG-Trainer Alexander Sczyrba coachte, lief es mit 4,70 Meter (819 Pkt.) passabel. "Beim letzten Versuch über 4,80 Meter war der Stab zu weich", bedauerte Rolle-Sichau. Dass im Speerwurf ohne Training und mit kaputtem Arm immerhin 51,12 Meter (605 Pkt.) heraussprangen, deutete das eigentlich vorhandene 60 Meter-Potenzial an. Im abschließenden 1.500-Meter-Lauf, in den er als Neunter ging, bewies der Gütersloher noch einmal Kampfgeist. Er schaffte 4:52,86 Minuten (602 Pkt.) und fing damit tatsächlich noch seinen langjährigen Konkurrenten Armin Treichel vom TV Wattenscheid ab (6.824 Pkt.), der nach dem ersten Tag Dritter gewesen war. Deutscher Meister wurde mit 7.413 Punkten Florian Obst vom SSV Ulm.

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