Gütersloh Aktion der HSG Gütersloh soll Kinder vom Handball begeistern

Der Gütersloher Verein hofft nach der ersten Grundschulaktion auf viel Nachwuchs. Nach den Erfahrungen von Falk von Hollen gehen fünf bis zehn Prozent der Teilnehmer am Abschluss-Spielfest in den Verein

Uwe Kramme
14.03.2019 | Stand 13.03.2019, 18:57 Uhr

Gütersloh. Jeder Handballverein freut sich sich über eine volle Halle. Doppelten Grund zur Freude hat die HSG Gütersloh, als sich beim Abschlussspielfest ihrer Grundschulaktion gut 90 Zweitklässler und etwa 30 Geschwisterkinder auf dem Spielfeld der Innenstadtsporthalle tummeln. Von der Tribüne verfolgen zudem viele Eltern staunend das lärmende Gewusel. "Ich bin gespannt, wie viele dieser Kids tatsächlich bei uns landen", kommentierte Michael Räckers, der Vorsitzende der dringend auf Nachwuchs angewiesenen Handballspielgemeinschaft, das mit großem Aufwand organisierte Treiben. "Erfahrungsgemäß gehen zwischen fünf und zehn Prozent der Kinder, die wir in den Schulen erreichen, in die Übungsstunden der Vereine", macht Falk von Hollen den Verantwortlichen der HSG Gütersloh Mut. Der Sportlehrer und lizenzierte Handballtrainer aus Bielefeld muss es wissen, denn er hat die Suche nach dem Nachwuchs für seine Sportart zum Beruf gemacht. Als Unternehmen "Sport und Integration von Hollen" ist er in gleicher Mission unter anderem für den TV Verl und den TV Isselhorst tätig. Für die HSG hat der ehemalige Zweitligaspieler vier Wochen lang den Sportunterricht in den zweiten Klassen der Blücherschule, der Altstadtschule sowie der Grundschulen Nordhorn und Neißeweg besucht. "Fangen, Passen, Werfen und Spielen, letztlich Grundlagentraining standen auf dem Stundenplan", berichtet von Hollen. "Und zur Belohnung für die tolle Mitarbeit gibt es dieses Spielfest." Der 37-Jährige wertet es schon als einen Erfolg, dass über hundert Kinder an einem Samstag gerne in die Sporthalle kamen, um sich zu bewegen und ihre Eltern bewegten, sie dort hinzubringen. "Das grundsätzliche Interesse am Sport und speziell am Handball ist da. Man muss es nur wecken und in die richtigen Bahnen lenken", sagte von Hollen. Am Zug sei jetzt der Verein: "Die HSG muss dafür sorgen, dass sie den Kindern, die kommen wollen, auch geeignete Übungsgruppen anbieten kann." Die HSG hat neben der A- und der B-Jugend schon eine Minimannschaft und eine E-Jugend, wie Michael Räckers erklärte. Er kündigte an: "Bei Bedarf melden wir eben mehr Teams." Der HSG-Chef und Jugendwart Sven Goldbecker kamen aber auch auf den Fluch der guten Tat zu sprechen. "Unsere Leute können morgens nicht in die Schule gehen, die müssen arbeiten." "Hast du viele Kinder, brauchst du viele Trainer und viele Hallenzeiten. Doch damit, dass wir erst ab 18 Uhr in die Sporthallen kommen, geht das Theater schon los", plaudern sie aus dem Nähkästchen. Tatsächlich lautete eines der häufigsten Elternbedenken, als der handballwillige Nachwuchs mit den von den HSG-Mitarbeitern verteilten Trainingszeiten-Flyern in der Hand um die Erlaubnis bat, richtig Handball spielen zu dürfen: "Was, so spät?." Entmutigen lassen werden sich Räckers und seine Mitstreiter durch solche Einwände aber genauso wenig wie durch die bange Ahnung, dass ein Verein wohl um die 40 Kinder braucht, um am Ende zehn A-Jugendliche übrig zu behalten. "Nachwuchs zu rekrutieren und mit der Jugendabteilung die Gemeinschaft von unten neu aufzubauen, ist für uns aber alternativlos. Sonst haben wir irgendwann auch keine erwachsenen Mitglieder mehr", so Räckers. Er hofft, die Schulaktion trotz der Kosten jedes Jahr durchführen zu können. "Aber dafür braucht man eben Profis, denn unsere Leute können morgens nicht in die Schule gehen - die müssen arbeiten." Immerhin ständen fürs Erste genügend Jugendtrainer zur Verfügung. Für Falk von Hollen wäre solch eine Kontinuität schon deshalb wünschenswert, als die genannten Schulen jetzt wüssten, auf was sie sich einlassen. Der professionelle Jugendtrainer verweist auf seine Erfahrung in Verl: "Dort haben alle Zweitklässler einmal Kontakt zum Handball gehabt, und der Turnverein ist mit Kindern gut aufgestellt." Die aktuelle Aktion bei der HSG sei für ihn jetzt zwar beendet, aber er würde sie in Fragen des Jugendtrainings natürlich weiter beraten und ihre Übungsleiter fit machen - kurzum, das nötige Know how für die Nachwuchsförderung im Handball vermitteln. Dass die HSG an eine Fortführung der Schulaktion denkt, hörte Kerstin Schäfer gerne. "Unsere Sportlehrer sind zwar alle gut ausgebildet, aber im Handball nicht so spezialisiert wie Falk von Hollen", so die Konrektorin der Altstadtschule. Wie der HSG-Vertreter die Kinder an ihrer Schule begeisterte, habe sie jedenfalls beeindruckt. "Von unseren 50 Kindern in den zwei zweiten Klassen sind immerhin 25 zu diesem Spielfest gekommen - und das sogar an einem Samstag."

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