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Eine Runde weiter: Die Spieler des SC Verl. - © Henrik Martinschledde
Eine Runde weiter: Die Spieler des SC Verl. | © Henrik Martinschledde

Verl Viertligist Verl wirft Augsburg aus Pokal:Keeper Brüseke und sein größter Tag

Beim 2:1-Sensationssieg des SC Verl in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen den FC Augsburg liefert der Torhüter des krassen Außenseiters eine überragende Leistung ab. 4.198 Zuschauer tragen die Mannschaft.

Markus Voss
11.08.2019 | Stand 12.08.2019, 05:54 Uhr

Verl. Die Nachspielzeit ist angebrochen. Vier Minuten muss der Außenseiter noch überstehen. In einer Mischung aus Ungläubigkeit und Begeisterung singen die Fans „Oh, wie ist das schön". In der 1. Runde des DFB-Pokals führt der Viertligist SC Verl gegen den haushohen Favoriten FC Augsburg aus der Bundesliga mit 2:1 (2:0). Die Sensation ist zum Greifen nah. Dass es so weit gekommen ist, haben die Verler auch ihrem Torhüter Robin Brüseke zur verdanken, der ein überragendes Spiel abgeliefert hat. Die Spannung ist greifbar. Dann der erlösende Schlusspfiff – und alle Dämme brechen. „Das ist einfach nur überragend", sagte Robin Brüseke nach dem Spiel, „jeder von uns hat von der 2. Runde geträumt." Immer wenn es brenzlig wurde, war der Torhüter zur Stelle, holte nach den ersten 20 Minuten, als Verl wie entfesselt eine 2:0-Führung herausgeschossen hatte, einen 20-Meter-Schuss von Michael Gregoritsch per Glanzparade aus dem Winkel (30.), wehrte den Ball in einer Eins-gegen-Eins-Situation bravourös gegen André Hahn ab (40.) und parierte großartig gegen den allein aus spitzem Winkel auf ihn zulaufenden Florian Niederlechner (45.). Auch in der 2. Halbzeit war der 25-Jährige gegen immer stärker drückende Gäste auf dem Posten, ohne dabei jedoch weiter spektakulär glänzen zu müssen. „Robin hat heute wirklich einen Sahnetag erwischt", sagte SCV-Kapitän Julian Stöckner anerkennend. „Robin hat zwei, drei Dinger stark rausgeholt. Aber dafür ist Robin ja auch da", betonte Trainer Rino Capretti. Der so Hochgelobte selbst blieb bescheiden. „Es ist mein Job, dass ich den ein oder anderen Ball halte", sagte er, „in diesen spielentscheidenden Situationen denkst du nicht groß nach – du machst einfach." Dass seine Verler als Sieger vom Platz gingen, fand der Torhüter einerseits „unglaublich", andererseits „hatten wir uns viel vorgenommen und wollten auf Sieg spielen. Wir haben unseren Plan fast perfekt umgesetzt, auch wenn uns am Ende körperlich ein bisschen die Luft ausging". Wichtig sei gewesen, so Brüseke, dass die Anfangsminuten für Verl gut gelaufen seien: „Das gibt Sicherheit und die Mannschaft kann daraus etwas Positives ziehen." Nur nach dem Elfmeter musste er hinter sich greifen Nur einmal, beim Elfmeter von André Hahn in der 83. Minute, ließ sich der Keeper überwinden. „Das war eine 50:50-Entscheidung. Ich hatte mich für die falsche Ecke entschieden", sagte er, „wir haben vorher geguckt, wie die Augsburger Elfer schießen, aber Hahn war nicht dabei." Dass in der Nachspielzeit SCV-Abwehrspieler Lars Ritzka einen Schieber-Heber gerade noch mit dem Kopf von der Linie kratzte (90.+ 3), gehörte in die Kategorie Spielglück, das gerade ein krasser Außenseiter auch mal braucht. Einen wichtigen Teil zur Pokalsensation, da waren sich alle einig, hatten auch die 4.198 Zuschauer in der schmucken Sportclub-Arena beigetragen. „Es hatten alle richtig Bock, vor dieser großen Kulisse zu spielen. Unsere Fans waren ganz stark", so Stöckner. „Ich hatte mehrfach Gänsehaut. Schon beim Einlaufen war die Atmosphäre einmalig", sagte Brüseke, „es ist schwer zu beschreiben, aber das Gefühl war überragend. Das erlebst du nicht alle Tage." Doch der Traum geht ja weiter und die Verler werden in der 2. Runde Ende Oktober wieder solche Tage erleben. „Klar, jeder kleine Verein träumt von Bayern, Dortmund oder Schalke. Aber ich nehme es so, wie es kommt. Egal gegen wen, wir wollen dann wieder gewinnen", so der Keeper. Robin Brüseke, der Junge aus Stukenbrock, scheint Blut geleckt zu haben, sich ein weiteres Mal auf der großen Fußballbühne zu beweisen. „Das war heute definitiv mein größter Tag als Fußballer", sagte er. Noch größere dürfen gerne folgen.

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