0

Bielefeld Der verschwundene Handballverein: Wie TuRa Bielefeld zurückgekehrt ist

Handball-Umschau: Der Klub aus Stieghorst war in der HSG Bielefeld-Ost aufgegangen. Jetzt entschied man sich, wieder unter eigenem Namen aufzulaufen

Gregor Winkler
09.10.2019 | Stand 08.10.2019, 19:47 Uhr

Bielefeld. Dass Vereinsnamen verschwinden, ist in den vergangenen Jahren häufig vorgekommen. Im günstigen Fall gehen bekannte Klubs in einer Fusion auf, wie der SC Bielefeld, der zum TuS 97 zählt. Viele kleine Vereine rutschten jedoch in immer tiefere Ligen ab und waren plötzlich einfach aufgelöst. Zuletzt erwischte es den VfB Jöllenbeck. Da lohnt es sich, eine Geschichte zu erzählen, in der das exakte Gegenteil passiert. Denn ein Name taucht nach drei Jahren Abwesenheit wieder auf: TuRa 06 Bielefeld. Es war einst der große Traum eines kleinen, aber sehr rührigen Mannes: Der viel zu früh verstorbene Rolf Klarhorst kämpfte für einen großen Handballverein, dessen Einzugsgebiet sich von Stieghorst einmal quer durch den Osten der Stadt bis zu den Heeper Fichten erstrecken sollte. Mit der Gründung der HSG Bielefeld-Ost erfüllte sich seine Vision. Der TuS Ost, der VfB Fichte, die schon zur HSG Ost/Fichte verschmolzen waren, und TuRa 06 waren an dem Projekt beteiligt. "In der Situation war das sinnvoll, um den Spielbetrieb aufrecht zu halten", sagt der jetzige TuRa-Abteilungsleiter Florian Bartsch. TuRas erste Männermannschaft war etabliert in der Kreisliga A, hatte in der Abstiegssaison 2015 aber nur noch ein Spiel absolviert und war in die B-Liga gerutscht. Als HSG Bielefeld-Ost ging es ab da weiter. Trennung bahnte sich an Die ambitionierten Vorhaben von einst kamen nur schleppend voran. "Es hat sich herausgestellt, dass die Teams der Stammvereine ziemlich autark blieben. Eine Vermischung fand höchstens in der ersten Männermannschaft statt", erklärt Bartsch. Hansi Klindt, Urgestein der HSG Ost/Fichte, bemerkte: "Viele der wichtigen Posten in der HSG waren am Ende mit Leuten der TuRa besetzt." Auch aus dem Verein selbst kam zunehmend der Wunsch auf, wieder unter dem bekannten Vereinsnamen zu starten. "Wir haben eine Abstimmung vorgenommen. Da wurde entschieden, wieder selbstständig als TuRa aufzulaufen", beschreibt Bartsch die Anbahnung der Trennung. Vor allem die HSG-Vorsitzende Christiana Morsch habe den Prozess "ganz sauber und ohne dreckige Wäsche" abgewickelt. "Ich hatte die Fusion mit angeleiert und stehe auch nach wie vor dahinter. Aber sie haben so entschieden", sagt Klindt, der mit einer Mannschaft als HSG Bielefeld-Ost in der Kreisklasse weiter macht. Der einstige Zweitliga-Torwart ist froh, dass "der Kader voll ist. Viele, die schon mal bei uns waren, sind zurückgekommen." Überraschung zum Einstand Für die TuRa stehen zwei Männer-, eine Frauen- und drei Kindermannschaften auf dem Parkett. Als alles unter Dach und Fach war, gab's - quasi zum Einstand - noch eine Überraschung: Unter normalen Umständen wäre das Flaggschiff in der Kreisliga B aufgelaufen. Bartsch erzählt: "Im Urlaub haben wir erfahren, dass wir als Vierter noch ein Aufstiegsspiel machen könnten. Wir hatten nichts zu verlieren und haben eingewilligt." Doch selbst die Relegation wurde nicht mehr nötig: TuRa rutschte automatisch ins Kreisoberhaus. "Mir grauste nicht vor dem Jahr", sagt Bartsch, der natürlich weiß, dass es sein Team schwer haben wird. Immerhin eröffnete die Sieben von Trainer David Stier die Saison mit einem Sieg. Bartsch weiß: "Wir sind auch im Umfeld der Teams gut aufgestellt. Roland Feige etwa hat die lokalen Sponsoren abgeklappert und ein Vereinsheft erstellt. Auch im Jugendbereich haben wir gute Trainer." TuRa 06 Bielefeld ist wieder da. Ein Klub, der, ganz entgegen dem Trend, wieder aufgetaucht ist und noch lange im Handball-Zirkus mitmischen will.

realisiert durch evolver group