Rückblende: Als Fußballer war Sandra Jurado Garcia (l.) zuletzt für die TSG Harsewinkel in der Landesliga aktiv. Nachdem er sich ganz auf das Hallenspiel konzentriert hat, strebt der 24-Jährige aus Rheda eine Karriere im Nationalteam an. - © Robert Becker
Rückblende: Als Fußballer war Sandra Jurado Garcia (l.) zuletzt für die TSG Harsewinkel in der Landesliga aktiv. Nachdem er sich ganz auf das Hallenspiel konzentriert hat, strebt der 24-Jährige aus Rheda eine Karriere im Nationalteam an. | © Robert Becker

Rheda-Wiedenbrück Sandro Jurado Garcia will bei historischem Ereignis dabei sein

Der Futsal-Spieler träumt von der Nominierung für das erste Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft. Ab Mittwoch Trainingslager in Georgien

Robert Becker

Rheda-Wiedenbrück. Sandro Jurado Garcia hat seine Entscheidung nicht bereut: Im Winter gab der 24-jährige Rhedaer seine Ambitionen im Fußball auf und konzentrierte sich ganz auf Futsal. Nun gehört er zu einem Kreis von Spezialisten, denen die Teilnahme an einem sporthistorischen Ereignis winkt - dem ersten Länderspiel einer deutschen Futsal-Nationalmannschaft. In den ersten DFB-Kader hat es Jurado Garcia bereits geschafft. Am Mittwoch fliegt er von München aus nach Georgien, wo die von Bundestrainer Paul Schomann nominierte Auswahl in der Hauptstadt Tiflis ein fünftägiges Trainingslager absolviert und zwei inoffizielle Trainingsspiele bestreitet. Für die "Reisegruppe" qualifizierte er sich über eine umfassende Sichtung. Zuletzt wurde aus einem Kreis von 24 Spielern das 16-köpfige Georgien-Aufgebot gebildet. Aus ihm rekrutiert sich das Team, das am 30. Oktober das erste offizielle Länderspiel bestreitet. Hamburg, Dortmund und Halle/Westfalen gelten als favorisierte Austragungsorte für die Freundschaftspartie, die möglicherweise gegen England ausgetragen wird. "Ich habe jetzt eine riesige Chance, dabei zu sein", bewertet Garcia seine Perspektive durchaus euphorisch. Bis dahin will er hart an sich arbeiten. "Handlungsschnelligkeit ist beim Futsal extrem wichtig", weiß der Stürmer. Dass Futsal-Kickern ein gewisser Hang zum "Fummeln" nachgesagt wird, kann er nicht verstehen. Taktisches Grundverständnis, Passgenauigkeit und die zielgerichtete Anwendung von Tricks sei wichtig, um mit dem Ball, der weniger springfreudig ist als ein normaler Fußball und deshalb gut am Fuß liegt, erfolgreich zu sein, erklärt Garcia. Mit dem Regionalligisten Holzpfosten Schwerte 05 feierte Sandro Jurado Garcia vor vier Wochen den Titelgewinn in der Regionalliga, der höchsten deutschen Spielklasse. Zweimal pro Woche findet Vereinstraining statt. Daneben trainiert er auch viel allein, macht Treppenläufe, verfeinert im Fitnessstudio die Koordination oder verbessert die Ausdauer mit Waldläufen. Begonnen hat er seine Hallenkarriere bei den Futsal Freakz Gütersloh. Mitunter denkt Sandro Jurado Garcia auch noch an den Fußball. "Beides nebeneinander wäre auf Dauer schwierig geworden", lautet seine Erfahrung. Dass das Ballgefühl auf dem Rasen ein anderes ist als in der Halle - damit hätte er durchaus zu recht kommen können. Das Hauptproblem sind vielmehr die sich überschneidenden Termine. "Das würden nicht viele Vereine mitmachen", sagt Garcia, der daran im Winter beim Landesligisten TSG Harsewinkel scheiterte. Ein wenig trauert er doch noch der anfangs viel versprechenden Karriere hinterher. Beim SC Wiedenbrück kam er unter Thomas Stratos als bester Torschütze der Wiedenbrücker A-Junioren zu einigen Kurzeinsätzen in der Regionalliga. "Vielleicht war mir damals gar nicht so recht bewusst, was möglich ist", sagt er heute und ergänzt: "Von der Schnelligkeit her hätte ich mithalten können." Es kam anders: Wiedenbrück gab ihm keinen Vertrag, Garcia wechselte zuerst zum NRW-Ligisten TuS Dornberg, dann zum SV Spexard und weiter nach Harsewinkel - doch der Durchbruch blieb aus. Dass Futsal in Deutschland den Durchbruch schafft, davon ist Sandro Jurado Garcia überzeugt. "In vier bis fünf Jahren kann es hier eine Bundesliga geben", schätzt er und zieht einen Vergleich zu anderen Fußball-Nationen: "In Spanien und Brasilien wird im Futsal schon gutes Geld verdient."

realisiert durch evolver group