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Den zwölften Sieg im Visier: Elias Sansar wird am Sonntag alles daransetzen, seine Widersacher erneut abzuschütteln.  - © Sarah Jonek
Den zwölften Sieg im Visier: Elias Sansar wird am Sonntag alles daransetzen, seine Widersacher erneut abzuschütteln.  | © Sarah Jonek

Mythos Hermannslauf (6) Alles spricht über Elias Sansar

Die größten Widersacher der vergangenen Jahre berichten über ihre Duelle mit dem Seriensieger. Am Sonntag tritt ein neuer Konkurrent auf den Plan

Arne Bensiek
26.04.2019 | Stand 25.04.2019, 19:34 Uhr

Bielefeld. Rekordhafte elf Mal hat Elias Sansar den Hermannslauf in den vergangenen 13 Jahren gewonnen. Klar, dass der 39-Jährige mit all seiner Erfahrung auch in diesem Jahr zu den Favoriten zählt. Zwar berichtet der Detmolder mit kurdischen Wurzeln immer wieder, dass er in den Tagen vor dem Rennen kaum Schlaf finde, zu groß sei seine Nervosität. Doch Jahr für Jahr, ob bei Kälte und Regen oder staubiger Hitze, schafft Sansar es, topfit an den Start zu gehen und das Rennen zu dominieren. Wie ihm das gelingt, wissen diejenigen am besten, die Mr. Hermannslauf bei seinen Siegen abgehängt hat. Der Hannoveraner Florian Reichert wurde 2012 und 2014 jeweils hinter Sansar Zweiter, bevor er ihn 2015 besiegte. „Ich habe mit den Jahren gelernt, auf meinen Körper zu hören und mein eigenes Tempo anzuschlagen", sagt der 37-Jährige aus dem Deutschen Berglauf-Nationalteam. 2012 und 2014 habe er noch verkrampft versucht, an Sansar dranzubleiben – ein Fehler. Bei seinem Sieg 2015 habe er sich seine Kraft besser eingeteilt und auch davon profitiert, dass Sansar und Yohannes Hailu Atey sich an der Spitze einen verhängnisvollen Abnutzungskampf lieferten. "Er hat ein Auge dafür, ob jemand nur ein Strohfeuer zündet oder ihm tatsächlich gefährlich werden kann" „Elias’ große Stärke ist, dass er seine Gegner sehr gut einschätzen kann", sagt der Bielefelder Jan Kerkmann, der 2016 Zweiter wurde und im vergangenen Jahr Dritter. „Er hat ein Auge dafür, ob jemand, der vor ihm läuft, nur ein Strohfeuer zündet oder ihm tatsächlich gefährlich werden kann", ist Kerkmanns Beobachtung. Sansar versuche stets, das Tempo an der Spitze zu kontrollieren. Nach dem steilen Abstieg in Oerlinghausen und dem folgenden Aufstieg im Schopketal forciere er dann meist das Tempo. „Elias’ Taktik ist auf das letzte Renndrittel ausgerichtet, wo er die Rhythmuswechsel wie kein anderer wegsteckt", sagt der 27-Jährige vom TSVE Bielefeld. Sansar könne einfach alles, ob bergauf, bergab oder in der Ebene, sagt der Bad Driburger Michael Brand, Dritter 2008 und Zweiter 2010. „Anders als ich, weil ich die Berge nie so schnell runterlaufen konnte wie er", gesteht der 36-Jährige von Non-Stop-Ultra Brakel. Ihm imponiere, dass Sansar sich im Rennen nicht aus der Ruhe bringen lasse. Um ihn zu schlagen, brauche es schon eine Kopie seines universalen Läufertyps, glaubt Brand: „Ultraläufer Florian Neuschwander, der in diesem Jahr mitläuft, ist so einer." "Bergauf war ich meist vorne, bergab aber immer wieder hinten dran" Auch Thomas Kühlmann, Zweiter im vergangenen Jahr, sagt, ihm habe es im Duell mit Elias Sansar an Schnelligkeit im Bergablaufen gefehlt. „Ich bin bis zu den Lämershagener Treppen mit ihm zusammengelaufen, war bergauf meist vorne, bergab aber immer wieder hinten dran", erinnert sich der 29-Jährige aus Wernigerode im Harz. An den Treppen habe er dann plötzlich nicht mehr die Kraft gehabt, dem Lokalmatador zu folgen. Knapp zwei Minuten nach Sansar kam Kühlmann ins Ziel. "Florian Neuschwander ist in der Ebene noch schneller als Elias" Marcus Biehl, Sieger von 2000 und 2004, sieht in Elias Sansar den perfekten Allrounder: „Er kommt wie kein anderer im hohen Tempo über die sanften Mittelgebirgshügel des Teutoburger Waldes." Reinrassige Bergläufer, die steilere Anstiege gewohnt seien, hätten ihm gegenüber beim Hermannslauf zu wenig Geschwindigkeit. Auch Biehl glaubt daher, dass Florian Neuschwander Sansar in diesem Jahr den Lorbeerkranz streitig machen könnte: „Florian hat als Bergläufer viele Titel geholt und ist in der Ebene sogar noch schneller als Elias." Entscheidend könnte sein, ob dem 37-jährigen Saarländer am Sonntag noch die Deutsche Meisterschaft im 50-Kilometer-Lauf vom 30. März in den Knochen und Muskeln steckt. Dort wurde Neuschwander Dritter. Elias Sansar wird alles tun, um ihn in die Liste der Besiegten aufzunehmen. Alle Serienteile zu Mythos Hermannslauf 2019

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