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Bielefeld Die Freude am Sport ist bei Franzi Bossow zurück

Leichtathletik: Nach einem schwierigen Jahr 2017 hat die frühere Hermannslaufsiegerin ihr Training umgestellt und blickt wieder zuversichtlich nach vorn

Hans-Joachim Kaspers
31.08.2018 | Stand 30.08.2018, 18:51 Uhr

Bielefeld. Franzi Bossow strahlt wieder. Nach dem von Verletzungen und Stürzen überschatteten Seuchenjahr 2017 hat die frühere Hermannslaufsiegerin bislang "eine richtig schöne Saison" hinter sich. Nicht nur, dass sich - wenn auch bei kleineren Rennen - der eine oder andere Erfolg einstellte; viel wichtiger ist, dass die 30-Jährige den Spaß am Sport und vor allem am Triathlon wiedergefunden hat. "Im vorigen Herbst habe ich mit dem Gedanken gespielt, alles hinzuschmeißen", erzählt Bossow, die ihren damaligen Gemütszustand als eine Art Sinnkrise beschreibt: "Ich habe mich gefragt, wozu ich den ganzen Aufwand betreibe, wenn in einer Sekunde alles vorbei sein kann." Auslöser dieser Selbstzweifel war ein böser Radsturz beim Ironman Klagenfurt, den die 2017 mit einer Profilizenz startende Bielefelderin nach einer von Knieproblemen und Beinahe-Unfällen beim Radtraining beeinträchtigten Vorbereitung eigentlich als Saisonhöhepunkt vorgesehen hatte. "Als ich einen Altersklassenfahrer überholen wollte, ist der neben mir zu früh ausgeschwenkt und hat mich in Höhe meines Hinterrads förmlich abgeschossen", erinnert sie sich mit Schaudern an diese Szene. Bossow blieb blutend und weinend am Boden liegen, während sich der Unfallverursacher nur kurz entschuldigte und dann weiterfuhr. »Die langen Stunden auf dem Rad wollte Franzi sich ersparen« "Eine krasse Nummer", meint Ehemann Chris Bossow, der staunend registrierte, wie sein Frau all diese negativen Erfahrungen wegsteckte und sechs Wochen später in Regensburg tatsächlich noch Deutsche Vizemeisterin auf der Ironman-Distanz wurde. "Da bin ich aber über meine Verhältnisse gelaufen, danach ging mit meinem Knie gar nichts mehr", berichtet Bossow, die sich eine mehr als dreimonatige Zwangspause verordnen musste, während der sie dann ins Grübeln kam: "Wenn du nicht mal mehr hundert Meter schmerzfrei am Stück laufen kannst, stellst du schon einiges infrage." Mit dem Abklingen der Schmerzen kehrte aber die Lust zurück, sich wieder mehr sportlich zu betätigen. "Klar war, dass wir die Umfänge reduzieren mussten und wollten, vor allem die ewig langen Stunden auf dem Rad wollte Franzi sich ersparen", schildert Chris Bossow, wie es zu der Überlegung kam, mit einem "genau strukturierten Lauftraining" anzufangen. "Laufen ist meine absolute Leidenschaft, da geht immer was", erklärt seine Frau - und siehe da: Es stellte sich heraus, dass jeder zu Fuß zurückgelegte Kilometer sich auch positiv auf die Disziplinen Schwimmen und Radfahren auswirkte. "Da sind Franzis Zeiten nicht wirklich schlechter geworden", meint Chris Bossow. So ging die Hermannslaufsiegerin von 2009 dann im vorigen April wieder bei ihrem Lieblingsrennen an den Start, wurde auf Anhieb Zweite - und war trotzdem enttäuscht, "weil die Zeit überhaupt nicht passte": Nach einem grippalen Infekt wenige Tage zuvor sei ihr Akku leer gewesen, die Lämershagener Treppen habe sie im Schritttempo erklimmen müssen. Dennoch war die Motivation für weitere Wettkämpfe geweckt, am liebsten bei Veranstaltungen in landschaftlich schöner Umgebung, in der bei den im Wohnmobil anreisenden Bossows sogar Urlaubsgefühle aufkommen konnten. So ging es zum Halbmarathon auf die Seiseralm nach Südtirol, bei dem Franzi Zweite wurde. »Ich bin wieder mit mir im Reinen« Bei einem Zwischenstopp auf der Rückfahrt in Ingolstadt kamen dann Erinnerungen an einen dort erfolgreich absolvierten Triathlon auf - und der Gedanke, es doch noch einmal mit dieser Sportart zu versuchen, allerdings wieder als ganz normale Amateurin. Gedacht, getan: Nach diversen Umrüstungen am Fahrrad, die Franzi Bossow einen Großteil ihrer Unsicherheit nahmen, gab es Siege auf den Olympischen Distanzen in Rheine und Bad Zwischenahn sowie einen zweiten Platz in Bremen. "Ich bin wieder mit mir im Reinen", sagt Franzi Bossow, die im September noch bei einem Marathon (in Berlin oder Münster) starten will und fürs nächste Jahr dem "Hermann" und dem Ironman-Challenge in Roth in ihrem Terminkalender die oberste Priorität gibt. Ihr Mann Chris, der stets die gleichen Wettbewerbe wie seine Frau absolviert ("Und das freiwillig!"), hat dagegen langfristige Ziele: "Ich will mit 70 einen Ironman unter elf Stunden machen - das hat noch keiner geschafft!" Bis dahin hat der 58-Jährige aber noch etwas Zeit.

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