Ballkünstler: Memos Sözer liebt am Futsal das schnelle und torreiche Spiel. Er will aber auch weiterhin im Fußballteam des VfL Theesen auf dem Feld seine Leistung bringen. - © Andreas Zobe
Ballkünstler: Memos Sözer liebt am Futsal das schnelle und torreiche Spiel. Er will aber auch weiterhin im Fußballteam des VfL Theesen auf dem Feld seine Leistung bringen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Futsalspieler Memos Sözer reist mit der Nationalmannschaft nach Georgien

Westfalenligaspieler sticht im Kampf um ein Nationalmannschaftsticket 50 Konkurrenten aus

Dennis Bleck

Bielefeld. "Mit dreieinhalb Jahren habe ich angefangen Fußball zu spielen", erinnert sich Memos Sözer zurück. Dass aus dem Westfalenligaspieler Bielefelds erster Futsal-Nationalspieler werden würde, war damals natürlich noch nicht abzusehen. Zunächst beim TuS Lipperreihe und anschließend beim VfB Schloß Holte lernte Sözer den Umgang mit dem Ball, ehe er nach seinem ersten Seniorenjahr zum VfL Theesen wechselte. Die Leidenschaft zum Futsal entwickelte sich mit der Gründung des MCH Sennestadt. "Zu Beginn war es wirklich schwierig. Wir hatten kaum Leute beim Training, und auch bei den Spielen mussten wir häufig improvisieren", blickt der 21-Jährige auf die Startschwierigkeiten zurück. "Mittlerweile macht es aber einfach super viel Spaß, wir sind wie eine große Familie. Der Zusammenhalt ist fantastisch", schwärmt Sözer im nächsten Atemzug. Auch aufgrund des großen Erfolgs der Sennestädter, die erst im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft an den Hamburg Panthers scheiterten, wurde Futsal-Bundestrainer Paul Schlomann auf den heimischen Fußballer aufmerksam. In mehreren Sichtungslehrgängen setzte sich Sözer gegen über 50 Konkurrenten durch und fliegt nun in der kommenden Woche mit 15 Mitspielern nach Georgien. "Wir werden dort viel trainieren und uns kennenlernen. Zwei Testspiele gegen Georgien stehen auch auf dem Plan", berichtet Sözer, dessen Ziel es ist, sich längerfristig im Nationalkader zu behaupten. "An einer WM oder EM teilnehmen zu dürfen, wäre wirklich ein Traum. Dafür werde ich weiter hart arbeiten", verspricht er. Ärger im Verein hat Sözer trotz der Doppelbelastung nicht. "Solange ich sonntags meine Leistung bringe sind alle zufrieden", sagt der Mittelfeldspieler, räumt dann allerdings ein, dass vor allem zu Beginn der Futsalsaison die Beine am Sonntag manchmal schwer seien. "Je länger die Saison dann jedoch läuft, desto mehr gewöhnt sich mein Körper an die Belastung, so dass zwei Spiele am Wochenende kein Problem darstellen." Ungeachtet des Erfolgs, den Sözer durch das Futsalspielen erreicht hat, kann er sich zur Zeit jedoch nicht vorstellen, den Fokus komplett auf den Hallensport zu richten. "Man muss sich vorstellen: In Spanien und Südamerika kann man als Profi vom Futsal leben. Hier in Deutschland steckt alles noch in den Kinderschuhen. Und die offizielle Anerkennung fehlt auch noch", erklärt Sözer und vermutet, dass einige nicht mal wissen, dass eine Nationalmannschaft existiert. "Dennoch denke ich, dass Futsal auch in Deutschland immer mehr aufkommen wird", glaubt der Theesener. Ein großer Rückhalt ist für ihn die Familie, die nahezu jedes Futsal- und Fußballspiel verfolgt und ihn durch lautstarke Anfeuerung nach vorne peitscht. "Ich bin wirklich dankbar, ohne meine Familie wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Ich bin glücklich, dass ich etwas zurückgeben kann und sie stolz auf mich sind", sagt Sözer, dem vor allem das hohe Tempo am Futsal begeistert: "Es geht immer hin und her. Es fallen viele Tore, groß Raum zum Taktieren haben beide Mannschaften nicht. Fast jeder, der sich ein Spiel von uns angeschaut hat, ist wieder gekommen", wirbt Sözer und fährt fort: "Ich hoffe, dass der Futsal weiter professionalisiert wird, und werde versuchen, als Nationalspieler meinen Teil dazu beizutragen. Aber ich will die die vielen neuen Eindrücke auch einfach genießen."

realisiert durch evolver group