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Bielefeld Spannung vor dem Handball-Derby der TSG gegen den TuS 97

Die gemeinsame Geschichte der Vereine erinnert an das Mailänder Derby

Arne Schütforth
15.11.2019 | Stand 14.11.2019, 19:31 Uhr

Bielefeld. Die großen innerstädtischen Duelle zählen zu den Höhepunkten in allen Ballsportarten. Da ist das Old firm genannte Derby in Glasgow zwischen Celtic und Rangers. Hoch her geht es auch zwischen Real und Atlético Madrid. Oder das "Derby della Madonnina" - frei übersetzt: das Derby der heiligen Madonna, die den Mailänder Dom ziert. Hier treffen in der italienischen Seria A die Fußball-Schwergewichte AC und Inter Mailand aufeinander. Beide Klubs verbindet eine gemeinsame Vergangenheit: 1899 wurde in Mailand ein Verein von einem Briten gegründet, der neun Jahre später gespalten wurde. Die Geburtsstunde der Rivalität. Auch die Bielefelder Handballvereine verbindet eine zugegeben viel kürzer Liaison. Zwei Jahre traten die TSG A-H Bielefeld und der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck mit vereinten Kräften in 2. Liga und Regionalliga an. Noch ein Jahr spielte die TSG unter dem Namen des längst geschiedenen Ehepartners - dann war Schluss. "Das Ur-Derby, mit dem ich groß geworden bin, war immer GWD Minden gegen den TuS Nettelstedt", sagt der im Mindener Stadtteil Hahlen aufgewachsene TSG-Trainer Leif Anton. "Für einen Verein musste ich mich entscheiden - ich habe Nettelstedt genommen", erzählt Anton. »Ein Derby ist immer eine schöne Sache« In seiner aktiven Zeit war es in erster Linie der Vergleich der Zweitligisten Eintracht Hildesheim und Hannover Burgdorf, der ihn elektrisierte. Streng genommen ist Anton am heutigen Abend, 20 Uhr, Seidensticker-Halle, also ein Derby-Novize, denn auch der TSG-Coach hat erkannt: "Derbys sind immer besonders interessant, wenn zwei Klubs aus der gleichen Stadt aufeinander treffen." Minden gegen Nettelstedt, heute TuS N-Lübbecke, ist sportlich zweifellos von einer anderen Bedeutung, als das Bielefelder Duell zwischen TSG und TuS 97, aber es ist eben "nur" ein regionaler Kraftvergleich. Die Bielefelder Kontrahenten haben sich vereinspolitisch in dieser Dekade ganz weit voneinander entfernt, auch wenn sie im Gegensatz zu GWD Minden (1. Liga) und TuS N-Lübbecke (2. Liga) noch in der selben Spielklasse antreten. "Über die Favoritenrolle brauchen wir nicht zu sprechen", sagt Anton. Im Norden baut man auf die eigenen Buben - im Notfall in der Verbandsliga -, im Osten hat TSG-Geschäftsführer Christian Sprdlik ein Team gebastelt, das in die 3. Liga aufsteigen soll. Eine Gemeinsamkeit hat Leif Anton dennoch gefunden: "Beide Mannschaften hatten im Sommer einen großen Umbruch." Spieler, die auf eine außergewöhnliche Derbyerfahrung zurückblicken können, sind auf beiden Seiten selten geworden. "Ich werde meine Mannschaft für die besondere Situation sensibilisieren. Die Stimmung in der Halle wird eine ganz besondere sein", sagt Anton. "Ein Derby ist immer eine schöne Sache, darauf musst du dich freuen, auch wenn du realistisch betrachtet keine Chance hast", findet Pierre Limberg, Trainer des TuS 97. »Wir wollen die Zuschauer begeistern« Im engeren Sinn ist auch Limberg ein Neuling, denn das Duell Emsdetten gegen Nordhorn, das den Spieler prägte, ist auch kein Stadtderby. Obwohl Limberg bereits als Spieler für TuS 97, HSG und TSG sowie als Trainer für die TSG und den TuS 97 aktiv war oder ist, hat der ehemalige Kreisläufer noch kein Bielefelder Stadtderby erlebt - unter Wettkampfbedingungen. "Wir wollen die Zuschauer mit unserem Spiel begeistern", sagt Limberg. "Jöllenbeck hat seine Scheu abgelegt", meint sein Gegenüber Leif Anton. Auch wenn das Bielefelder Derby nicht im Schatten des Mailänder Doms und ohne göttlichen Beistand auskommen muss, die Voraussetzungen für ein begeisterndes Derby sind geschaffen. Ein echter Stadtvergleich, Nord gegen Ost, das hat seinen ganz besonderen Reiz.

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