Verl Verler Taekwondo-Talent Dilan Durgun träumt von den Olympischen Spielen

Die 13-Jährige sammelt internationale Titel und zählt zur Weltspitze in ihrer Altersklasse

Uwe Caspar
24.04.2019 | Stand 23.04.2019, 19:52 Uhr

Verl. Sie wohnt mit ihrer Familie am Möwenweg. Doch sportlich ist sie ein Adler, der zu einem einem imposanten Höhenflug angesetzt hat: Dilan Durgun, die für den von ihrem Vater Erkan 2016 gegründeten Kampfsport-Verein Adler Verl startet, zählt inzwischen zu den weltbesten Taekwondo-Nachwuchskämpferinnen. USA, Israel, Belgien, Österreich Frankreich, Kroatien - die erst 13 Jahre alte Sportlerin ist schon weit herumgekommen auf dem Globus. Ihre jüngsten Triumphe: Beim Weltranglisten-G2-Turnier im belgischen Lommel mit 1.600 internationalen Teilnehmern gewann Dilan ihre fünf Kämpfe souverän, qualifizierte sich gleichzeitig für die Europameisterschaft und trat die Heimreise mit einer schweren Goldmedaille an. Zwei Wochen später landete sie bei den mit 1.300 Aktiven ebenfalls stark besetzten German Open in Hamburg ihren nächsten Coup: Die junge Verlerin dominierte inklusive des Finales alle Fights und entschied sie vorzeitig durch Technischen K.o. für sich. Denn wenn der Punkte-Vorsprung zu groß ist, wird ein Kampf wegen "zu großer Überlegenheit abgebrochen", heißt es im Reglement. »Ich werde häufig nach unseren Trainingsmethoden gefragt« Und Dilan lässt ihre Gegnerinnen, die meistens auch noch älter sind als sie, oft verzweifeln. Da staunt auch die Konkurrenz. "Ich werde häufig nach unseren Trainingsmethoden gefragt", erzählt Dilans stolzer Daddy Erkan Durgun, der auch ihr Coach ist. Schon als Siebenjährige wirbelte seine Tochter, mittlerweile Mitglied des Kadetten-Nationalkaders, über die Taekwondo-Matte. "Talent allein reicht aber nicht - sie ist zudem enorm fleißig", erklärt der Trainer, lobt das Familienoberhaupt. Fast täglich schwitzt Dilan im heimischen Keller, wo neben einem Dummy und einem Sandsack auch ihre stetig wachsende Trophäen-Sammlung untergebracht worden ist. Einige der Pokale gehören allerdings ihrer Schwester Nudem (16) und ihrem Bruder Ferris (9), denn auf nationaler Ebene sind die Geschwister ebenfalls sehr erfolgreich in dieser anspruchsvollen koreanischen Kampfsportart. Am Anfang stand zunächst aber nur die Selbstverteidigung. "Ich habe unsere Kinder zum Taekwondo gebracht, damit sie sich wehren können, wenn sie draußen mal angegriffen werden sollten", berichtet Erkan Durgun, der in der Ölbachstadt einen Weinhandel betreibt, über die Anfänge dieser ganz besonderen Taekwondo-Geschichte. Für Nudem geht sie allerdings schon zu Ende, sie zieht sich aus dem Leistungssport zurück. "Sie hat leider keine Lust mehr. Schade, denn unsere Älteste ist eigentlich noch talentierter als ihre Schwester", stellt ihr Vater bedauernd das Ende einer ebenfalls viel versprechend angelaufenen Karriere fest und akzeptiert zugleich die Entscheidung. Auch die Schule wird nicht vernachlässigt Für die disziplinierte Dilan, die die schwierigen Fuß- und Handtechniken dieser Sportart schon nahezu perfekt beherrscht, geht es dagegen jetzt erst richtig los. Ihr Fernziel: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Frankreich. Für Olympia 2020 in Japan ist die Gymnasiastin schließlich noch viel zu jung, denn erst mit 16 darf man im Taekwondo um olympisches Gold kämpfen. Aufgrund ihrer Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit, die sie dem Reporter im elterlichen Wohnzimmer eindrucksvoll demonstriert, wäre die Dreizehnjährige sicherlich auch eine überdurchschnittlich gute Turnerin oder Kickboxerin geworden. Doch beide Sportarten sind kein Thema für Dilan, die trotz ihres intensiven Trainings und der zahlreichen Wettkämpfe die Schule nicht vernachlässigt. Ihre Berufswünsche nach dem Abitur hören sich allerdings noch etwas unentschlossen an: "Entweder Kindergärtnerin oder Schauspielerin." Aber erst einmal möchte sich das "Adlerküken" in der Taekwondo-Weltspitze etablieren und noch möglichst viele Siege schaffen. Natürlich mit der Unterstützung ihres Papas, der Dilan zu den Turnieren chauffiert. Weil es dafür kaum Zuschüsse gibt, müssen die Eltern jährlich zwischen 10.000 und 20.000 Euro aus der Familienkasse finanzieren. "Das ist Dilan uns aber wert", versichert ihr Trainer und größter Förderer.

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