Trophäensammler: Zum dritten Mal nach 2013 und 2014 holte sich EM-Teilnehmer Amanal Petros von der SV Brackwede den Sieg beim Wiedenbrücker Christkindllauf. - © Henrik Martinschledde
Trophäensammler: Zum dritten Mal nach 2013 und 2014 holte sich EM-Teilnehmer Amanal Petros von der SV Brackwede den Sieg beim Wiedenbrücker Christkindllauf. | © Henrik Martinschledde

Favoritensiege beim Christkindllauf

26. Wiedenbrücker Christkindllauf: Amanal Petros und Michelle Rannacher triumphieren über 10 Kilometer. 1.146 Teilnehmer erreichen bei Dauerregen das Ziel, die Zuschauer sorgen für eine tolle Stimmung

Wolfgang Temme
08.12.2018 | Stand 08.12.2018, 15:10 Uhr |

Gütersloh. Der Mann hat Ahnung vom Laufen und ein gutes Gespür für Symbolik: Michael Reker, bei der LG Burg Wiedenbrück zuständig für das Meldewesen des Christkindllaufs, hatte Michelle Rannacher für die gestrige 26. Auflage die Startnummer 1 und Amanal Petros die 111 gegeben. Die beiden Favoriten wur den ihren Nummern gerecht. Rannacher (DJK Gütersloh) gewann das 10-Kilometer-Rennen der Frauen in 36:20 Minuten, und Petros (SV Brackwede) triumphierte bei den Männern nach 31:31 Minuten zum dritten Mal. Für die 24-jährige, die im Ziel von Reker höchstpersönlich die Siegertrophäe überreicht bekam, war die Startnummer sogar bedeutsam für den Rennverlauf. „Die 1 tragen zu dürfen ist eine Ehre. Ich habe erst aus der Zeitung davon erfahren und mich unwahrscheinlich darüber gefreut. Das war heute Ansporn für mich – ich wollte unbedingt gewinnen." Titelverteidigung war kein Selbstläufer Ein Selbstläufer war die „Titelverteidigung" für Michelle Rannacher keineswegs. Die starke Franzi Bossow vom TSVE Bielefeld verlangte ihr alles ab. Erst in der Schlussrunde konnte sich die Gütersloherin von der 31-jährigen Konkurrentin, die 2009 den Hermannslauf gewann, lösen und einen Vorsprung von 22 Sekunden herauslaufen. Da sah sich auch Trainer Hansi Böhme in seiner Einschätzung bestätigt. „Michelle ist eine Instinktläuferin, die ein Rennen unwahrscheinlich gut lesen kann", hatte der 76-Jährige schon vor dem Start gesagt. Dass mit der fünftplatzierten Lokalmatadorin Silvia Noya Crespo eine weitere Läuferin aus seinem „Stall" mit der persönlichen Netto-Bestzeit von 39:23 Minuten glänzte, freute Böhme ebenfalls. „Eigentlich lief es schlecht, aber die Stimmung macht ja alles gut hier", bedankte sich die 39-Jährige beim Publikum, das trotz Dauerregen die Strecke bevölkerte. Entscheidung erst in der letzten Runde Auch das Männerrennen wurde erst in der letzten von vier Runden entschieden. Robiel Weldemichael (Delbrück) ließ die Zuschauer sogar staunen, als er anfangs zwölf Sekunden Vorsprung vor Amanal Petros herauslief. „Nach 13 Wochen Wettkampfpause wollte ich nichts riskieren", erklärte der mit Langarmshirt und Cap laufende Nationalkaderathlet seine defensive Taktik. Schon in der zweiten Runde schloss er zum Führenden auf und gewann mit sieben Sekunden Vorsprung. Dass er weit entfernt blieb von seinem 2014 aufgestellten Streckenrekord (30:18 Min.) erklärt sich nicht nur mit der nass-rutschigen Strecke, sondern auch mit seiner Zurückhaltung. Petros ist erst seit gut zwei Wochen wieder im Training und noch durch eine Handverletzung gehandicapt, die er sich als Sportsoldat bei einem Übungsleiterlehrgang zuzog. Bevor er am 1. Januar zum TV Wattenscheid wechselt, will der EM-Teilnehmer noch einen Silvesterlauf im Brackweder Trikot bestreiten: „Entweder in Gütersloh oder in Soest." Elias Sansar hat seine Wettkampfschuhe vergessen Hinter dem fünftplatzierten Elias Sansar, der seine Wettkampfschuhe vergessen hatte („Das erste Mal in 20 Jahren") und in nur selten getragenen Trainingsschuhen antreten musste („Das ist ein komplett anderer Laufstil"), belegte Tom Harder als bester heimischer Läufer Rang sechs. Der 21-jährige Bauzeichner aus Verl, der für die SV Brackwede startet („Das Training dort bringt unheimlich viel") freute sich über die persönliche Bestzeit von 34:06 Minuten. Mit 1.146 Teilnehmern im Ziel kam der 26. Christkindllauf trotz ungünstiger Wetterverhältnisse recht nah an das Rekordergebnis des Vorjahres (1.211) heran. „Wir sind vollauf zufrieden", lautete das Fazit von Martin Masjosthusmann aus dem perfekt funktionierenden Organisationsteam der LG Burg. Das Feld war so groß, dass Schlussläufer Norbert Windau, der im Engelskostüm lief und Süßigkeiten verteilte, exakt 2:02 Minuten nach dem Signal brauchte, bis auch er die Startlinie überquert hatte.

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