Wie ein zweites zu Hause: Brigitte und Gerd Sahrhage vor dem Ishara, wo sie viel ehrenamtliche Zeit verbringen. - © Andreas Zobe
Wie ein zweites zu Hause: Brigitte und Gerd Sahrhage vor dem Ishara, wo sie viel ehrenamtliche Zeit verbringen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Die Sahrhages sind begeisterte Ehrenämtler bei den Wasserfreunden

Sportler im Ehrenamt (1): Brigitte und Gerd Sahrhage engagieren sich seit Jahrzehnten bei den Wasserfreunden. Sie kamen mit ihren Kindern und blieben auch nach deren Karriereende, weil sie begeisterte Helfer sind

Gregor Winkler

Bielefeld. Um 17 Uhr ist Trainingsbeginn. Langsam trudeln die Übungsleiter und Athleten der Wasserfreunde im Ishara ein. Fast jeder hält vor der Bank im Vorraum des Hallenbades kurz inne, stutzt und stellt eine Frage, die inhaltlich immer gleich formuliert ist: "Bleibt ihr heute bis zum Ende hier?" Die Adressaten der Frage haben es sich vor dem Sportleingang gemütlich gemacht, beobachten das Treiben und geben Auskunft zu ihrem unerwarteten Erscheinen. Brigitte und Gerd Sahrhage haben mit dem sportlichen Bereich in ihrem Klub eher wenig zu tun, was die Verwunderung der Aktiven erklärt. Bekannt ist das Ehepaar deswegen aber nicht weniger. Die Sahrhages, das sind hundertprozentige Idealisten, die da sind, wenn sie gebraucht werden - immer und überall. Alles begann mit den beiden Söhnen. Im Gymnastikraum des Hallenbades am Kesselbrink machten die Judo: "Aber sie haben von Beginn an immer runter geschaut, wenn die Schwimmer trainierten", erinnert sich Gerd. »Es ist fair und die Kinder kommen immer sauber nach Hause« Keine Frage: Der Nachwuchs musste für seine sportlichen Aktivitäten ins kühle Nass. Für die Mutter hatte das nur Vorteile: "Das ist doch eine faire Sportart. Man ist durch eine Leine getrennt und die Kinder kommen immer sauber nach Hause", sagt Brigitte mit schelmischem Lachen. Es zeichnete sich eine Laufbahn wie aus dem Ehrenamts-Bilderbuch ab. Weil die Sahrhages immer dabei waren, wurden sie kurzerhand als Kampfrichter ausgebildet. Dabei blieb es nicht. 22 Jahre lang amtierte Gerd als Kassenwart. 18 Jahre lang war er daneben noch Pressewart. Jetzt, kurz bevor sich der Klub im Marketing neu aufstellen wird, kümmert sich der 68-Jährige noch um die Sponsoren: "Mein Engagement verlagert sich ein bisschen mehr in den Rückraum", beschreibt er. Brigitte war all die Jahre immer dabei - quasi als Mädchen für alles. Berühmt sind ihre Nussecken, die sie für die Wettkämpfe anfertigt. "Abzeichen bestellen, Elternkontakte pflegen oder einfach da sitzen und aufpassen - es ist doch wunderschön, sich so zu engagieren", schwärmt sie vom Ehrenamt. "Wir wollen Vorbild sein, damit andere auch 25 Jahre lang dabei bleiben." Als die eigenen Kinder längst fort waren, machten die Sahhages einfach weiter. Für Gerd ist klar: "Wir wollen Vorbild sein, damit andere auch 25 Jahre lang dabei bleiben." Mal um fünf Uhr morgens zum Wettkampf aufbrechen, so etwas ist für Brigitte und Gerd normal. Sie investieren etwas ganz Besonderes in ihren Verein und ihre Sportart: Zeit. Wenn sie dann beim Wettkampf ihr mitgebrachtes Buffet aufbauen und mit den Vereinskollegen zusammensitzen, ist der Stress der Vorbereitung vergessen und sie genießen die Atmosphäre am Becken. "Gerd ist der Ruhigere von uns", sagt Brigitte über den Ehemann. "Na ja", entgegnet der und erzählt die Geschichte, wie er mal als Fan bei den DMS so aufgeregt angefeuert hat, dass er um ein Haar ins Becken gefallen wäre: "Ich wurde gerade noch so festgehalten. Wer weiß, ob unsere Mannschaft sonst disqualifiziert worden wäre." Die schönste Geschichte erlebten die beiden in den neunziger Jahren. Ein paar Kinder aus einem Land des ehemaligen Ostblocks waren zu Gast. Einige davon waren im Haus der Sahrhages untergebracht. "Es waren gute Schwimmer", erinnert sich Brigitte, "aber sie sprachen weder Deutsch noch Englisch." Mit Händen und Füßen verständigte man sich. "Dann sind wir in ein großes Kaufhaus gegangen. Die Kinder hatten noch nie eine Rolltreppe gesehen. Wir haben Stunden dort verbracht, während sie immer rauf und runter gefahren sind." Die Sahrhages werden dem Schwimmen treu bleiben: "Wir haben unseren Kindern vieles durch den Sport mitgegeben. Jetzt geben wir es anderen Kindern mit", sagt Brigitte. Gerd ergänzt: "Unsere Jungs sind 39 und 35 Jahre alt und schwimmen gelegentlich immer noch." An diesem Trainingsabend gehen die Sahrhages nach Hause. Aber man darf sicher sein, dass sie in Kürze wieder da sind - immer da, wo sie gebraucht werden. Nächste Folge: Michael Voll (SC Bielefeld 04/26).

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