Fix und fertig: Der Mann des Spiels, Daniel Meyer, erzielte zwar 15 Tore, doch selbst die langten nicht zum Klassenerhalt für den TuS 97. Trost erhält Meyer vom Loxtens Keeper Marco Possehl.| - © Kreutzer
Fix und fertig: Der Mann des Spiels, Daniel Meyer, erzielte zwar 15 Tore, doch selbst die langten nicht zum Klassenerhalt für den TuS 97. Trost erhält Meyer vom Loxtens Keeper Marco Possehl.| | © Kreutzer

Bielefeld Bitterer Abstieg für den Handball-Oberligisten TuS 97

TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck steigt nach einer 31:32-Niederlage gegen Loxten in die Verbandsliga ab, da die Konkurrenten zeitgleich gewinnen

Arne Schütforth

Bielefeld. Lange bangen musste der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck nicht: Als die Bielefelder nach einer dramatischen Schlussphase in eine 31:32 (17:18)-Niederlage gegen Loxten einwilligen mussten, stand unwiederbringlich fest, dass die Bielefelder den bitteren Gang in die Verbandsliga antreten müssen.Es war Abstiegskampf - und manchmal auch Krampf. Nils Grothaus sah man bei jeder Aktion fürchterliche Schmerzen an. Die Halbspieler Benjamin Zöllner und Henning Kiel waren nicht in der Lage, die so dringend benötigten Impulse beizusteuern. "Wir waren extrem verunsichert. Man hat uns angesehen, wie viel auf dem Spiel stand", erkannte TuS-Trainer Sven-Eric Husemann. Eine 3:2-Führung der Jöllenbecker drehte Loxten zum 6:3 (9.) und blieb auch in der Folge spielbestimmend. Insbesondere in der Abwehr fanden die Jöllenbecker kein Mittel: "Wenn wir rausgetreten sind, hat Loxten den Kreis gefunden, wenn wir tief geblieben sind, haben wir Rückraumtore kassiert", ärgerte sich Kapitän Leon Ludwigs.So war es ausgerechnet der Ex-TSGer Daniel Meyer, der die Hoffnungen des Handballdorfs schulterte. Mit 15 Toren aus 18 Versuchen avancierte Meyer zur Lebensversicherung - in den Anfangsphasen der beiden Durchgänge gar zum Alleinunterhalter. "Wir wollten noch einmal alles raushauen, zwischenzeitlich haben wir aber nicht mit klarem Kopf gespielt", haderte Meyer.Insbesondere in der Phase ab dem 23:23 (Kiel, 41.) wirkten die Gäste ideenlos. Lukas Heins Lattenkracher beim Spielstand von 24:28 (49.) ließ dann nicht nur das Gebälk erzittern. Spätestens jetzt wurden überall auf der Tribüne die Smartphones gezückt - und anschließend schnell wieder weggepackt. Der Liveticker des Ergebnisportals bot eine grausige Aussicht: Gevelsberg und Augustdorf, die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf führten, und es war klar, dass es der TuS 97 schon selber richten müsse.Loxten erhöhte noch auf 29:24 und 30:25 (52.), ehe sich die Jöllenbecker noch einmal aufrafften: Ludwigs, Meyer, Kiel und wiederum Ludwig mit zwei weiteren Treffern egalisierten zum 30:30 (59.). Nachdem Loxten zum 31:30 traf, war es letztlich Henning Kiel, der mit einem Wurf am Innenpfosten scheiterte. Loxten erhöhte auf 32:30, der nochmalige Anschluss durch Nils Grothaus kam zu spät. "Das ist richtig ärgerlich. Bitter - nach der Aufholjagd. Irgendwo waren die letzten Sekunden auch symbolisch für die ganze Saison", meinte Ludwigs."So ist der Sport. Es fühlt sich heute leer an. Wir haben keine gute Saison gespielt, es in den letzten Wochen schon nicht geschafft, die Liga zu sichern", haderte Trainer Husemann. "Gegen Gevelsberg verlieren wir ein halbes Endspiel mit neun Toren. Gegen Sundwig und hier in Loxten hätten wir es aus eigener Kraft schaffen können. So traurig, wie es klingt: dann ist der Abstieg auch verdient", kommentierte der sportliche Leiter Thorsten Lehmeier, den die Situation nicht unvorbereitet trifft: "Natürlich haben sich heute auch einige Transfers zerschlagen. Aber es gibt für alles einen Plan B." Leon Ludwigs und Daniel Meyer sendeten in der schwersten Stunde starke Signale - sie werden dem TuS 97 auch in der Verbandsliga treu bleiben. Hermann Hippe hingegen schließt sich dem TuS Brake an.TuS 97: Kovacs/Weinholz; Meyer (15/5), Ludwigs (6), Kiel, Zöllner (je 3), Grothaus (2), Hippe, Heins (je 1), Poppe, Niehaus (n.e.), Schulte (n.e.), Hofemeier (n.e.), Mühlbeier (n.e.). EinwurfAbstieg mit Ansage Von Matthias FoedeJetzt ist es tatsächlich passiert. Nach zehn Jahren steigt der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck in die Verbandsliga ab. Ironie dieses bitteren Schicksals ist, dass die Mannschaft 25 Spieltage nicht ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz gestanden hat. Ausgerechnet zum Finale rutschte der TuS 97 jedoch in die rote Zone. Da steht das Revival der Aufstiegsmannschaft aus der Serie 2005/06, das für den 3. Juni, geplant ist, unter einem traurigen Stern. So unglücklich die Demission am Samstag zustande kam, es war ein Abstieg mit Ansage. Die Vereinsführung und die ehemalige sportliche Leitung hatten es im Sommer nicht verstanden, adäquat auf die Personalprobleme zu reagieren. Für viele Positionen präsentierte der Club Neuzugänge, nur für den dezimierten und angeschlagenen Rückraum nicht. Ferner beschlossen die Verantwortlichen, nur noch zweimal die Woche zu trainieren. Für die Oberliga ein Unding. Diesen Fauxpas korrigierten sie zwar nach der Entlassung von Trainer Walter Schubert direkt vor Weihnachten sofort, doch an eine vernünftige Aufbauarbeit war zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Von da an wurden nur noch Löcher gestopft. Für die neue Spielzeit darf man den Jürmkern ein glücklicheres Händchen wünschen, das wieder die nachhaltige Entwicklung des Vereinsflaggschiffes in den Vordergrund stellt.

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