Bielefeld Der frühere Ausnahmesprinter Ingo Todt feiert ein Wiedersehen mit Trainer Georg Cadek

Schwelgen in alten Erinnerungen

Bielefeld. Nach langer Zeit ein Wiedersehen mit dem vielfachen Sprint-Kreisrekordler: Als sich kürzlich eine Bielefelder Leichtathletikrunde zusammenfand, um alte Erinnerungen auszutauschen, war auch Ingo Todt gekommen und traf under anderem seinen früheren Trainer Georg Cadek. Der jetzt 50-Jährige Todt hatte von 1985 bis 1987 Maßstäbe im Jugendsprint gesetzt - nicht nur für den lokalen Bereich: Er vertrat Deutschland bei je einer WM und EM. Sein U-18-Westfalenrekord über 200 m, den er als 16-Jähriger mit 21,44 Sek. aufstellte, ist bis heute unangetastet. 1986 gelang ihm bei der Jugend-Hallen-DM das Double über 60 und 200 m. »Er war selbstbewusst und blieb eigentlich immer cool« In Hannover, wo er Medizin studierte, schloss er nur noch eine Saison an und wurde 1988 mit dem dortigen LT 85 Deutscher Meister über 4x100 m (39,76 Sek.). Schon mit 19 beendete das Ausnahmetalent eine vielversprechende Sprintkarriere. Seine Ausbildung zum HNO-Facharzt absolvierte er in Berlin. Vor anderthalb Jahren kehrte er von dort nach Bielefeld zurück und arbeitet seither als Oberarzt in der HNO-Klinik Mitte, pendelt aber auch noch in die Hauptstadt, wo er als Privatdozent einen Lehrauftrag an der Charité hat. Was ist von seinen sportlichen Erlebnissen besonders hängengeblieben? "Vor allem die Junioren-WM 1986 in Athen", antwortet Todt. "An meine Wettkämpfe über 100 und 4x100-Meter erinnere ich mich gar nicht mehr so genau, eher an das internationale Flair, an die Kontakte zu Sportlern aus so vielen Ländern." Als deutscher Schlussläufer trug er damals den Staffelstab nach exzellenten 39,81 Sek. über die Ziellinie - nur eine "Hundertstel" vom Titel entfernt. Und 1987 wurde er dann als jüngster DLV-Athlet für die Hallen-EM der Männer und Frauen in Liévin (Frankreich) nominiert, u.a. neben Hochspringerin Heike Henkel und Weitspringerin Heike Drechsler. Trainer Cadek, der kürzlich auch wieder Kontakt zu einem anderen Ex-Schützling vom Jahrgang 1968, Alexander Niecke (dreimaliger Deutscher Jugendmeister im Hochsprung), hatte, erinnert sich so an Ingo Todts sportliche Qualitäten: "Er war ein selbstbewusster Wettkämpfer und blieb eigentlich immer cool, beim Sprinten koordinierte er seine Arm- und Beinarbeit perfekt - nur so sind Spitzenleistungen möglich." Von den Sprintern, deren Laufbahn in Bielefeld begann, kann sich allein Fritz Obersiebrasse mit Todt vergleichen. Er war schon Mitglied des ASV Köln, als er 1964 in Tokio das olympische 100-m-Semifinale erreichte. Für den Gadderbaumer TV hatte er bei der Jugend-DM 1958 den Kreisjugendrekord von 10,9 Sek. erzielt. Ingo Todts Serie aber ist einzigartig: Er hält elf von zwölf möglichen Sprint-Kreisrekorden der Klassen Männer, U 20, U 18 (Halle und Freiluft: 60 bis 200 m). Nur sein 200-m-Hallenrekord der U 18 (22,38 Sek./1985) wurde drei Jahrzehnte später von einem anderen Top-Talent, Torben Timmerhans (SVB, 22,16), unterboten. Wesentlich mehr prominente Namen findet man bei den weiblichen Sprint-Kreisrekorden. Die ältesten noch gültigen Bestmarken wurden 1978 von der späteren Olympiateilnehmerin Christina Sussiek (LG, 60 m U 20) und von Marion Kronsbein (Fichte, 200 m U 20) aufgestellt. Dass auch die aktuelle Generation Sprintrekorde verbessern kann, bewies Kathrin Grenda: Im Trikot des TSVE setzte sie 2018 das neue U-20-Maß für die 100 m (11,83 Sek.) und die 200 m in der Halle (24,61 Sek.), zuvor hatte sie bereits drei U-18-Rekorde erreicht. Man darf gespannt sein, ob die 19-jährige Studentin im Sommer Kerstin Poltrocks 100-m-Frauenrekord angreifen kann, von dem sie nur noch eine Hundertstelsekunde entfernt ist. Poltrock, seit langem als Trainerin beim VfB Fichte engagiert, lief schon 1981 die starke U-18-Bestzeit über 200 m (24,70 Sek.). Der 200-m-Spezialistin Angelina Treuse gelang das Kunststück, in der Halle mit 24,14 Sek. schneller zu laufen als im Freien.

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