Handschlag: Harald Peters, der Stifter des „Preises des Ehrenpräsidenten" (r.), gratuliert Florian Heißmann zum Sieg. - © Henrik Martinschledde
Handschlag: Harald Peters, der Stifter des „Preises des Ehrenpräsidenten" (r.), gratuliert Florian Heißmann zum Sieg. | © Henrik Martinschledde

Gütersloh Sieger Florian Heißmann überrascht sich selbst

Golf: Florian Heißmann triumphiert beim „Preis des Ehrenpräsidenten“ des WGC Gütersloh. Im Stechen bezwingt der Verler seinen Teamkollegen Marvin Schweika

Markus Voss
12.06.2019 | Stand 11.06.2019, 19:46 Uhr

Gütersloh. Er hätte schon während der regulären Runde auf der letzten Bahn alles klar machen können – doch der vermeintliche Siegschlag von Florian Heißmann ging ganz knapp am 18. Loch vorbei. Und so kam es, dass beim „Preis des Ehrenpräsidenten" anlässlich der 45. Offenen Wettspiele des Westfälischen Golf-Clubs (WGC) Gütersloh am Pfingstsonntag ein Stechen die Entscheidung um den Sieg bringen musste. Hier behielt der Verler Heißmann die Nerven und bezwang seinen Mannschaftskollegen Marvin Schweika. „Dafür, dass ich derzeit nicht trainieren kann, lief es erstaunlich gut", sagte Florian Heißmann vom WGC am Ende zufrieden, „neben dem 72-Loch-Turnier und den Clubmeisterschaften ist der ’Preis des Ehrenpräsidenten’ das wichtigste Turnier bei uns – umso schöner ist es natürlich, dass ich jetzt zum ersten Mal gewonnen habe." Nein, als Favorit war Florian Heißmann beim traditionell bestens besetzten „Preis des Ehrenpräsidenten" sicher nicht auf die 18 Bahnen des Par-72-Golfplatzes in Varensell gegangen. Dass er aber durchaus vorne dabei sein könnte, zeigte sich bereits bei der von Turnierleiter und Head Pro Patrick Sors vorgenommenen Einteilung der Dreier-Flights. Die spielstärksten Golfer starteten als Erste, und Heißmann (Handicap/Vorgabe 4,6) stand in der zweiten Gruppe, die um 10.10 Uhr auf den Platz ging. Mit dabei waren hier in Johannes Mitzscherlich (3,4) und Maximiliane Haut (3,8) zwei weitere Golfer vom WGC. Heißmann: „Das war ein sehr angenehmer Flight." Zehn Minuten zuvor, pünktlich um 10 Uhr, waren bereits Benjamin Ibold (0), Marvin Schweika (3,0) und Axel Sträter (4,8) losgegangen – ebenso allesamt Gütersloher. »Bis Bahn 13 lag ich Par. Nach hinten raus bin ich eingebrochen« Als diese drei nach fast vier Stunden Stunden bei schönstem Wetter und besten Platzbedingungen wieder im Klubhaus waren, lag Marvin Schweika mit 76 Schlägen, also vier über Par, ganz vorne. Die „Verfolgergruppe" um Florian Heißmann wusste das vor dem letzten Loch – und der Verler selbst wusste demnach, dass er an Loch 18 (Par 5) einen Birdie, also vier Schläge, brauchte, um selbst in Führung zu gehen. Doch das klappte nicht – und so kam, nachdem noch weitere Flights abgewartet worden waren, das Stechen ins Spiel. Das wiederum hätte sich Florian Heißmann womöglich sogar ersparen können. „Bis Bahn 13 lag ich Par", sagte er, „doch nach hinten raus bin ich eingebrochen. Da macht sich dann doch das fehlende Training bemerkbar." Der Beruf hat den 27-Jährigen erst kürzlich nach Bremen verschlagen. Dort ist er international im Außendienst tätig. „Vorher war ich wegen des Jobs schon in Süddeutschland, darum kann ich seit gut zwei Jahren golferisch nicht mehr so viel machen." Das ändert nichts daran, dass Heißmann auch weiterhin sportlich ehrgeizig ist. „Ich bin zwar für die 1. Mannschaft in der Regionalliga gemeldet, gehöre aktuell aber nicht mehr zu den besten acht. Das soll sich aber in Zukunft wieder ändern. Mein Ziel ist es, wieder Stammspieler zu werden", sagte er. Mit dem Golfspielen angefangen hat Florian Heißmann im Alter von vier Jahren: „Ich bin damals mit meinem Vater zum Senne Golfclub Gut Welschof nach Stukenbrock gegangen." Mit 13 Jahren wechselte er dann zum Westfälischen Golf-Club Gütersloh – auch und vor allem, um sich sportlich weiterzuentwickeln. „Die WGC-Mannschaft hat 2. Bundesliga gespielt – das war für mich das beste Umfeld, um besser zu werden." Das funktionierte und Heißmann spielte schon in jungen Jahren in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. »Die Jungs arbeiten 
alle und haben nicht mehr so viel Zeit« Das Stechen zwischen Florian Heißmann und Marvin Schweika wurde schließlich als „Sudden Death" („Plötzlicher Tod") gespielt. Meint: Wer als erster eins von drei Löchern gewinnt, gewinnt das Turnier. Und hier hatte Florian Heißmann auf der 348 Meter langen Bahn eins (Par 4) schließlich mit fünf Schlägen (Bogey) die Nase vorn. „Auf einer normalen Runde hätte das wohl nicht zum Sieg gereicht", sagte der Gewinner grinsend, „weil es im Stechen nur von Loch zu Loch geht, steht man schon unter Druck. Aber insgesamt war das entspannt, weil Marvin mein Teamkollege ist." Das fand auch Marvin Schweika: „Das war ein Kampf unter Freunden", sagte er und war trotz des verpassten Sieges froh: „Ich habe genau mein Handicap gespielt. Das war in Ordnung. Klar hätte ich auf den ersten Bahnen zwei, drei Punkte gutmachen können", sagte der 22-Jährige und verwies auf sein Kurzspiel: „Das war heute nicht so gut." Nicht so gut lief es auch für Turnierfavorit Benjamin Ibold. 80 Schläge – damit konnte der WGC-Akteur nicht zufrieden sein. „Es ist sehr selten, dass Benni eine 80 spielt", sagte Turnierchef Patrick Sors, „wenn’s schlecht für ihn läuft, spielt er vielleicht mal vier über Par. Dafür ist das aber auch Amateursport. Die Jungs arbeiten mittlerweile alle und haben nicht mehr so viel Zeit fürs Training." Ibold war gemeinsam mit Axel Sträter Vierter geworden. Platz drei hatte Johannes Mitzscherlich (78 Schläge) belegt. Gemeinsame Fünfte mit 82 Schlägen wurden Karin Padinger, Nane Elena Scharbert und Andreas Heinze (alle WGC). Und der Sieger? Der gönnte sich erst einmal ein kühles Blondes. Um dann gleich anzukündigen, am Abend auf ein anderes Getränk umzusteigen: „Wir werden den Sieg noch ein bisschen auf dem Weinmarkt feiern", sagte er lachend.

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