BVB-Fans beim Derby in der Schalker Veltins-Arena. Ihre CO2-Bilanz sieht nicht so gut aus. - © picture alliance / Sven Simon
BVB-Fans beim Derby in der Schalker Veltins-Arena. Ihre CO2-Bilanz sieht nicht so gut aus. | © picture alliance / Sven Simon

Klimawandel Stadionbesuche: Fußballfans produzieren so viel CO2 wie kaum ein anderer

Stadionbesucher verursachen an einem Spieltag so viel Kohlenstoffdioxid wie zehn Bundesbürger durchschnittlich in einem ganzen Jahr. Und Fußballclubs machen wenig Anstalten, etwas daran zu ändern.

Bonn. Denkt man an Klimawandel und Umweltverschmutzung, denkt man schnell an Dieselautos oder Kohlekraftwerke. Doch der Mensch selbst trägt ganz erheblich zur Luftverschmutzung bei - vor allem eine ganz besondere Spezies: der Fußballfan. Das hat eine Untersuchung des Deutschlandfunks zusammen mit der Klimaschutzberatung CO2OL ergeben.

Ein Stadionbesucher konsumiert demnach durchschnittlich einen halben Liter Bier, einen Bissen Bratwurst, das dazugehörige Brötchen und einen Schluck Limonade. Zusammen mit dem damit verbundenen Müll verursacht das über alle rund 400.000 Stadiengänger hochgerechnet an einem Spieltag rund 120 Tonnen CO2. So viel wie zehn Bundesbürger durchschnittlich in einem ganzen Jahr verursachen.

Die Forscher haben für die Untersuchung frei zugängliche Zahlen verwendet, wie zum Beispiel die Jahresberichte der Bundesligaclubs und eine Fan-Befragung. Daraus wurde der CO2-Fußabdruck eines Fußball-Fans an einem Spieltag berechnet.

Luftverschmutzung vor allem bei der Anreise

Pro Spieltag werden insgesamt 7.753 Tonnen CO2 freigesetzt. Um diese immensen Emissionen für einen einzigen Spieltag wieder auszugleichen, bräuchte es eine Waldfläche so groß wie 48 Fußballfelder, rechnet der Deutschlandfunk vor. Fast 60.000 Bäume müssten dafür gepflanzt werden.

Grund für die Luftverschmutzung ist aber nicht nur der Konsum im Stadion. Weitaus größer sei der Anteil von CO2 bei der An- und Abreise.

Laut der Studie fallen zwei Drittel der Emissionen an, weil die große Mehrheit der Fußballfans mit dem Auto anreist. Und auch die Klimabilanz von Fanartikeln, wie zum Beispiel Fußballtrikots, ist laut der Untersuchung verbesserungswürdig.

"Aus ökologischer Sicht ein Desaster"

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss: Unter Umweltgesichtspunkten wird im Bereich Fußball bislang kaum hingeschaut. Stattdessen gebe es sogar immer mehr Wettbewerbe: Europa League 2, Klub-WM, Welt-Liga und so weiter.

"Aus ökologischer Sicht ist das ein Desaster", sagt dazu Norman Laws vom Institut für Nachhaltigkeitssteuerung an der Uni Lüneburg. Und Bundesligaclubs machten derzeit kaum Anstalten, um dem entgegenzusteuern. Kompensationszahlungen an Umweltprojekte gebe es beispielsweise bei keinem einzigen Bundesligisten.

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