Insolvenzantrag schockt FC Gütersloh

Fussball: Oberligist hat monatelang keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt

Gütersloh. Den FC Gütersloh hat wieder einmal die Vergangenheit eingeholt, und die neue Vereinsführung wurde kalt erwischt. Weil der Fußball-Oberligist für die ersten sieben Monate des Jahres 2014 keine Sozialversicherungsbeiträge für die in Minijobs beschäftigten Spieler und Trainer gezahlt hat, stellte die zuständige Minijobzentrale Bielefeld über ihren Versicherungspartner "Knappschaft Bahn See" einen Insolvenzantrag gegen den FCG. Die offene Forderung beläuft sich auf 23.540 Euro. Präsident Andre Niermann, der gestern die Presse über den bisher nicht bekannten Vorgang informierte, ist zwar geschockt. Er zeigt sich aber überzeugt, die Insolvenz abzuwenden. Die Mitteilung über den bereits Mitte August an das Amtsgericht Bielefeld gerichteten Antrag war zunächst an die Adresse von Dr. Bernd Ruhnke geschickt worden. Niermann, der am 3. Juli das Präsidentenamt von Ruhnke übernommen hatte, erhielt am 1. September davon Kenntnis und hatte acht Tage Zeit zu reagieren. Zusammen mit Insolvenzexperte Frank Welsch und Steuerberater Hans Kochjohann erwirkte er eine Stundung und erarbeitete einen Vorschlag zur Ratenzahlung. Sollte die Knappschaft dem zustimmen, hat der FCG bis Mitte Oktober Zeit, die Forderung zu begleichen. "Diese Insolvenz findet nicht statt", ist sich Niermann sicher, dass der momentan ruhende Antrag mit der Zahlung der 23.540 Euro erlischt. Er stellt aber auch klar: "Das reißt natürlich an anderer Stelle eine Riesenlücke in meine Planung. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich so eine Summe noch obendrauf bekomme." Andre Niermann ("Hier arbeiten alle ehrenamtlich, da passieren Fehler") stellt vorerst nicht die Schuldfrage in den Vordergrund. Daher hat er auch noch keinen Kontakt zu seinem Vorgänger Dr. Bernd Ruhnke aufgenommen, in dessen Amtszeit das Gros der Zahlungen fällig war. Warum die Sozialversicherungsbeiträge in einer monatlichen Höhe von 2.600 Euro (20 Prozent pauschal für jeden 450-Euro-Minijobber) nicht geleistet wurden, ist Niermann ein Rätsel: "Das darf nicht passieren." Unerklärlich ist ihm auch, warum keine der ergangenen Mahnungen bei ihm oder auf der Geschäftsstelle eingingen. Für den Monat August hat er die Zahlung der Pauschalsteuer fristgerecht veranlasst. "Mein Ziel ist es, den Verein finanziell sauber zu führen", stellt Niermann klar, der auch als Arbeitgeber in seinem Unternehmen weiß, welche Konsequenzen die Nichtzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen hat: "Dann sitzen wir bald nicht mehr in diesem Büro", sagte er bei der kurzfristig in seinem Firmensitz abgehaltenen Pressekonferenz. Auf die Frage, ob er noch mit weiteren Forderungen aus der Vergangenheit rechne, antwortete er: "Ich hoffe nicht." Der Präsident ("Andere werfen in so einer Situation die Brocken hin, ich mache das nicht") machte indes klar, dass finanzielle Seriosität bei ihm höchsten Stellenwert genießt: "Wenn es weiter solche Sachen gibt, wäre ich mir nicht zu schade, selbst einen solchen Insolvenzantrag zu stellen." Die laufende Saison hat der Oberligaklub nach Auskunft Niermanns mit einem Netto-Etat für die 1. Mannschaft in Höhe von 120.000 Euro geplant. "Die meisten Konkurrenten arbeiten mit der doppelten Summe", glaubt er. Sämtliche Spieler seien auch in dieser Saison mit einem Minijob beschäftigt (maximal 450 Euro), nur Trainer Holger Wortmann werde anders bezahlt. Gleichwohl ist der FCG mit einer Unterdeckung von 50.000 Euro gestartet, jetzt kommen noch einmal 23.540 Euro hinzu. Das Akquirieren neuer Sponsoren, vor allem eines Trikotsponsors, tut also Not. "Diese Sache trägt nicht dazu bei, schnell einen zu finden", sagt Niermann. So hätten die Stadtwerke Gütersloh, die für diese Saison absagten, aber nach seiner Einschätzung grundsätzlich nicht abgeneigt seien, als Voraussetzung eine "vernünftige Geschäftsführung" gefordert. "Das Trikot des FC Gütersloh ist im Moment selbst zu Schnäppchenpreisen nicht zu vermarkten", stellt der Präsident fest. Immerhin konnte er einen Erfolg auf anderer Ebene vermelden: Ein Autohändler aus Bielefeld hat dem FCG einen 
9-Sitzer-Bulli für die Jugendabteilung spendiert.

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