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Alles fest im Griff: Zdenek Havlik weiß noch genau, wie man die 50-Kilogramm-Puppe bearbeiten muss. - © Andreas Zobe
Alles fest im Griff: Zdenek Havlik weiß noch genau, wie man die 50-Kilogramm-Puppe bearbeiten muss. | © Andreas Zobe

Bielefeld Sportler im Ehrenamt: Zdenek Havlik - ein Mann, der etwas bewegt

Der Ringer ist Abteilungsleiter des ASV Atlas. Seit 33 Jahren setzt sich der Altmeister für die olympische Sportart ein

Gregor Winkler
14.08.2019 | Stand 13.08.2019, 19:22 Uhr

Bielefeld. Auf das Bild ist er besonders stolz: Im Buch "Bielefelder Sport im Wandel der Zeit" - quasi dem Sportalmanach des Teuto-Oberzentrums - ist er abgebildet. In einer Reihe steht sein Team dort unter der Überschrift "Schwerathletik". Mitten drin Zdenek Havlik. "Da bin ich Ostwestfalenmeister in der Klasse bis 82 Kilogramm geworden", erinnert er sich. Die Trainingsanzüge verraten schon: Das Bild wurde in der achtziger Jahren geschossen. Steht man dem 63-Jährigen, der körperlich nicht außergewöhnlich groß ist, heute gegenüber, lässt sich immer noch erahnen, was für eine Maschine er mit rund 82 Kilogramm Kampfgewicht gewesen sein muss. "Heute kämpfe ich aber nicht mehr", sagt er im ruhigen Ton, "die Verletzungsgefahr nimmt im Alter zu stark zu." »Wenn einer aufhört, haben die Anderen mehr auf den Schultern« Ein Kämpfer war Havlik nicht nur auf sportlichem Gebiet: 1982, der Kalte Krieg war noch in vollem Gange und die Grenzen schwer zu überwinden, ging er aus seiner Heimat- und Geburtsstadt Prag über Salzburg nach Ostwestfalen. Er landete in Detmold, fand sportlich zunächst in Paderborn Anschluss. Ab 1986 trat Havlik dann für den ASV Atlas auf die Matte. Schnell engagierte er sich auch als Übungsleiter. Es war der Beginn einer jetzt 33 Jahre andauernden Beziehung. 300 Mitglieder hat der ASV, die Ringerabteilung führt rund 100 Sportler in ihrer Kartei. Havlik weiß um den Wert jedes Ehrenamtlers: "Wenn einer aufhört, haben die Anderen mehr auf den Schultern." Zum Glück hat er ein gut trainiertes Kreuz. Havlik leistet viel für seinen Klub, aber er warnt auch: "Ich habe zwar viel Zeit, kann aber nicht mehr jeden Tag von 15 bis 22 Uhr in der Halle stehen." Insgesamt stehen dem ASV aber derzeit 12 Übungsleiter zur Verfügung - das ist eine gute Zahl. An diesem Tag hat sich Havlik bereits am Nachmittag in die Volkeningschule aufgemacht. Er betreut Kinder im Ganztagsbereich. Für den letzten Tag vor den Ferien hat er sich einen Fitnesstest ausgedacht. Eifrig haken die Grundschüler die Kategorien auf den eigens angefertigten Zetteln ab. »Wir trainieren möglichst nur mit dem eigenen Körpergewicht« Obwohl Ringen eine olympische Sportart ist, zählt sie hierzulande mittlerweile zu den Randsportarten. Dabei, so erklärt Havlik, vereint es zahlreiche körperliche Anforderungen, wie Kraft, Ausdauer oder auch Koordination. Populär ist die Sportart vor allem im Osten. "Immer, wenn politisch etwas passiert ist, war es für uns günstig", sagt Havlik. Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes etwa kamen auch viele Ringer nach Deutschland. So hat sich über die Jahre eine Multikulti-Truppe zusammen gefunden, die sich aus den Nationalitäten Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Deutschland, Iran, Kasachstan, Mongolei, Polen, Russland und Tadschikistan zusammen setzt. Sport als Mittel der Integration - hier funktioniert es bestens. Nachwuchs will allerdings mühsam überzeugt werden. "Mit sechs Jahren kann man anfangen. Wir trainieren möglichst nur mit dem eigenen Körpergewicht", beschreibt Havlik. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass alles von der Überzeugung der Eltern abhängt - oder anderer Familienmitglieder: Als sein Sohn auch Ringer werden wollte, war die Oma dagegen und sprach ein Verbot aus. Havlik nahm's gelassen. Er macht "seinen" Ringer-Nachwuchs weiter fit. Einmal im Jahr haben sie die ganz große Bühne für sich, wenn sie während des Leinewebermarkts auftreten. Ansonsten findet das Trainings- und Wettkampfgeschehen in kleinen Sporthallen der Stadt statt. Eine große Matte und zwei Trainingspuppen - sie benötigen nicht viel, um viel zu bewegen: Zdenek Havlik und seine Schwerathleten, die bis heute ein Stück Bielefelder Sportgeschichte mitgeschrieben haben und es auch weiter tun werden.

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