Bielefeld In der Höhe liegt für Amanal Petros die Kraft

Leichtathletik: Bielefelds DM- und EM-Hoffnung Amanal Petros bereitet sich im schweizerischen St. Moritz auf die beiden Saisonhöhepunkte vor

Claus-Werner Kreft

Bielefeld. Um bei der DM am übernächsten Wochenende in Nürnberg und vor allem bei der EM in Berlin sportlich "auf der Höhe" zu sein, absolviert Amanal Petros (SV Brackwede) im Schweizer Engadin ein weiteres Höhentrainingslager. Seit rund drei Wochen bereitet sich Bielefelds Top-Leichtathlet in St. Moritz auf die Saisonhöhepunkte vor - mit prominenten Trainingspartnern aus Deutschland und befreundeten Läufern aus Belgien und der Schweiz. Zum Beispiel hat ihn bei längeren Dauer- und Tempoläufen der aktuelle Deutsche Marathonmeister Tom Gröschel aus Rostock begleitet, bei kurzen und schnellen Einheiten der U-23-Europameister über 1.500 m, Marius Probst. Ganz ruhige Läufe absolvierte er gelegentlich mit der großen Hoffnungsträgerin des DLV, Konstanze Klosterhalfen. »Amanal tut alles, um sich bestmöglich in Form zu bringen« Neben Bundestrainern war anfangs auch Tono Kirschbaum eine Zeitlang vor Ort, der Coach, bei dem Petros sonst ein paar Tage pro Woche im Olympiastützpunkt Wattenscheid trainiert. In St. Moritz steht aber nicht nur Laufen auf dem Programm, sondern zum Ausgleich auch ein Bündel begleitender Maßnahmen: Krafttraining, Spinning, Massagen und Erholungsbäder. Laufstrecken um mehrere Seen und ein wunderbar gelegenes Stadion: Diese idealen Bedingungen im 1.800 Meter hoch gelegenen, klimatisch begünstigten Schweizer Kurort nutzt zurzeit auch Richard Ringer. Zusammen mit dem europäischen Saisonbesten über 10.000 m (27:36,52 Min.) wird Petros bei den Europameisterschaften an der Startlinie stehen; als dritter DLV-Läufer für die 25 Runden im Berliner Olympiastadion wurde Sebastian Hendel nominiert. "Amanal tut alles dafür, seine bestmögliche Form nach Nürnberg und Berlin mitzubringen", weiß Udo Brandt-Hüdepohl. Der frühere SVB-Lauftrainer unterstützt seinen Nachfolger Thomas Heidbreder bei der Betreuung von Petros, dem er im Engadin zwei Wochen lang mit zur Seite stand. Vor drei Tagen, kurz vor Abreise der DLV-Trainer, löste ihn Heidbreder ab. Er und sein Schützling werden dann von St. Moritz direkt nach Nürnberg fahren. Aus der Höhe zu einem wichtigen Wettkampf: Damit machten viele Spitzenläufer gute Erfahrungen, die meisten bereiteten sich drei Wochen "oben" vor. Petros, der auf 2.000 Metern Höhe in Ostafrika aufgewachsen ist, konnte sein Umfeld überzeugen, dass für ihn fünf Wochen der richtige Zeitraum sind. Der DLV und die SV Brackwede halfen, ihm das zu ermöglichen. Wenn sich die Hoffnungen erfüllen und dem für 10.000 m fest nominierten Brackweder bei der DM auch eine herausragende Leistung über 5.000 m gelingt, wäre sogar ein EM-Doppelstart denkbar. Denn Petros hat mit 13:34,15 Min. die Norm für die kürzere Distanz (13:40,00) ebenfalls klar unterboten. Und in Berlin lägen zwischen beiden Starts immerhin vier Tage zur Erholung. Doppelt nominieren will der DLV vorerst aber nur Läufer, denen er - wie es bei Ringer der Fall ist - eine Medaille zutraut. Es bleibt also spannend. Im Nürnberger Max-Morlock-Stadion könnten weitere Bewerber um einen 5.000-m-Startplatz bei der EM kämpfen, so Clemens Bleistein und vor allem der "Allrounder" Homiyu Tesfaye, der über 1500 m mit 3:36,03 Min. die Norm erfüllt hat und dessen läuferisches Spektrum bis zum Halbmarathon reicht.

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