Hans-Joachim Watzke bei itelligence in Bielefeld. - © Sarah Jonek
Hans-Joachim Watzke bei itelligence in Bielefeld. | © Sarah Jonek

Bielefeld BVB-Geschäftsführer Watzke über Digitalisierung, E-Sports und Mario Götze

Gast in Bielefeld: Hans-Joachim Watzke spricht vor mehreren hundert IT-Experten beim Bielefelder Unternehmen „itelligence“ über die Digitalisierung im Fußball und mehr

Jan Ahlers

Bielefeld. Wenn Hans-Joachim "Aki" Watzke spricht, ist das Echo meist groß. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund polarisiert und ist bei vielen Themen um keine Meinung scheu. Das bewies er auch als Hauptgast eines Kongresses beim Bielefelder IT-Dienstleister "itelligence". Im Gespräch mit Moderatorin Claudia van Veen zeigte er, wie wichtig ein digitalisiertes Umfeld im Profifußball geworden ist - aber auch, wo seiner Meinung nach Grenzen überschritten werden. Ohne das Digitale geht bei Borussia Dortmund nichts mehr. "Die Zielgruppe der unter 40-Jährigen erreichen wir ohne Internet und soziale Medien kaum noch", sagt Watzke. Doch er betont: "Wir können nicht nur den Honig aus der Digitalisierung pressen." Sie bringe Verantwortung mit sich. "Wir müssen aufpassen, uns und unsere Fans schützen", mahnt der Geschäftsführer. Die Datenspeicherung ist auch bei den mehr als 150.000 Mitgliedern des BVB ein großes Thema - besonders bei den Spielern. "Natürlich liegen die Verträge der Profis auf unseren Servern und nicht in einer Cloud", verrät der 59-Jährige. Die versammelte Kulisse aus IT-Experten schmunzelt darüber. Doch "Football Leaks" lässt grüßen... Scharfe Kritik an E-Sports Im Scouting, erzählt Watzke, habe das Sammeln von Daten längst Überhand genommen. "Als wir vor zehn Jahren Robert Lewandowski in Polen verpflichtet haben, hatten wir ihn nahezu allein beobachtet." Heute seien bis zu 200 Talentsucher gleichzeitig den vielversprechenden Spielern von morgen auf den Fersen. "Weil die Scoutingsysteme so präzise sind." Auch für die Spielvorbereitung wäre es nicht nur von Vorteil, sich rein auf moderne Statistiken zu stützen. Watzke macht deutlich: "Diese Daten werden gesammelt, um das gegnerische Spiel möglichst früh zu zerstören, anstatt das eigene attraktiver zu machen." Das führe dazu, dass der Sport immer wissenschaftlicher werde. "Wir dürfen aber niemals zum Sklaven unserer Daten werden." Das E-Sports-Business an der Konsole sieht Watzke nach wie vor sehr kritisch. Schlimm werde es, wenn jemand dadurch selbst nicht mehr aktiv Sport treibe. "Meine Kinder mussten eine Mannschaftssportart betreiben", plauderte der BVB-Chef aus dem Nähkästchen. Diese soziale Komponente sei entscheidend beim Erwachsenwerden, "und es ist meine große Sorge, dass dies wegfällt. Wer an der Konsole gewinnt, ist für mich kein Held." "Irgendwann wieder Titel holen" Es sei ein Teufelskreis, der schon jetzt zu Nachwuchsproblemen in vielen Vereinen führe. Ein nationales Aushängeschild wie Borussia Dortmund spürt das noch nicht am eigenen Leib. Watzke: "Zu uns möchte ja jeder wechseln." Als sich Hans-Joachim Watzke schon auf den Heimweg begeben wollte ("Am besten entspannen kann ich, wenn ich Netflix anmache"), fühlten ihm schließlich die Fans unter den Zuhörern auf den Zahn. Wie ist das denn nun mit WM-Held Mario Götze, der in der Bundesligasaison bislang nicht berücksichtigt worden war? "Eine Mannschaft braucht viele gute Spieler, und beim BVB gehört Mario Götze zu den 15, 16 besten Kickern", sagte Watzke, "aber nach Ansicht des Trainers eben zuletzt nicht zu den besten elf." Nicht anders sei das beim FC Bayern, der Weltmeister Corentin Tolisso zuletzt nicht einmal für den Kader nominiert hatte. Und wo landet der BVB in der Abschlusstabelle? "Wir wollen immer Champions League spielen, das ist unser Anspruch", antwortete der gebürtige Sauerländer. "Und irgendwann auch wieder Titel holen."

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