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Bielefeld Rollstuhl-Tennisspielerin Ellerbrock kündigt das Ende ihrer Karriere an

Rollstuhltennis: Eine psychische Erkrankung steht der Teilnahme bei Olympia 2020 im Weg

14.11.2019 | Stand 13.11.2019, 21:15 Uhr
Turniersiegerin: Sabine Ellerbrock gewann in Prag. Vielleicht war es ihr letzter Titel, bevor sie ihre Karriere beendet. - © Navi Lidavyv
Turniersiegerin: Sabine Ellerbrock gewann in Prag. Vielleicht war es ihr letzter Titel, bevor sie ihre Karriere beendet. | © Navi Lidavyv

Bielefeld. Rollstuhltennis-Spielerin Sabine Ellerbrock hat bei den Czech Indoors in Prag, einem ITF- 2-Turnier, den Turniersieg geholt. Der stand allerdings im Zeichen ihrer Erkrankung, die sie in absehbarer Zeit von der großen Tennis-Bühne Abschied nehmen lässt.

Mit ihrem Halbfinal-Sieg über die Britin Lucy Shuker (Weltranglistenplatz 12) spielte sich die Bielefelderin in das Finale, wo sie auf die aktuelle Weltranglistenvierte Marjolein Buis aus den Niederlanden traf. Für Ellerbrock war es nach dem fast dreistündigen Halbfinale das zweite Match an diesem Tag. Trotz eines 0:2-Rückstandes behielt die Bielefelderin die Ruhe und gewann nach starkem und überzeugendem Spiel schließlich mit 7:5 und 6:4.

Die Entscheidung fällt der Athletin sehr schwer

Ihr Turniersieg war dabei mehr als ein nur sportlicher Erfolg - er war auch Balsam für die Seele. Ellerbrock erklärte nun öffentlich, dass sie seit 2014 an einer Posttraumatische Belastungsstörung mit entsprechenden Symptomen leide. "Dies war auch der Grund, warum ich in den letzten Monaten mehrere Wochen zur Traumatherapie in der Klinik war", erklärt die 44-Jährige. Der Sport sei immer ein stabilisierender Faktor und dies gelte auch noch immer. "Allerdings nicht mehr in Bereichen, in denen ich abhängig von Verbandsstrukturen bin und auch nicht, wenn man sich immer wieder für eine Krankheit rechtfertigen muss oder diese dazu genutzt wird, zu sanktionieren."

Als Athlet habe sie unter solchen Bedingungen keine Chance mehr, ihre Leistung zu bringen, menschlich sei so etwas mit Enttäuschungen verbunden. "Psychische Erkrankungen sind einfach gesellschaftlich immer noch nicht so akzeptiert wie somatische und führen häufig zu Stigmatisierungen. Nach erneut negativen Erfahrungen in den letzten Monaten bleibt mir daher nur der Ausstieg aus den entsprechenden Systemen und so wird aus gesundheitlichen Gründen das Masters oder - sollte ich mich dafür noch einmal qualifizieren - werden die Australian Open mein letztes Turnier sein."

Damit schließt Ellerbrock auch eine Teilnahme bei den nächsten paralympischen Spielen in 2020 in Tokio aus. Die Entscheidung sei ihr "sehr, sehr schwer" gefallen, aber es sei die einzige Möglichkeit, um sie und ihre Gesundheit zu schützen. Entsprechend war der Titel in Prag für die Bielefelderin vielleicht ihr letzter: "Ein Titel für die Seele, der mir zumindest sportlich einen versöhnlichen Ausstieg erlaubt - wenn auch nicht den, den ich mir mit einer erneuten Teilnahme bei Paralympischen Spielen gewünscht hätte."

Ob Ellerbrock im Januar 2020 noch ein letztes Mal bei den Australian Open in Melbourne aufschlagen wird, entscheidet sich Mitte Dezember - dann endet der Qualifikationszeitraum für das Grand Slam Turnier in Melbourne.

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