Sprintax-Finisher: Martin Fein (v.l.), Werner Grundkötter, Gisela Beele, Frederik Brinkmann und Christian Behring. - © Sprintax
Sprintax-Finisher: Martin Fein (v.l.), Werner Grundkötter, Gisela Beele, Frederik Brinkmann und Christian Behring. | © Sprintax

Bielefeld Ötztaler Radmarathon: In Nebel und Regen über die Alpen

Heimische Starter erzählen, was den Reiz des strapaziösen Alpen-Rennens ausmacht

Peter Burkamp

Bielefeld. Eine Strecke über knapp 240 Kilometer, dazu zahlreiche Anstiege mit insgesamt zu meisternden 5.500 Höhenmetern sind an sich schon eine Herkulesaufgabe. Wenn dann auch noch Temperaturen nahe drei Grad und Dauerregen dazukommen, fällt es schwer, die Strapazen in Worte zu fassen, die die Teilnehmer des traditionellen Ötztaler Radmarathons auf sich genommen haben. Christian Behring (40) fand die Bedingungen am vorvergangenen Wochenende "auf jeden Fall abschreckend". Er war einer der mehr als 4.000 Sportler am Start. Der Sprintax-Fahrer ist Wiederholungstäter, wie sein Teamgefährte Frederik Brinkmann (32). Jedes Jahr zieht der Ötztaler Radsportler aus aller Welt in seinen Bann. Frederik Brinkmann weiß warum: "Es gibt einfach nichts Vergleichbares. Die Veranstalter sorgen für eine Top-Organisation. Für das Wetter können sie ja nichts." Eben das war allerdings "eine besondere Herausforderung", meinte Behring. Kleidungstechnisch sei es schwer gewesen, sich adäquat auszurüsten. Letztlich war "am Ende alles nass". Von Wasser durchtränkte Klamotten waren das eine, feuchte Fahrbahnen das andere Problem. "Von acht Stunden hat es fünfeinhalb geregnet", berichtet Brinkmann. Eine zurückhaltendere Fahrweise war angesagt. "Auf der Abfahrt vom Kühtai kommt man sonst schon mal auf 100 km/h", erzählt der fünffache Ötztaler-Absolvent. Vorsichtshalber näherten sich Brinkmann und Behring dieser Marke heuer nicht. Das kostete natürlich Zeit. Brinkmann, dessen Rekord bei 7:58 Stunden liegt, kam jetzt in 8:11 ins Ziel. Das bedeutete Platz 129 im Gesamtklassement der etwa 3.500 Finisher - eine beachtliche Vorstellung. Christian Behring kam nach 8:31 Stunden als 219. ins Ziel und fand seine "persönliche Leistung super gut". Er kam zu der Erkenntnis, "dass ich mit einer guten Vorbereitung das Potenzial für eine Zeit unter acht Stunden habe." Nicht nur das Wetter kostete ihn wertvolle Zeit. Wegen eines Defekts verlor er rund 15 Minuten, als er an einer Servicestation auf ein neues Hinterrad wartete. Für viele Fahrer spielt die Zeit eine Rolle. "Jeder in der Szene weiß, was es bedeutet, wenn man unter zehn, unter neun oder unter acht Stunden den Ötztaler fährt", erläuterte Christian Behring. Für Mathias Schröder spielt die Zeit keine Rolle Für Mathias Schröder spielte die Zeit gar keine Rolle. "Das Rennen war für mich die absolute Herausforderung. Es ging mir nur ums Ankommen", sagte der Debütant. Über die Triathlonabteilung des TSVE 1890 war er 2017 zum Radfahren gekommen. Die Tipps, die er von seinen Teamgefährten Christian Terstesse und Jörg Gießelmann im Vorfeld bekommen hatte, waren für Schröder Gold wert. "Langsam anfangen und genügend Pausen machen - das habe ich beherzigt." Auf diese Weise musste er nicht über sein körperliches Limit hinaus. "Ich glaube, dass man sehr leiden kann, wenn man sich übernimmt", meinte Schröder. Natürlich machten die schlechten Wetterbedingungen auch dem Diplom-Ingenieur spürbar zu schaffen. "Ich fand die Abfahrten extrem schwer, Berg hoch war in Ordnung. Letztlich hätte es für mich nicht besser laufen können", meinte Schröder, der das Rennen nach 10:43 Stunden (Platz 1709) beendete. Einen weiteren Start mag er nicht ausschließen: "Ich habe schon Lust, aber eine gute Vorbereitung ist alles. Ohne geht es nicht, ich weiß nicht, ob ich noch einmal die Zeit dafür aufbringen kann." Eine Weile bleibt den Bielefelder Rad-Marathonis noch, um sich für einen Startplatz im nächsten Rennen zu bewerben. Und der Faszination des Ötztalers können nicht einmal Nebel, Regen und Kälte etwas anhaben. Weitere Bielefelder Finisher, soweit sie in der offiziellen Ergebnisliste zu erkennen waren, sowie Männer- und Frauensieger: 1. Mathias Nothegger (Bregenz) 7:04 Stunden; 728. Mathias Kemnitz 9:25, 749. Ragnar Thiel 9:28 (Sprintax), 1128. Martin Fein (Sprintax) 9:55, 1298. Christian Terstesse 10:08 (TSVE), 1456. Werner Grundkötter 10:25, 2443. Gerhard Dirkschnieder (TSVE) 11:37, 3035. Stefan Landwehr 12:24, 3228. Oliver Hellweg 12:47, (Sprintax), Frauen: 1. Laila Orenos (Trogen) 8:05, 38. Gisela Beele (Sprintax) 10:22.

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