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Bielefeld Läufer Kerkmann setzt auf die Ultradistanzen

Sein jüngster Erfolg ist die Qualifikation für die 50-Kilometer-WM

Claus-Werner Kreft
16.08.2019 | Stand 15.08.2019, 19:47 Uhr

Bielefeld. In diesen Wochen bereitet sich Langstreckenläufer Jan Kerkmann vom TSVE auf seinen ersten Einsatz im Nationaltrikot vor: Wenn am 1. September in Rumänien der Startschuss zur 50-km-Weltmeisterschaft 2019 fällt, gehört der Bielefelder zum fünfköpfigen Männerteam des DLV. Qualifiziert hat er sich im Frühjahr bei der DM-Premiere dieser "Ultradistanz", die im brandenburgischen Grünheide über die Bühne ging. Ultradistanzen nennt man Laufstrecken, die länger sind als der klassische Marathon (42,195 km). Als Meisterschaftswettbewerb, den der DLV auch in seinen Bestenlisten berücksichtigt, haben sich die 100 Kilometer längst etabliert; aber jetzt holt die halb so lange Distanz auf. 50-km-Läufe wurden bislang unter der Regie der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung (DUV) veranstaltet. Sie bleibt Ausrichter dieser neuen DM, die aber unter dem Dach des DLV abläuft und damit eine Aufwertung erfährt. »Dieses Ziel motiviert mich« Der DLV war auch verantwortlich für die Nominierungen zur 50-km-Weltmeisterschaft. Deren Premiere am 4. Dezember 2015 und ihre zweite Auflage ein Jahr später gingen in Doha (Katar) über die Bühne - dort, wo jetzt die Stadion-WM wartet und Amanal Petros so gern dabei sein würde. Bekanntlich verfehlte er die 5.000-m-Norm des Weltverbandes IAAF (13:22,50 Min.) um winzige zwei Hundertstelsekunden und muss nun hoffen, dass er als Nachrücker doch zugelassen wird oder die Norm noch erfüllt. Versuchen will er das am 28. August in Rovereto (Italien). Den ersten offiziellen deutschen 50-km-Titel gewann der Thüringer Marcel Bräutigam vom GutsMuths-Rennsteiglaufverein. Er war mit seiner Marathon-Bestzeit von 2:17:05 Std. als Favorit in Grünheide angetreten und wurde dieser Rolle gerecht: Nach 2:51:22 Std., nur gut zwei Minuten entfernt vom deutschen Rekord (2:49:06), erreichte er mit sicherem Vorsprung das Ziel. Vizemeister wurde der Heilbronner Benedikt Hoffmann (2:54:43), Bronze ging an den bekannten Ultralauf-Spezialisten Florian Neuschwander (Spiridon Frankfurt, 2:54:53). Als Vierter von 62 gewerteten Läufern durfte sich Jan Kerkmann (3:00:27) über einen großartig gelungenen 50-km-Einstand freuen. Nur 28 Sekunden fehlten ihm, um auf Anhieb die Traumgrenze von drei Stunden zu unterbieten. "Dieses Ziel reizt und motiviert mich jetzt", verriet der erfolgreiche Hermannsläufer (2016 Zweiter, 2018 Dritter), Auch im Marathon steht er vor einem Durchbruch: Bei der DM Ende April in Düsseldorf verbesserte er sich ja auf 2:30:42 und deutete an, dass er die zweieinhalb Stunden angreifen kann. Schritt für Schritt, im Rhythmus von je zwei Jahren, hat er sich zuletzt dieser Marke genähert - von 2:33:35 (2015) über 2:32:29 (2017) zu den aktuellen 2:30:42. Man darf gespannt sein, ob er nach der 50-km-WM noch einen Herbstmarathon absolviert. Bei der internationalen Bewährungsprobe im siebenbürgischen Brasov (Kronstadt) geht es nicht nur um eine achtbare Platzierung, sondern eben auch um die Chance, erstmals die Zwei nach vorn zu setzen. In der sogenannten ewigen deutschen 50-km-Bestenliste belegt der Debütant mit seinen 3:00:27 Std. immerhin schon den 12. Platz. Die neue Strecke als neue Herausforderung, die sich aber nur um knapp acht Kilometer vom Marathon unterscheidet. "Energetisch verlangt sie dem Läufer nicht viel mehr ab", meint Jan Kerkmann. Wie auch immer: Seine 50-km-Leistung und WM-Nominierung schlagen ein neues Kapitel in der Bielefelder Leichtathletik auf. Die hundert Kilometer sind schon in der Kreisrekordliste vertreten, seit Günther Wierum (TuS Solbad Ravensberg) 1987 im Alter von 46 Jahren respektable 7:37:50 Std. ablieferte.

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