Der FC Bayern München gibt bei Ablösesummen am wenigsten aus. - © picture alliance/ZUMA Press
Der FC Bayern München gibt bei Ablösesummen am wenigsten aus. | © picture alliance/ZUMA Press

München Ablösesummen: Der FC Bayern ist Letzter

Meistens ist der FC Bayern ganz oben. Es gibt allerdings eine Liste, auf der das genau umgekehrt ist: Bei den Transferausgaben.

Philipp Kreutzer
Dortmund gibt bei Ablösesummen für neue Spiele am meisten aus. - © Schultheiss
Dortmund gibt bei Ablösesummen für neue Spiele am meisten aus. | © Schultheiss

Bielefeld. Wo der FC Bayern ist, ist oben. So empfinden es jedenfalls die Kicker, Verantwortlichen und Anhänger des deutschen Rekordmeisters. Und zwar seit Jahrzehnten. Das traditionell ziemlich selbstbewusste Selbstverständnis der Münchner ist nicht ganz unbegründet. Schließlich gibt die Tabelle ihnen fast immer Recht – zum Leidwesen derjenigen, die gern eine spannende Bundesliga hätten.

Es gibt allerdings zurzeit eine Rangliste, in der es sich genau umgekehrt verhält. Zumindest auf den ersten Blick. Zwei Wochen vor Beginn der neuen Saison zeigt die Statistik der bisherigen Transferausgaben der 18 Bundesligisten in diesem Sommer: Bayern München ist Letzter.

Sogar die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit 5,7 Millionen und der 1. FC Nürnberg mit 700.000 Euro liegen in dieser Tabelle vor dem FCB. Die Spitzenposition nimmt Borussia Dortmund ein. 73 Millionen Euro haben die BVB-Verantwortlichen bislang in die Hand genommen, um den Bayern mit neuen Stars wie Axel Witsel, Abdou Diallo oder Thomas Delaney gefährlich zu werden. 43 beziehungsweise 42,5 Millionen Euro haben RB Leipzig und der VfL Wolfsburg bisher für neues Personal investiert. Damit belegen sie die Plätze zwei und drei.

Null Komma Null

Die Münchner dagegen mussten dem FC Schalke für Leon Goretzka nichts überweisen. Der Vertrag des Nationalspielers beim Revierklub lief zum 30. Juni aus. Bei Serge Gnabry und Renato Sanches endeten die Ausleihen an Hoffenheim und an Swansea. Alphonso Davies aus Vancouver in Kanada kommt erst im Januar nach München. Die momentan noch 17-jährige Linksaußen-Hoffnung werden sich die Bayern im Winter zehn Millionen Euro kosten lassen.

Bei exakt null Komma null Euro liegen somit die Ablösesummen für Spieler, mit denen sich die Münchner vor der neuen Saison bisher verstärkt haben. Das ist eine Bilanz wie die des Zweitligisten Arminia Bielefeld, der in diesem Sommer ebenfalls ausschließlich ablösefrei verpflichtete. Parallelen bestehen aber – wer hätte das gedacht – nur vordergründig. Denn im Fall der Münchner ist die aktuelle Null-Cent-Politik nicht Ausdruck wirtschaftlicher Zwänge. Sondern der Vormachtstellung des Klubs.

Trotz einer Null auf der Ausgabenseite Spieler von zum Teil internationaler Klasse zu verpflichten, ist dem Verein möglich, weil er diese Kicker mit höheren Gehältern und größerer Aussicht auf Titel locken kann als alle anderen Vereine des Landes. Am Ende bestimmen die Münchner sogar den Zeitpunkt eines Wechsels. Siehe Goretzka. Auf den 23 Jahre alten Mittelfeldspieler mit einem Marktwert von 40 Millionen Euro konnten die Bayern entspannt warten, bis er ablösefrei war. Nun ist er da, nun ließen sie den 31-jährigen Vidal zum FC Barcelona ziehen. Für angeblich 18 Millionen Euro.

Die Formel „Willst du Bayern München oben seh’n, musst du die Tabelle dreh’n" stimmt also nur auf den ersten Blick. In Wahrheit ist – genauso wie fast immer in der sportlichen Tabelle – das Gegenteil richtig. Und das Festgeldkonto wächst weiter. Deshalb konnte es sich der FCB übrigens problemlos leisten, Eintracht Frankfurt 2,2 Millionen Euro Ablöse für Trainer Niko Kovac zu zahlen.

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