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Bielefeld TuS 97 versucht eine Renaissance des Handballdorfs

Umstrukturierung: Der TuS 97 setzt künftig wieder stärker auf die traditionellen Werte des Vereins

Gregor Winkler
24.07.2019 | Stand 23.07.2019, 19:07 Uhr

Bielefeld. Der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck ist kein Verein. Es ist eine Spielgemeinschaft aus zwei Stammvereinen, dem TuS Jöllenbeck und dem SCB 04/26. Soweit, so bekannt. In der allgemeinen Wahrnehmung hat sich das Konstrukt mit dem einzigartigen Namen allerdings längst als eigenständiger Klub etabliert. "Wenn man unsere Jugendlichen fragt, in welchem Verein sie sind, dann sagen sie automatisch 'TuS 97'. Die Identifikation ist sehr hoch", beschreibt Christian Heidemann die Situation. Aber: Der TuS 97 hat Probleme. Sportlich schloss man die vergangene Saison zwar stabil ab, doch personell wie wirtschaftlich scheint das Niveau nicht zu halten. Ein neues Führungsteam schwört den Verein jetzt auf eine Zukunft ein, in der stark auf die traditionellen Werte des Dorfvereins gesetzt werden soll - und man hofft, das diese Ausrichtung auch wirtschaftliche Unterstützer überzeugt. »Im Herrenbereich stehen wir vor einem Neuaufbau« Der Motor im TuS 97 ist der TuS Jöllenbeck. Über 700 Mitglieder sind dort registriert. Der SCB bringt 73 Aktive mit in die Fusion. Im TuS formierte sich im April ein neuer Abteilungsvorstand und der will, nachdem TuS-97-Geschäftsführer Ralf Klusmann zurück getreten war, jetzt etwas Neues anschieben. Vier Säulen sollen unterhalten werden, "deutlich gleichberechtigter", wie es in einer Erklärung heißt: Der Männer- und der Frauenbereich, die Jugendabteilung sowie der Kinderhandball. Der Männerhandball spiele weiterhin eine große Rolle, aber der neue Abteilungsleiter Heidemann rechnet vor: "Für eine konkurrenzfähige Oberligamannschaft braucht man einen Etat von mindestens 100.000 Euro. Das würde unsere anderen Säulen vor Probleme stellen." In der Erklärung heißt es: "Im Herrenbereich stehen wir vor einem Neuaufbau der in diesem Umfang zwar nicht geplant war, jedoch ohne Alternative ist. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen wir auf teure externe Zugänge so gut wie verzichten. Wir setzen auf den Teamgeist innerhalb der Mannschaften und im ganzen Verein sowie auf die Qualität der Trainerteams." Im Frauenbereich sei die Verzahnung erfreulicherweise schon fortgeschrittener. Aushängeschild ist die Jugendarbeit. "Mit 21 Mannschaften im Spielbetrieb sind wir der größte Anbieter im Kreis und in OWL", erklärt Jugendwart Dirk Rabeneick stolz. Gute Trainer sind vorhanden, "und wir haben sogar welche zurück gewonnen", so Rabeneick. »Die Hemmschwelle für Vorstandsarbeit ist hoch« Zwei Dinge sind nötig, damit dieser ganzheitliche Ansatz gelingen kann: Die Mitglieder müssen mitziehen, auch wenn es sportlich zunächst in den Keller gehen könnte. "Die Leute müssen auf uns zu kommen und sich einbringen", fordert Heidemann. Rabeneick ergänzt: "Die Hemmschwelle für Vorstandsarbeit ist hoch. Aber man muss sich nicht gleich wählen lassen. Es gibt auch so genug zu tun." Heidemann und Co. müssen jetzt die Wirtschaft überzeugen, dass es sich lohnt, nicht in eine erste Mannschaft, sondern in einen ganzen Verein zu investieren: "Wir müssen zuerst beweisen, dass wir es anders wollen. Und dann brauchen wir ein starkes Bündnis aus der Wirtschaft, das bereit ist, uns auf unserem Weg zu unterstützen." In der Erklärung heißt es zusammenfassend: "Wenn es gelingt, ein tragfähiges Fundament aus Unterstützern und wirtschaftlichen Förderern zu bauen, dann wäre unser Gebäude komplett, sofern wir Themen wie soziales Engagement, Geselligkeit und Zusammenhalt der Generationen als sicheres Dach manifestieren können."

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