Kein Durchkommen: Die Situation um Nils Grothaus (in Aktion) und seine Mitspieler des TuS 97 wirkt festgefahren. Die vor der Saison verstärkte Mannschaft läuft ihrem Anspruch weit hinterher. - © Andreas Zobe
Kein Durchkommen: Die Situation um Nils Grothaus (in Aktion) und seine Mitspieler des TuS 97 wirkt festgefahren. Die vor der Saison verstärkte Mannschaft läuft ihrem Anspruch weit hinterher. | © Andreas Zobe

Bielefeld Krise beim TuS 97 – TSG im Aufwind

Handball-Oberliga: Während der TuS 97 auf Rang zwölf festsitzt und sich früh mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen muss, läuft es bei der TSG immer besser

Gregor Winkler
Arne Schütforth

Bielefeld. "Gegen wen sollen wir denn gewinnen, wenn nicht gegen Schalke? Und dann noch nach einer so hohen Führung", fragte Jöllenbecks Sebastian Reinsch. Der letzte Eindruck, den die Jöllenbecker am Samstag hinterließen, und welcher bekanntlich zählt, war verheerend. Die Jöllenbecker treten knapp vor den Abstiegsplätzen auf der Stelle - der erste Saisonsieg von Harsewinkel verschärft die Situation der Bielefelder zudem erheblich. "Unser Spiel war ideenlos, wir sind nicht auf die Nahtstellen gestoßen", beschrieb TuS-Kapitän Sebastian Kopschek die Folgen der gegen ihn praktizierten Manndeckung. Auch wenn die Rufe, die eine Ablösung von Trainer Sven-Eric Husemann forderten, am Samstag deplatziert wirkten: Der Coach hatte über 35 Minuten Zeit, eine funktionierende Idee gegen die Sonderbewachung Kopscheks zu finden - was ihm nicht gelang. Und auch mit einem Torwartwechsel hätte Husemann sicher wenig falsch gemacht. Kopschek sprach nicht zu unrecht von "Eierdingern", die den Weg ins Tor fanden. Sportlich noch keine Einheit Nachdem sich die Bielefelder auf 23:16 abgesetzt hatten, Schalke aber wieder anfing zu treffen, wurde offensichtlich, dass Spieler wie Reinsch oder auch Justus Clausing eine andere Idee hatten, wie denn der Vorsprung über die Zeit zu bekommen sei, als zum Beispiel Leon Ludwigs. "Wenn du mit sechs oder sieben Toren führst, muss die Brust raus", befand Reinsch, der das Spiel gerne frühzeitig mit Tempohandball entschieden hätte. Doch seine Mitspieler, zunehmend verunsichert, bremsten häufig ab. Die Bausteine des TuS 97 - hier die Meistermacher des TuS Spenge, dort die alteingesessenen Spieler - sind trotz privater Freundschaften sportlich noch keine Einheit. "Zuvor lagen wir zwei Punkte hinter dem Soll, jetzt vier", rechnete TuS-Sportdirektor Thorsten Lehmeier vor, erinnerte aber gleichzeitig an das schwierige Auftaktprogramm. Die Gegner, gegen die der TuS 97 punkten müsse, kämen nun mal gegen Ende der Hinserie, meinte Lehmeier und versuchte, die sportliche Krise zu relativieren. "Wir hätten uns ein wenig vom Tabellenende absetzen können. Mit nur einem Sieg geht das jetzt nicht mehr", erkannte Kopschek. Der Fokus liegt auf dem kommenden Gegner Auf gar keinen Fall will man sich bei der TSG A-H Bielefeld schon mit dem Duell gegen Spitzenreiter LiT Tribe Germania in 14 Tagen beschäftigen. "Schalke hat gegen den TuS 97 ja gezeigt, dass sie gefährlich sind", sagte Carl-Moritz Wagner. Der Fokus liegt voll auf dem kommenden Gegner, der in genau derselben Manier bezwungen werden soll wie Ferndorf II. "Wir haben Konzentration und Motivation hoch gehalten", lobte Trainer Stephan Just nach der beeindruckenden Vorstellung in der zweiten Halbzeit. "Und vorne hat jeder auch mal den besser postierten Mitspieler gesehen", so der Trainer weiter. Die ersten Auftritte der Saison, sie hatten das erwartungsfrohe Publikum nicht von den Sitzen gerissen. Doch langsam erkennt man, dass aus guten Einzelspielern ein Team zusammenwächst. Und das geschieht vor allem in der 6:0-Abwehr, die immer mehr Beton anrührt. "Aber wir müssen in jedes Spiel mit diesem Siegeswillen und der hundertprozentigen Einstellung rein gehen", forderte Johannes Krause, der seinen Weg zurück ins Team nach überstandener Verletzung als "schwierig" bezeichnete. Es läuft alles auf ein Spitzenspiel am 18. November gegen LiT hinaus. Aber vorher gehts "auf" Schalke - mit den Kumpels malochen.

realisiert durch evolver group