Highlight: Im Vorjahr begeisterte der deutsche Spitzenläufer Karsten Meier aus Hannover das Publikum bei seinem Sieg in Wiedenbrück. - © Henrik Martinschledde
Highlight: Im Vorjahr begeisterte der deutsche Spitzenläufer Karsten Meier aus Hannover das Publikum bei seinem Sieg in Wiedenbrück. | © Henrik Martinschledde

Rheda-Wiedenbrück Wiedenbrücker Christkindllauf verspricht wieder Gänsehaut-Feeling

LG Burg rechnet am Freitagabend mit mehr als 1.200 Teilnehmern

Rheda-Wiedenbrück. Als im Sommer ein sportlicher Mann mit dem Fahrrad sehr konzentriert mehrere Runden auf exakt gleicher Strecke durch die Wiedenbrücker Innenstadt drehte, dachte niemand an den Christkindllauf. Dabei war Ortwin Roye im Auftrag der LG Burg Wiedenbrück unterwegs. Der 42-Jährige aus Welver hatte die Aufgabe, den Rundkurs neu zu vermessen, weil die Gültigkeit des Streckenprotokolls ausgelaufen war. Wenn am Freitag die 26. Auflage der Kultveranstaltung startet, können alle Teilnehmer sicher sein, das ihre 10-Kilometer-Zeit auch offiziell anerkannt wird. Roye erledigte seinen Job nämlich äußerst gewissenhaft. Er fuhr die Runde sechs Mal ab und ermittelte auf der Ideallinie für Läufer eine Streckenlänge von genau 2.506 Meter. Wer morgen also vier Runden absolviert, hat sogar ein paar Meterchen mehr in den Beinen als gefordert. Das gilt übrigens auch für Roye selbst, der mit der Startnummer 150 ins Rennen geht. Die Ideallinie dürfte dabei niemand erwischen, nicht mal die von Radfahrern begleiteten Führenden. Es wird nämlich wie immer eng auf der Strecke, die Schnellsten müssen sich auf einen Slalomlauf einstellen. Die 1.100 freien Startnummern waren bei der Online-Anmeldung am 10. Oktober innerhalb von 2:20 Minuten vergeben. Insgesamt hat die LG Burg rund 1.400 Nummern vergeben. Aus Erfahrung weiß Martin Masjosthusmann aus dem Organisationsteam, dass einige ungenutzt bleiben: "Wir rechnen mit 1.200 bis 1.250 Finishern." Im Vorjahr bedeuteten 1.211 eine neue Rekordmarke. "Wir wollen einen hochkarätigen Wettkampf bieten" Über hundert Mitarbeiter von LG Burg, Bauhof, Feuerwehr und DRK sind im Einsatz, um den Teilnehmern ein reibungsloses Lauferlebnis zu ermöglichen. Für die besondere Stimmung sorgen stets die Zuschauer, die vor allem an Start und Ziel auf der Langen Straße ein Gänsehaut-Spalier bilden. Wenn um 19 Uhr der Startschuss fällt, brennen sie traditionell Wunderkerzen ab. Der Christkindllauf ist inzwischen aber nicht nur der am schnellsten ausgebuchte und der vielleicht stimmungsvollste Lauf im Kreis Gütersloh, sondern auch der sportlich hochwertigste. Der Blick in die Siegerliste zeigt, dass nirgendwo sonst so schnelle 10-Kilometer-Zeiten gelaufen werden. Der LG Burg Wiedenbrück ist das nicht unwichtig. "Wir freuen uns über 500 Läufer aus Rheda-Wiedenbrück", betont Martin Masjosthusmann die Breitensportsäule der Veranstaltung. Er sagt aber auch: "Wir wollen den Zuschauern an der Strecke einen hochkarätigen Wettkampf bieten." Um das zu ermöglichen hält die LG Burg immer eine Reihe von Startnummern in Reserve für Spitzenläufer, die sich häufig erst kurzfristig zu einem Start entschließen. Michelle Rannacher von der DJK Gütersloh hat derlei "Star-Allüren" nicht. Die 23-jährige Vorjahressiegerin hatte sich am 10. Oktober im ganz normalen Verfahren angemeldet und eine x-beliebige vierstellige Startnummer zugewiesen bekommen. "Das finde ich sehr sympathisch von ihr, aber wir haben trotzdem getauscht", erklärte Masjosthusmann, warum die Kreisrekordlerin (35:42 Min.) mit der Nummer 1 ins Rennen gehen wird. Ob es wieder zum Sieg reicht? Rannacher hat seit ihrem Titelgewinn bei den NRW-Halbmarathonmeisterschaften vor vier Wochen nicht mehr intensiv trainiert. "Ich habe mir eine kleine Saisonpause gegönnt. Daher möchte ich beim Christkindllauf einfach gut durchkommen und schauen wo ich momentan stehe", erklärte sie. Die Konkurrenz ist jedenfalls groß. Mit Christl Dörschel (SG Wenden) ist die Vorjahreszweite wieder dabei. Die 42-Jährige aus Gummersbach kommt nach ihrem Erfolg im Mai in Alicante (36:32 Min.) als amtierende Senioren-Europameisterin nach Wiedenbrück. Für den gleichen Verein startet auch Daniela Wurm aus Lippstadt. Die 27-jährige holte sich im Oktober in Brockhagen (in Abwesenheit Rannachers) vor Dörschel den NRW-Titel über 10 Kilometer. Ihre Bestzeit verbesserte sie 2018 auf 36:27 Minuten. Bei den Männern könnte es einen neuen Sieger geben. Vorjahresgewinner Karsten Meier hat sich jedenfalls noch nicht beim Veranstalter gemeldet. Der 26-Jährige Hannoveraner hatte in diesem Jahr mit dem Gewinn des deutschen Meistertitels im Halbmarathon (65:22 Min.) und seinem Marathondebüt in 2:16:24 Stunden vollendet, was er mit seinem Christkindllaufsieg angedeutet hatte. Neben dem Vierten von 2017, Nicolai Riechers (OTB Osnabrück) steht auch der stets mutig laufende Vorjahresdritte Robiel Weldemichael wieder in der Startliste. Der 26-jährige gebürtige Eritreaer bestreitet eines seiner letzten Rennen für den Delbrücker Verein SuS Westenholz, denn er wechselt zur SV Brackwede. Gut möglich, dass sich kurzfristig auch noch der neunmalige Sieger Elias Sansar (Detmold) zu einem Start entschließt. "Wenn er sich meldet, kriegt er eine Startnummer" Sie alle dürften indes keine Chance haben, wenn Amanal Petros antritt. Der Streckenrekordhalter hatte in Erwägung gezogen, sein letztes Rennen für die SV Brackwede in Wiedenbrück zu bestreiten; der EM-Teilnehmer von Berlin über 10.000 Meter (Rang 16) wechselt am Jahresende zum TV Wattenscheid. Zuletzt war allerdings von einer Verletzung die Rede. "Wenn er sich meldet, kriegt er eine Startnummer", hält Martin Masjosthusmann die Tür für den 23-Jährigen offen.

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