Klasse gehalten: Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel - © Witters
Klasse gehalten: Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel | © Witters

Steinwurf Friedhelm Funkel gehört zu den vier Top-Trainern in der Fußball-Bundesliga

Die Kolumne von Ex-Nationaltorwart Uli Stein

Für manch einen Bundesligisten ist ja der Klassenerhalt so viel wert wie für andere der Meistertitel. Düsseldorf zählt sicher dazu, und dass die Fortunen nach der Niederlage des VfB Stuttgart gegen Leverkusen bereits vor ihrem Heimspiel am Sonntag gegen die Bayern gerettet waren, ist eine der ganz großen positiven Überraschungen dieser Saison. Ich gebe gerne zu: Düsseldorf war für mich genau so wie Nürnberg ein Kandidat für den direkten Abstieg.

Als sie am achten Spieltag in Frankfurt mit 1:7 untergingen, schien sich die Prognose zu bewahrheiten. Damals fiel der Aufsteiger auf den letzten Tabellenplatz zurück. Ich denke, das war der Wendepunkt. Entweder du gehst jetzt richtig unter, oder dieser Schuss vor den Bug rüttelt dich anhaltend wach. Für Fortuna war das Debakel auf jeden Fall heilsam.

Es hat sich auch ausgezahlt, dass der Klub in dieser Situation an seinem Trainer festgehalten hat. Friedhelm Funkel wahrte die Ruhe in dieser sportlichen Krise und auch später, als es komplett überflüssigen hausgemachten Ärger gab. Er zählt in dieser Saison für mich zu den vier besten Trainern der Liga. Neben ihm sind das noch Bayerns Niko Kovac, Frankfurts Adi Hütter und Freiburgs Christian Streich. Kovac, weil er den besonderen Bayern-Druck aushält und seiner Linie treu bleibt. Hütter, weil er spektakulären Fußball spielen lässt und damit sehr erfolgreich ist. Streich, weil er im Grunde jedes Jahr mit Freiburg das Optimum erreicht.

Auch mit 65 Jahren noch offen für Veränderungen

Bei Funkel gefällt mir besonders seine Entwicklung. Er ist ja sehr erfahren, hat zahlreiche Stationen auf seiner Visitenkarte und die Art, wie er Fußball spielen ließ, basierte stets auf Disziplin, Kampfkraft, mannschaftlicher Geschlossenheit und defensiver Stabilität. Nicht, dass seine Spieler nun diesbezüglich nachlassen dürften, aber es ist schön zu sehen, wie dieser gestandene Fußballlehrer auch mit 65 Jahren noch offen ist für Veränderungen.

Ich mag das, wenn Fußball diese Prise hat, die ihn interessanter macht. Wenn Fußball nicht nur Arbeit ist. Die Fortuna unter Funkel tickt dementsprechend: Immer bemüht, auch hinten raus spielerische Lösungen zu finden.

Das Wintertheater hat den Vorstandsboss zum Verlierer gestempelt

Umso unverständlicher war das Wintertheater, als Vorstandsboss Robert Schäfer verkündete, den Vertrag mit Funkel im Sommer nicht zu verlängern. Wohlgemerkt: Die Fortuna hatte in der Englischen Woche vor Weihnachten gerade neun Punkte aus drei Partien geholt. Aber dieses Chaos hat Schäfer, das wissen wir seit diesem Wochenende, zum Verlierer gestempelt. Er wird gehen. Und Funkel bleibt.

Der frühzeitig feststehende Klassenerhalt verschafft den Düsseldorfern nun Planungssicherheit. Es würde mich freuen, wenn die Kaderplanung so ausfiele, dass Fortuna sich langfristig in der Erstklassigkeit etablieren kann. Unsere Landeshauptstadt gibt es her und das Umfeld auch.

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