Bielefeld Taekwondo: Ünlüsoy ist in der Königsklasse Deutschlands Nummer eins

Der Kämpfer von Songokus Bielefeld gewinnt souverän die nationale Meisterschaft. International geht er weiter auf Punktejagd für die Rangliste, um die Chance auf Olympia 2020 zu wahren

Bielefeld. Cem Ünlüsoy hat am Wochenende eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er im Moment national die eindeutige Nummer eins in der "Königsklasse" ist: Überlegen sicherte sich der Kämpfer von Songokus Bielefeld in Nürnberg die Deutsche Meisterschaft in der mit diesem Attribut versehenen Gewichtsklasse über 87 Kilogramm. "Ich bin meiner Favoritenrolle vollauf gerecht geworden und habe alle Runden deutlich dominiert", sagte Ünlüsoy. Nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr sicherte sich der 24-Jährige seinen insgesamt vierten DM-Titel. Von 2015 bis 2017 hatte er drei Mal hintereinander die Meisterschaft in der Klasse bis 80 kg gewonnen. Der Sportsoldat gilt als Aushängeschild der Nordrhein-Westfälischen Taekwondo-Union (NWTU). Viele Mitstreiter und Starter des Landesverbands verfolgten die Kämpfe des heimischen Sportlers. Besonders das Finale, in dem Ünlüsoy von Beginn an keine Zweifel aufkommen ließ, wer die Matte als Sieger verlassen würde. Am Ende gewann er 25:0 gegen Birkan Barcin vom TSV Dachau. Der neue deutsche Meister gestaltete den Kampf so souverän, dass in der ersten Pause kein Coaching nötig war. "Die Leute haben sich schon gewundert: Mein Vater und ich waren ganz ruhig. Ich habe etwas getrunken und er hat nur gesagt: Verletz dich nicht", erzählte Unlüsoy. Wann immer es geht, versucht Ali Ünlüsoy, Gründer und Trainer von Songokus Bielefeld, seinen Sohn bei den Wettkämpfen zu betreuen. Verletzungen, die bei einer Kontaktsportart immer wieder passieren, zu vermeiden, ist das eine, Punkte zu sammeln für die Rangliste das andere, vorrangige Ziel der heimischen Kämpfer. Nur zu gern würde sich Cem Ünlüsoy den großen Traum von den Olympischen Spielen in Tokio 2020 erfüllen. "Die Chance ist da, aber sie ist im Moment nicht sehr groß", musste er einräumen. Deutschland darf für die vier olympischen Gewichtsklassen nur je zwei Frauen und zwei Männer melden. Ünlüsoy konkurriert also auch mit Nationalmannschaftskollegen anderer Gewichtsklassen. Solange aber die letzten Punkte für die Qualifikation noch nicht verteilt sind, stecken Sohn und Vater Ünlüsoy nicht auf. "Wir halten an unserem Ziel fest und wollen alles versuchen. Wenn es dann nicht klappt, muss ich mir nicht vorwerfen lassen, ich hätte nicht alles dafür unternommen", betonte Cem Ünlüsoy. »Das wird schwerer als bei der DM« Derzeit ist er fast jedes Wochenende aktiv. Holland, Belgien, die US Open in Las Vegas, Wettkämpfe in der Türkei - Ünlüsoy erlebte einige Erstrundenduelle gegen etwa gleichrangig oder etwas besser gelistete Gegner, die er knapp, manchmal nur mit einem Zähler Unterschied verlor. "Du musst einfach auf den Punkt genau hundert Prozent Leistung bringen", schildert er die Anforderungen bei den großen internationalen Turnieren, bei denen er es fast ausschließlich mit Kaderathleten anderer Länder zu tun hat. In Las Vegas vermochte er nicht die nötige Tagesform zu bringen. "Ob es der Jetlag war oder etwas anderes, ich habe einfach nicht meine gewohnte Leistung abrufen können. Dabei war der Gegner machbar", berichtete Ünlüsoy. Kampfrichterentscheidungen, Westen, die Treffer nicht anzeigen und Verletzungen sind Unwägbarkeiten, die wegen des K.o.-Systems ein Turnier gleich zu Beginn entscheiden können. Auf einen guten Start hofft Cem Ünlüsoy für das kommende Wochenende in Hamburg. Dort tritt er als Titelverteidiger bei den German Open an. "Das wird schwerer als bei der DM", sagt er mit Blick auf die Meldeliste. Anschließend könnte noch ein Start beim Presidents-Cup in Marokko folgen. Nach diesem Turnier folgt die Nominierung für die Weltmeisterschaft in Manchester im Mai, an der Ünlüsoy gern teilnehmen würde: "Ich hoffe, dabei zu sein. Aber es ist noch nicht klar, ob ich mitgenommen werde."

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