Die geballte Derbyerfahrung: Nils Grothaus vom TuS 97 (l.) und Carl-Moritz Wagner haben aus den aktuellen Kadern vermutlich die meisten Stadtduelle auf dem Buckel. In Sachen Kampfgeist gehen die Routiniers immer mit bestem Beispiel voran. Auch in dieser Szene belegen sie, wie verbissen um jeden Ball gekämpft wurde. - © Andreas Zobe
Die geballte Derbyerfahrung: Nils Grothaus vom TuS 97 (l.) und Carl-Moritz Wagner haben aus den aktuellen Kadern vermutlich die meisten Stadtduelle auf dem Buckel. In Sachen Kampfgeist gehen die Routiniers immer mit bestem Beispiel voran. Auch in dieser Szene belegen sie, wie verbissen um jeden Ball gekämpft wurde. | © Andreas Zobe

Bielefeld TSG A-H Bielefeld ist im Handballderby dem TuS 97 eine Nasenlänge voraus

Die Partie bringt reichlich Nervenkitzel


Bielefeld. So geht Derby! Nach knapp 20 Minuten wurde TSG-Spielertrainer Carl-Moritz Wagner gefoult. Es gab Siebenmeter. Wagner stürmte auf dem Rückweg mit einem lauten Schrei direkt ins Gesicht von Thorsten Lehmeier an der Bank des TuS 97 vorbei. Emotionen - das wollten die rund 1.500 Zuschauer erleben und sie wurden nicht enttäuscht. Das Bielefelder Stadtduell war vielleicht sportlich nicht immer hochklassig, aber es verlief spannend und vielfach spektakulär. Ein 32:20 (12:15)-Erfolg für die TSG. War das zu erwarten? Optimisten hätten zur Pause bei einem 3-Tore-Rückstand der Gastgeber noch bedenkenlos auf Wagners Sieben gesetzt. Als es nach 38 Minuten aber 13:18 und nach einer knappen Dreiviertelstunde 17:21 stand, wurde es kribbelig. "Wir haben uns über weite Phasen zu wenig bewegt, Würfe aus dem tippen genommen und immer einen Moment zu lange überlegt, ob wir werfen sollen", beschrieb Wagner. Sein Team vollzog nach dem 13:18 eine Verwandlung. "Wir haben ein Selbstverständnis gezeigt, dieses Spiel noch zu gewinnen, was ich der Mannschaft so noch nicht zugetraut habe", sagte Wagner. Insbesondere Maximilian Schüttemeyer und Luca Sewing übernahmen Verantwortung - und trafen. Als Initialzündung für die Kanoniere der TSG und ihren Torhüter Fabian Ullrich erwies sich ausgerechnet eine Doppelparade von TuS-97-Hüter David Weinholz, der beim 17:20 erst einen Gegenstoß von Nils Strathmeier, dann den Nachwurf von Julius Hinz abwehren konnte. Danach baute der eben noch gefeierte Held auf Seiten des TuS 97 aber stark ab. Ullrich hielt dafür plötzlich fast mehr, als zu halten war. Tobias Fröbel, zweimal Julius Hinz und Maximilian Schüttemeyer egalisierten den Spielstand, bevor die TSG die Vorentscheidung herbeiführte - 28:24 (55.). "Wir haben uns zunehmend schwer getan, zu Toren zu kommen. Aber auch in der Abwehr standen wir nicht mehr so zusammen", erkannte TuS-97-Trainer Sven-Eric Husemann. "Ich glaube, unser Erfolg ist gerechtfertigt, weil der TuS 97 lange Zeit fast nur aus Daniel Meyer bestand. Der brannte aufs Derby", meinte TSG-Kreisläufer Tobias Fröbel anschließend. Dass für die Nord-Bielefelder mehr möglich war, die Ost-Bielefelder aber am Ende deutlicher triumphierten, als es das Ergebnis vermuten ließe, konnte auch Meyer mit seinen elf Toren nicht verhindern. "Vielleicht wären wir ein verdienterer Sieger gewesen. Wir waren schneller, agiler", begründete Meyer. "Ich fand uns gleichwertig. Ärgerlich, dass ausgerechnet gegen die TSG unsere Siegesserie reißt, aber das wird uns nicht einschüchtern", sagte TuS-97-Kapitän Sebastian Kopschek. "Irgendwann schwanden unsere Kräfte", erklärte Kopschek und wies darauf hin, dass die Gäste lediglich acht Feldspieler eingesetzt hatten. Dabei hätte es noch eine besondere Personalie auf Seiten der Gäste gegeben: Julian Jahr hatte sich mit aufgewärmt. Für den durchtrainierten Sprössling von Vereinslegende Uli Jahr wäre es ein Comeback in der "Ersten" seit 2014 gewesen. Derbymodus darf man bei ihm bedenkenlos voraussetzen. Apropos heißes Derby: Dass das Einlaufritual der TSG durch die Feuerfontänen abgekürzt wurde, tat der Gänsehautatmosphäre keinen Abbruch. "Ich habe das begrüßt", sagte Wagner, der noch über seinen Urschrei aus der 20. Minute aufklärte: "Ich habe mich einfach über die gelungene Aktion gefreut. Das war nichts Persönliches. Sven-Eric Husemann war nach dem Spiel sogar mit bei uns in der Kabine." Alles entspannt also nach einem packenden Spiel - So geht Derby!

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