Unterstützung: Auch diese jugendlichen Anhänger des TV Verl hoffen auf einen Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der WM. - © Henrik Martinschledde
Unterstützung: Auch diese jugendlichen Anhänger des TV Verl hoffen auf einen Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der WM. | © Henrik Martinschledde

Gütersloh Handballkreis Gütersloh hofft auf ein neues Wintermärchen bei der WM

Handball: Friedrich Prill hofft wegen der Weltmeisterschaft auf einen Boom im Jugendbereich und kann deshalb auch mit dem Spielverbot in seinem Kreisverband Gütersloh leben

Gütersloh. Friedrich Prill fiebert der Handball-Weltmeisterschaft 2019, die am morgigen Donnerstag mit dem Spiel Deutschland - Südkorea in Berlin eröffnet wird, entgegen. Und natürlich hofft der Vorsitzende des Handball-Kreisverbandes Gütersloh, dass sich das Wintermärchen von 2007, als sich die DHB-Auswahl im eigenen Land mit dem legendären 29:24-Finalsieg über Polen in Köln den Titel schnappte, wiederholt. Noch mehr am Herzen liegt dem 68-Jährigen aber der Boom, den ein solcher Erfolg und ein größeres öffentliches Interesse an der Handball-Nationalmannschaft als normal auslösen dürfte. "2007 wollten plötzlich alle Kinder Handball spielen und strömten in die Vereine, die mit dem Zulauf jedoch leider nicht gut fertig geworden sind, weil es an Trainern und Hallenzeiten fehlte", erinnert sich Prill. "Jetzt könnten wir so einen Schwung aber wieder gut gebrauchen, denn seit 2010 haben wir im Nachwuchsbereich 25 Prozent Mitglieder verloren." Statt 275 Jugendmannschaften im Jahr 2010 zählt der Handball-Kreisverband Gütersloh heuer nur noch 205. Bundesweites Spielverbot am 12. und 19. Januar Diese für ihn "existenzgefährdende Tendenz" will der Rietberger auch am Samstag zur Sprache bringen, wenn er nach 20 Jahren als Verbands-Vorsitzender zum letzten Mal den Handball-Kreistag eröffnet, um dann sein Amt in jüngere Hände zu übergeben. Gewappnet haben sich Prill und seine Vorstandskollegen aber auch für kritische Nachfragen zum bundesweiten Spielverbot, das der Deutsche Handball-Bund für die Samstage 12. und 19. Januar verhängt hat. "Ich persönlich halte diese Entscheidung für Blödsinn", sagt Prill. "Denn auch der nächste Spielort Köln ist von Gütersloh weit weg. Wer dort trotzdem WM-Partien schauen will, der fährt sowieso, Spielverbot hin oder her." Nötig ist das unter Androhung von Strafen ausgesprochene Spielverbot an diesen WM-Samstagen für Prill eh nicht. "Denn natürlich wären wir als Kreisverband dem Wunsch nach Spielverlegungen ohne Umstände nachgekommen, wenn Mannschaften von uns zur WM hätten fahren wollen." Verbot wird strikt eingehalten Selbstverständlich wisse er aber auch um die Verpflichtungen des DHB gegenüber seinen WM-Sponsoren und um die Hoffnung auf hohe Einschaltquoten bei den TV-Übertragungen. "Und dass Handball bei dieser WM endlich wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen wird, ist für unsere Sportart ja auch ein Segen", räumt Prill ein. "Aber könnte man nicht viel mehr erreichen, wenn unsere Vereine vor oder nach ihren Spielen mit einem Public Viewing ihre Zuschauer und Anhänger einbinden dürften?" 2007 sei die Nationalmannschaft im Übrigen auch ohne Spielverbote Weltmeister geworden und hätte ein überragendes öffentliches Interesse am Handball ausgelöst, fügt Prill hinzu. Sollte die deutsche Mannschaft das WM-Finale am 27. Januar um 17.30 Uhr in Herning, erreichen, könnten für diesen Tag angesetzte Ligaspiele problemlos verlegt werden, so Prill. Dass das WM-Spielverbot am 12. und 19. Januar sowie in Westfalen zusätzlich am 20. Januar strikt eingehalten wird, steht für den Vorsitzenden des Handball-Kreisverbandes Gütersloh außer Frage. "Der Ärger um das Spielverbot während der Frauen-WM Ende 2017 ist schließlich immer noch nicht ausgestanden." Weil seinerzeit in einigen unteren Klassen - auch im Kreis Gütersloh - trotz Verbot gespielt wurde, hatte der DHB mehrere Landesverbände mit Geldstrafen belegt. Der westfälische Verband sollte zum Beispiel letztlich noch 5.000 Euro berappen. "Dagegen wurde geklagt. Ein Urteil ist mir noch nicht bekannt", berichtet Prill.

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