Exklusiv: Daniel Stephan über den Rauswurf beim TBV Lemgo

Der geschasste sportliche Leiter nennt im NW-Interview Hintergründe seiner Freistellung

Exklusiv: Daniel Stephan über den Rauswurf in Lemgo - © HANDBALL
Exklusiv: Daniel Stephan über den Rauswurf in Lemgo | © HANDBALL

Lemgo. Beim Handball-Publikum gelten sie als Helden, dennoch entzog ihnen die Lemgoer Vereinsführung das Vertrauen. Markus Baur (38) und Daniel Stephan (36), viele Jahre das Herzstück der deutschen Nationalmannschaft, haben den Bundesligisten TBV Lemgo als Spieler zur Meisterschaft 2003 geführt und hätten ihn nun als Verantwortliche mit der Millionen-Unterstützung von Hauptsponsor Heristo wieder zur Branchenspitze führen sollen.

Weil man ihnen das nach der verpassten Qualifikation für die Champions League nicht mehr zugetraut hatte, wurde Trainer Baur am vergangenen Mittwoch, einen Tag vor dem ersten Bundesligaspiel, beurlaubt. Und mit ihm der sportliche Leiter Daniel Stephan. Die radikale Vorgehensweise des vom Hauptsponsor kontrollierten Beirats wirft eine Menge Fragen auf. Im Gespräch mit Stephanie Fust äußert sich Daniel Stephan erst- und vorerst auch letztmals zu den Hintergründen seiner Freistellung. 

Herr Stephan, Sie waren 15 Jahre lang beim TBV Lemgo als Spieler und sportlicher Leiter tätig. Vor einer Woche sind Sie freigestellt worden. Wie geht es Ihnen?
DANIEL STEPHAN: Ich bin traurig und enttäuscht. Aber es muss weitergehen, und ich bin immer ein Typ gewesen, der sich nach Rückschlägen, zum Beispiel Verletzungen, schnell wieder aufgebäumt hat. Aber der Stachel sitzt natürlich tief. Es wird Zeit brauchen, bis ich das verarbeitet habe.

Auf die Dienste des früheren Welthandballers Daniel Stephan wird in Lemgo keinen Wert mehr gelegt. - © FOTO: JÖRG HAGEMANN
Auf die Dienste des früheren Welthandballers Daniel Stephan wird in Lemgo keinen Wert mehr gelegt. | © FOTO: JÖRG HAGEMANN

Sie sind in Lemgo eine Art Held, der die Nähe zu den Fans nie gescheut hat. Wie begegnen Ihnen die Menschen jetzt auf der Straße?
STEPHAN: Lemgo ist zu meinem Lebensmittelpunkt geworden. Und ich habe mich bewusst dafür entschieden, mich nicht zu verstecken. Ich habe viel positives Feedback bekommen. Dass die Menschen die Geschehnisse differenzierter betrachten und mit mir mitfühlen, gibt mir ein gutes Gefühl.

Markus Baur ist aufgrund der "negativen sportlichen Entwicklung" freigestellt worden. Und Sie?
STEPHAN: Ganz ehrlich, ich weiß bis heute nicht, was sie mir anlasten. Ich bin am Mittwochmorgen zum Mehrheitsgesellschafter nach Bad Rothenfelde zitiert worden. Da wurde mir mitgeteilt, dass Markus Baur ab sofort beurlaubt wird und dass man mich als Interimstrainer installieren möchte. Daraufhin habe ich mir Bedenkzeit erbeten. Die wurde mir bis abends gewährt. Ich habe dann das Angebot abgelehnt, woraufhin man mich ohne Begründung von meinen Aufgaben freigestellt hat.

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