Beim BVB läuft's - die Fans jubeln. - © picture alliance/augenklick
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Dortmund Aufschwung beim BVB: Das Puzzle fügt sich

Borussia Dortmund: Der Erfolg beim Bundesliga-Tabellenführer hat viele Gesichter. Zwei der wichtigsten stehen dabei allerdings nicht in Fußballschuhen auf dem Platz

Uwe Kleinschmidt

Dortmund. Nein, hatte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor der Saison immer wieder betont, er habe keinerlei Hoffnungen auf den Gewinn der Meisterschaft. Sieben Spieltage später könnte sein Orakel aus gewisser Sicht gestärkt wirken. Zu frappierend und ein wenig Angst einflößend sind aus Dortmunder Sicht die Parallelen zur Vorsaison. 17 Punkte bei 23 erzielten Treffern sind es heute, gar 19 Punkte bei 21 Toren waren es im im Oktober 2017. Die Sport-Bild addierte vor einem Jahr: „Fünf Gründe, warum der BVB Meister wird."

Dann allerdings begann ein ungeahnter Sturzflug, für den Trainer Peter Bosz die Verantwortung zu tragen hatte – bis er im Dezember nach weiteren drei Punkten aus acht Spielen vom Borsigplatz gejagt wurde. Es spricht einiges, sehr viel sogar, dagegen, dass Lucien Favre ein ähnliches Schicksal ereilt.

Zu geschlossen, zu willensstark und letztlich zu gut auf der Bank besetzt ist der BVB im Oktober 2018. Wer Joker hat wie den Spanier Paco Alcácer und Mario Götze, dem muss auch bei zwei Rückständen gegen den FC Augsburg nicht bange werden. In 37 Minuten schossen die beiden den FCA bekanntlich in Koproduktion zum 4:3 ab. Und die Borussia hat nun einen Trainer namens Lucien Favre, der nach dem Gänsehautspiel gegen Augsburg schweizerisch-nüchtern erkannte: „Das war nicht das beste Spiel, das wir gemacht haben. Defensiv gibt es aber noch viel zu korrigieren."

Hoffnungen für eine stabile Saison

Schon zur vorigen Saison hatte die Borussia heftig um Favre gebuhlt, doch nach wochenlangem Hin und Her verweigerte Favres Arbeitgeben Olympique Gymnaste Club de Nice Côte d’Azur, kurz OGC Nizza, die Freigabe. Praktisch, dass Favres iranischer Berater Reza Fazeli auch der von Peter Bosz war (und ist). Also machte Fazeli erst den Deal mit seiner Nummer 2 Peter Bosz klar, ein Jahr später klappte es dann auch mit Favre.

Doch nicht der kühle Favre allein nährt die Hoffnungen der Dortmunder Fans auf eine stabil gute Saison. Zwei Personalentscheidungen dürften sich als ebenso kluge Investition in die Zukunft erweisen. Sebastian Kehl, in drei Meisterschaften 2002, 2011 und 2012 gestählter Ex-Profi und nun „Leiters der Lizenzspielerabteilung" sowie Matthias Sammer als „externer Berater". Der hatte schon das Kunststückchen vollbracht, mit dem BVB erst als Spieler (1995 und ’96) und dann als Trainer Meister zu werden (2002). Beide wirken nun eher im Hintergrund, überlassen die Medienarbeit weitgehend Favre und Sportdirektor Michael Zorc. Kehl ist interne Respektsperson von höchsten Graden und soll als solcher auch verhindern, dass sich Streikfälle wie zuletzt bei Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang wiederholen.

Matthias Sammer tritt öffentlich nur als Experte bei Eurosport auf die Lichtung. In dieser Rolle spricht er natürlich auch über den BVB – halb extern, halb intern. Aktuell hat Sammer „das Gefühl, dass die Verbindung zwischen Trainer und der Mannschaft stimmt. Sie haben eine gute Verbindung und ein gutes Miteinander. Dazu zeigen sie eine gute Mentalität." Doch Sammer, der ewige Grantler, weiß auch: „Im Moment macht es Spaß, der Mannschaft zuzuschauen. Aber die Saison ist lang, die Verantwortlichen müssen darauf achten, dass man beide Beine auf dem Boden hat und sich alles immer wieder neu erarbeitet."

Solide Struktur in der Mannschaft

Kehl und Sammer werden auch ohne öffentliches Bohei dazu beigetragen haben, dass die Borussia einen zuvor offensichtlich fehlendes Puzzleteil verpflichtet hat: Den Belgier Axel Witsel. Der 29-Jährige hat die Borussia eine Überweisung von 20 Millionen Euro an den chinesischen Klub Tianjin Quanjian gekostet – er zahlt sie als Stabilisator im defensiven Mittelfeld zurück. Sammer über Witsel: „Wir messen im Fußball mittlerweile alles. Aber Dinge wie Präsenz und Ausstrahlung kann man nicht messen."

Die Dortmunder scheinen nun eine solide Struktur in der Mannschaft transferiert zu haben, nachdem zuvor jahrelang in die Zukunft, selten aber in die Gegenwart oder den Erfolg investiert wurde. Auch das ist ein Grund, warum es klappen könnte mit einer immergin absturzfreien Saison 2018/19. Hoffnungen auf den Meistertitel hat selbst Watzke schließlich nicht. Stand jetzt.

PS: Der letzte Sieg unter Peter Bosz gelang den Borussen übrigens vor Jahresfrist beim 2:1 gegen Augsburg. Jenen FC, den der BVB nun mit 4:3 bezwang. Aber das muss nun wirklich nichts heißen.

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