0
Schlau laufen: Eine Laufuhr am Handgelenk ermittelt die Herzfrequenz – ein probates Mittel, um die Belastung zu steuern. - © Arne Bensiek
Schlau laufen: Eine Laufuhr am Handgelenk ermittelt die Herzfrequenz – ein probates Mittel, um die Belastung zu steuern. | © Arne Bensiek

Mythos Hermannslauf (2) Video: Das richtige Tempo für den Hermannslauf - Was muss man beachten?

Berge, Sand und Treppen machen es schwer, zwischen Hermannsdenkmal und Sparrenburg einen Rhythmus zu finden.

Arne Bensiek
29.03.2019 | Stand 12.04.2019, 11:31 Uhr |

Bielefeld. Wer beim Hermannslauf zu schnell losläuft, büßt dafür später im Rennen viel Zeit ein und kriegt oft auch muskuläre Probleme. Ein Fehler, den keinesfalls nur Anfänger machen. Wer es zu langsam angehen lässt, bleibt unter seinem Potenzial und ist im Ziel vielleicht noch gut drauf, aber unzufrieden mit der Zeit. Das passende Tempo und den richtigen Rhythmus zu finden, ist beim „Hermann" deutlich schwieriger als etwa bei einem Stadtmarathon. Die Berge, der Sandboden und die Treppen auf den 31,1 Kilometern zwischen Hermannsdenkmal und Sparrenburg erfordern immer wieder Geschwindigkeitswechsel. Drei Bielefelder Lauftrainer erklären, was beim ständigen Auf und Ab Orientierung bietet – und was besser nicht. Die Herzfrequenz „Wir geben unseren Athleten im Training Pulswerte vor, mit denen sie bestimmte Strecken laufen", berichtet Uwe Vossieck. Der Trainer und Langstreckenexperte von der SV Brackwede hält die Herzfrequenz für ein probates Mittel, um auch auf der abwechslungsreichen Hermannslauf-Strecke die Belastung möglichst gleichmäßig zu steuern. „Wer sich am Herzschlag orientiert, sollte natürlich seine Pulswerte beim langsamen und beim schnellen Laufen kennen", sagt Vossieck. Jeder Mensch habe eine individuelle anaerobe Schwelle, also einen Pulswert, ab dem der Körper die Muskeln nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgen könne. „170 ist aber ein grober Richtwert, den man beim Hermannslauf nicht erreichen sollte", empfiehlt der 58-Jährige. Wolfgang Diekotto, der das Hermannslauf-Training beim TSVE 1890 Bielefeld leitet, ist überzeugt: „Die wenigsten Hobbyläufer kennen ihren Maximalpuls und ihre anaerobe Schwelle." Sinnvoll nach Puls zu laufen, erfordere aber sogar noch mehr, denn die Herzfrequenz werde auch von äußeren Faktoren beeinflusst. „Wenn es warm ist, klettert der Pulswert höher", erklärt Diekotto. „Außerdem steigt er auch im Verlauf des Rennens an, weil der Körper Wasser verliert und das Blut dickflüssiger wird." Das müsse man wissen, um die Herzfrequenz richtig deuten zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Pulsmessung der Laufuhren am Handgelenk oft ungenauer ist als mit einem Brustgurt. Die Zwischenzeiten Da beim Hermannslauf jeder einzelne Streckenkilometer ausgeschildert ist, lassen sich auch die Kilometerzeiten leicht nachvollziehen. Dass diese im Laufe des Rennens stark variieren, liegt am unebenen Streckenprofil. „Man sollte sich von seiner Uhr nicht verrückt machen lassen, wenn man nach einem langen Anstieg wie dem Ehberg deutlich über seinem angepeilten Kilometerschnitt liegt", erklärt Lauftrainer Gerd Grundmann vom TSVE. Eine bessere Orientierung böten die 15 Richtzeiten, die als Tabelle im Ausschreibungsheft und auf der Internetseite des Hermannslaufs stünden. „Diese Zeiten berücksichtigen auch jeweils Steigung und Gefälle auf den Streckenabschnitten", sagt Grundmann. Uwe Vossieck von der SV Brackwede empfiehlt: „Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer sollte sich zwar individuelle Zwischenzeiten setzen, aber niemand sollte sich im Rennen scheuen, diese Ziele aufzugeben, wenn sich herausstellt, dass sie zu hochgesteckt waren." Gerade Erstlinge sollten den Lauf nach Möglichkeit genießen. Die Mitläufer Die häufigste Frage im Startblock lautet: „Und was willst du laufen?" Da werden oft kurz vor dem Startschuss eifrig noch Leidensgemeinschaften gebildet, um bloß den richtigen Rhythmus zu treffen und die ausgelobte Zielzeit zu erreichen. „Das kann fatal enden", warnt Wolfgang Diekotto vom TSVE. „Niemand weiß, wie gut ein anderer wirklich trainiert ist und ob er seine Stärken oder Schwächen eher bergauf oder bergab hat." Beim Hermannslauf solle stattdessen jeder sein eigenes Rennen laufen. Den richtigen Rhythmus zu finden, sei ein individuelles Kunststück. „Bloß nicht an jemanden dranhängen", rät auch Gerd Grundmann. „Was beim Marathon mit den Pacemakern funktioniert, klappt beim Hermann nicht." Nächste Folge: Ohne Ende Erstlinge: Wie es zum Hermannslauf-Debüt kommt

realisiert durch evolver group