Bielefeld Leichtathleten mit zahlreichen neuen Kreisrekorden

Bevor Amanal Petros sowie Pia und Timo Northoff Bielefeld verlassen, stellen sie noch Bestmarken auf, die wie in Stein gemeißelt wirken. Unangetastet bleibt eine Leistung aus dem Jahr 1955

Bielefeld. Kreisrekordlisten spiegeln lokale Leichtathletik-Geschichte. Die aktuelle Version des Kreises Bielefeld enthält viele neue und teilweise hochwertige Einträge aus der Freiluftsaison 2018; aber auch Uralt-Rekorde halten sich weiterhin. Der Älteste: Am 30. August 1955 in Göteborg legte Paul Schmidt vom damals ambitionierten OSC Arminia Bielefeld die 1.000 Meter in 2:22,6 Minuten zurück. Damit war der spätere Olympiavierte (1960 in Rom über 800 m) kaum langsamer als der beste Deutsche Anno 2018, Timo Benitz (2:21,62 Min.). Im zurückliegenden Jahr wertete das international eingesetzte Bielefelder Quintett die Kreisrekordliste stark auf: Amanal Petros mit Top-Zeiten auf den Strecken 3.000 bis 10.000 m, Clemens Erdmann mit Jugendrekorden über 1.500 und 3.000 m, Timo und Pia Northoff mit großartigen Weiten im Kugelstoß und Diskuswurf, Kathrin Grenda mit ihrem nur eine "Hundertstel" von der Frauenbestmarke (11,82 Sek.) entfernten 100-m-Jugendrekord. Die neuen Kreisrekorde von Petros und den Northoffs wirken wie in Stein gemeißelt. Man muss kein Prophet sein, um ihnen eine lange Lebensdauer vorherzusagen - alles andere wäre ein weiteres sportliches Wunder. Dass diese drei Leistungsträger, als Vertreter ganz verschiedener Disziplingruppen und aus unterschiedlichen Motiven, zum westfälischen Spitzenklub TV Wattenscheid wechseln, schwächt die heimische Leichtathletik erheblich. Bislang waren nur ganz wenige Bielefelder dorthin abgewandert. Den früheren Hochsprung-Kreisrekordler Reinhard Heidemann, dessen Tochter Britta 2008 in Peking Fecht-Olympiasiegerin wurde, führten 1972 das Studium und die Verbindung zum legendären Trainer "Ede" Rüßmann nach Wattenscheid; 1974 folgte ihm Disziplinkollege Karl-Heinz Kelle. Lisa Rotsel, im PSV-Trikot Deutsche B-Jugendmeisterin über 1.500 m, wurde 2001 Wattenscheiderin, kam dort aber sportlich kaum voran und beendete ihre Karriere frühzeitig. Timo Northoff hat die Kugelstoß-Kreisjugendrekorde geradezu pulverisiert. In der U 20 überbot er 2018 die 54 Jahre zuvor von Bernd Wibbing (BTG) mit der damals 6,25 kg schweren Kugel erzielten 15,12 m um mehr als vier Meter. 2017 hatte er als U-18-Weltmeister mit 20,72 m die bis dato älteste Bielefelder Jugendbestmarke dieser Klasse (Gerd Tubbesing 15,52 m/1962) um gut fünf Meter übertroffen und einen neuen Westfalenrekord aufgestellt. Den könnte sich im Diskuswurf auch seine immer noch nicht ganz 16-jährige Schwester Pia bald sichern. Als Jöllenbeckerin näherte sie sich schon bis auf 99 Zentimeter dem U-18-Rekord der früheren Junioren-WM-Fünften Anna-Katharina Weller (52,16 m). Aktuell ist Bielefeld sechsmal in der Westfalenrekordliste vertreten. Erstaunlich vor allem, dass sich dort die 200-m-Zeit des LG-Sprinters Ingo Todt (U 18, 21,44 Sek.) nun schon seit 33 Jahren hält. Hendrik Pohles M-14-Zeit über 3.000 m (9:19,58 Min) ist seit 2003 unangetastet. 2014 kam in der M 15 Torben Timmerhans (SVB, 35,62 Sek. über 300 m) hinzu, 2015 Amanal Petros (für den TSVE 28:49 Min. über 10 km), 2017 Timo Northoff und jüngst Clemens Erdmann. Dessen U-18-Rekord über 3.000 m (8:27,41 Min.) ist besonders wertvoll, weil zu seinen Vorgängern erfolgreiche Olympioniken wie Harald Norpoth und Steffen Brand gehören.

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