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Bielefeld 3.000-Meter-Lauf: Dreizehn Bielefelderinnen unter der magischen Marke

Leichtathletik-Forum: Aktuell ist Lea Weike aus Brackwede die Zeitenbeste

Claus-Werner Kreft
15.08.2019 | Stand 14.08.2019, 18:52 Uhr

Bielefeld. Die Geschichte des 3.000-Meter-Laufs der Frauen ist noch relativ jung, lange wollte man dem "schwachen Geschlecht" eine so lange Bahndistanz nicht zumuten. Als 1973 in Lüdenscheid die siebeneinhalb Stadionrunden erstmals zum Programm der Westfalenmeisterschaften zählten, reichten 10:28,2 Minuten für den Titel. 1977 eröffnete Mathilde Heuing mit 9:51,7 Min. eine westfälische Titelserie der BTG. Sie siegte auch 1979 und 1980 im BTG-Trikot; schon 1974 war sie als erste 3.000-m-Läuferin in der Bielefelder Kreisrekordliste vertreten - mit ihren bei der DM in Hannover erzielten 9:56,8 Min. Im selben Jahr hatten die 3.000 Meter ihre internationale Meisterschaftspremiere bei der EM in Rom. Der erste WM-Titel auf dieser Distanz ging 1980 an die Frankfurterin Birgit Friedmann: Im holländischen Sittard, wo auch eine andere neue Frauendisziplin (400 m Hürden) zum Zuge kam, wurde sie mit 8:48,1 Min. die erste deutsche Leichtathletik-Weltmeisterin überhaupt. Denn eine komplette WM fand erst 1983 in Helsinki statt, hier überraschte die Kölnerin Brigitte Kraus mit 8:35,11 Min. als Vizemeisterin. Blütezeit des Streckenlaufs war in den 80er Jahren Olympisch wurde der "Dreitausender" 1984 in Los Angeles; 1996 in Atlanta aber griff erstmals die Anpassung an das Programm der Männer. Seither laufen die Frauen 5.000 statt 3.000 m. Doch die kürzere, auch bei der Freiluft-DM nicht mehr ausgetragene Strecke behält ihre Bedeutung - so bei der Team-EM, bei Hallenmeisterschaften und in Bestenlisten. Was die 3.000-m-Distanz der Frauen angeht, hat auch Bielefeld einiges zu bieten. Dreizehn Läuferinnen blieben bislang unter der noch immer vielbeachteten Zehn-Minuten-Marke, vier von ihnen sogar unter 9:20. Die meisten Top-Ergebnisse stammen aus den achtziger Jahren, also aus der Blütezeit des Mittel- und Langstreckenlaufs unter dem kürzlich verstorbenen Erfolgstrainer Peter Hartmann. An diese Ära schlossen sich ab 1987 starke Leistungen einiger von Claus Binz trainierten Läuferinnen an: Die Jugendliche Dorothee Mechau näherte sich mit 9:51,13 Min. dem U-20-Kreisrekord von Katrin Bischoff (BTG, 9:47,54), Sigrid Wennemar mit 9:19,60 Min. den Zeiten der BTG-Asse Sigrid Wulsch und Steffi Böker. 1993 aber begann eine Durststrecke, die ein Vierteljahrhundert lang keine einzige Bielefelder Zeit unter zehn Minuten mehr brachte. Es gab allerdings auch das eine oder andere Jahr, in dem keine westfälische Läuferin die Neun nach vorn setzte. Aktuell kommt es zu einer Art Renaissance, an der mehrere Schützlinge von SVB-Trainer Thomas Heidbreder beteiligt sind. In der Westfalenbestenliste 2019 findet man sieben Läuferinnen mit 9-er Zeiten, unter ihnen ein Brackweder Trio. Nur knapp neun Sekunden trennen die mit 9:52,59 Min. auf Rang 4 platzierte Lea Weike von der Saisonbesten Denise Schumacher (FC Schalke 04); Stephanie Strate ist mit 9:57,50, Nele Weike mit 9:57,94 dabei. Und bald dürfte auch Hindernisläuferin Jana Palmowski die zehn Minuten unterbieten. Bleibt noch anzumerken, dass SVB-Jungseniorin Nina Schüler vor elf Jahren 9:40,66 Min. erzielte, jedoch studienbedingt damals für den ESV Münster startete. Kreisrekord wie in Stein gemeißelt Der Kreisrekord erscheint weiterhin wie in Stein gemeißelt: 1984, bei einem der legendären Koblenzer Meetings, beeindruckte die damals 31-jährige, aus Menden stammende Sigrid Wulsch (BTG) mit 9:09,91 Minuten. Was diese Zeit wert ist, zeigt ein Blick in spätere deutsche Jahresbestenlisten: 2006, von 2008 bis 2010 und auch noch 2016 hätte sie den 2. Platz gebracht; ebenso oft wäre der 3. Rang herausgesprungen. Auf ähnlich hohem Niveau lief ihre Vereinskollegin Steffi Böker, die 1983 - ebenfalls in Koblenz - 9:16,62 Min. vorgelegt und "Tille" Heuings Kreisrekord (9:19,60) gelöscht hatte. 1984 in Düsseldorf sorgten die beiden schnellsten 3.000-m-Läuferinnen auch für den wohl größten Doppelerfolg Bielefelder Frauen bei einer Stadion-DM: Sigrid Wulsch wurde in 4:15,02 Min. Vierte über 1.500 Meter, Steffi Böker mit 9:20,99 Min. Vierte über 3.000 Meter.

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