Starke Option in der Offensive: Karolina Bochra konnte bei ihrem Debüt für Arminia voll überzeugen. - © Andreas Zobe
Starke Option in der Offensive: Karolina Bochra konnte bei ihrem Debüt für Arminia voll überzeugen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Arminias Neue mit starkem Heimdebüt

Frauenfussball: Bochra weckt Erwartungen

Bielefeld. Aus seinen 16 Monaten Zivildienst als Hausaufgabenbetreuer und Freizeitorganisator von Spätaussiedlerkindern hat der Berichterstatter noch genau zwei polnische Vokabeln behalten. Das eine Wort ist nicht druckreif - und würde von einer netten Fußballspielerin im Interview sicherlich auch nie in den Mund genommen werden. Doch das andere, nämlich "dobrze", was auf Deutsch "gut" heißt, gebraucht Karolina Bochra in jedem zweiten Satz.

Sie sei von der Mannschaft und den Offiziellen gut aufgenommen worden, sagt der Neuzugang von Arminias Regionalliga-Frauen, dessen Ausführungen von Teamkollegin Sandra Szopieray übersetzt werden. Sie spiele in der Spitze schon ganz gut mit ihren Nebenleuten Maxi Birker und Romina Burgheim zusammen - das könne aber noch besser werden. Und sie finde vor allem ihren Trainer gut: "Man merkt, dass er mit diesem Team etwas bewegen will." Markus Wuckel gibt "Pocke", wie sie genannt werden will, das Kompliment gleich zurück. "Sie ist eine Rakete", sagt er, "und sie wird uns in dieser Liga enorm weiterhelfen."

Welches Potenzial die groß gewachsene Stürmerin, die bei den Armininnen in vorderster Linie agiert, besitzt, deutete sie in ihrem ersten Heimspiel gegen SGS Essen II mehrere Male an. In der ersten Halbzeit krachte ein Klassekopfball von ihr nach einem Freistoß an die Latte - Bochra ist also eine Frau für die Standards. Kurz vor der Pause umkurvte sie, schön eingesetzt von Burgheim, sogar Essens Torhüterin. Und obwohl der Winkel für einen gelungenen Abschluss zu spitz wurde, zeigte sich: Bochra hat auch viel Gefühl im Fuß. Und dass sie zudem über einen ausgeprägten Sinn für schnelle Kombinationen verfügt, wurde deutlich, als sie nach der Pause - meist gemeinsam mit Birker - die Essener Abwehr einige Male fast schwindelig spielte.

Die 27-Jährige kam auf Betreiben von Kamila Kmiecik, mit der sie früher zusammengespielt hat, von Zaglebie Lubin zu Arminia und gewann in jungen Jahren mit AZS Wroclaw sogar zweimal die polnische Meisterschaft. In Bielefeld sagte sie nach einer Woche Probetraining zu, hat aber vorerst nur einen Vertrag für die Hinserie unterschrieben. "Sie fühlt sich aber mittlerweile bei uns so wohl, dass wir im Hinblick auf eine Vertragsverlängerung guter Dinge sind", sagt Abteilungsleiter Werner Jöstingmeyer. Momentan ist Bochra bei Kmiecik untergekommen, der Verein sucht aber eine größere Wohnung und vor allem eine Arbeitsstelle für sie. "Karolina hat außerdem gerade einen Deutschkurs angefangen - das sollte mit der Integration also schnell klappen", hofft Jöstingmeyer.

Und auch die Sache mit dem Toreschießen wird hinhauen. "In Polen habe ich eigentlich regelmäßig getroffen, vor allem in den wichtigen Spielen", erklärt Bochra. Darauf setzt natürlich auch Markus Wuckel. "Am Sonntag war Pocke noch ein bisschen verkrampft: Da hat man gemerkt, dass sie wirklich auf Biegen und Brechen ihren ersten Treffer für uns erzielen wollte", meint er. Da ihr das Tor in der 78. Minute gelang, müsste der Bann jetzt gebrochen sein. Dobrze, Karolina!

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