León Gewinnspiel zum besonderen WM-Datum: Die Revanche für Wembley

Das besondere WM-Datum (1): Am 14. Juni 1970 besiegt die deutsche Jahrhundertelf mit Gerd Müller und Uwe Seeler England mit 3:2

Uwe Kleinschmidt
Schlussjubel: Gerd Müller, Uwe Seeler (r.) und ihre Kollegen haben England nach Verlängerung in Mexiko bezwungen. - © WITTERS
Schlussjubel: Gerd Müller, Uwe Seeler (r.) und ihre Kollegen haben England nach Verlängerung in Mexiko bezwungen. | © WITTERS

León. Schon im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko kommt es zur Revanche für Wembley. 1966 hatte England die Deutschen dank des längst legendären Wembley-Tores mit 4:2 besiegt und war Weltmeister geworden.

Bundestrainer Helmut Schön schickt nun mit Gerd Müller und Uwe Seeler, flankiert von Stan Libuda und Wolfgang Overath, eine historische Offensive auf den Rasen des "Estadio Guanajuato". Für Seeler (33 Jahre) und Müller (24) ist es die einzige gemeinsame WM - dies wird sich als vorteilhaft erweisen. Zur Anstoßzeit um 12 Uhr mittags herrschen in der dünnen Höhenluft von León 45 Grad Celsius, die Auswechselspieler tragen weiße Sombreros zum Schutz vor der Sonne. Kapitän Seeler raunt Bobby Charlton schon im Kabinengang zu: "No Chance, today is our Wembley."

Torwart Banks verdirbt sich den Magen

Doch zunächst läuft es schlecht für die Deutschen. Alan Mullery (so heißt er tatsächlich!) und Martin Peters bringen England bis zur 49. Minute mit 2:0 in Front. Nun nimmt sich Franz Beckenbauer (24) der Sache höchstpersönlich an. Nach einer beinahe explosiven Körpertäuschung zieht er aus 18 Metern in halbrechter Position ab, Englands Torhüter Peter Bonetti lässt den vergleichsweise harmlosen Schuss unter sich hindurchrutschen (69.).

Bonetti ist überhaupt nur im Tor, weil Englands Nummer eins, Gordon Banks, sich beim Mittagessen Würstchen und ein kühles Bier genehmigt hatte - und dies wohl nicht vertrug. Der Anfang von Englands Ende. Wie auch ein taktischer Wechsel von Englands Trainer Alf Ramsey. Er tauscht nur eine Minute nach Beckenbauers Tor den Mittelfeldstrategen Bobby Charlton gegen Colin Bell aus. Um Charlton für das vermeintlich sichere Halbfinale zu schonen. Bad luck!

Auftritt in der 82. Minute "uns Uwe": Eine Flanke von Karl-Heinz Schnellinger veredelt Seeler sieben Meter vor dem Tor rücklings per Bogenlampe zum 2:2. Seelers Beschreibung seines Husarenstücks: "Der Ball landet dort, wo ich relativ wenig Haare habe: auf meinem Hinterkopf. Ich lasse mich leicht ins Kreuz fallen, schiebe den Kopf unter den Ball und schnelle hoch." So einfach ist das manchmal.

Grabowski auf Müller

Wie vier Jahre zuvor geht der Klassiker in die Verlängerung. Aber es gibt noch jenen Stürmer, der mit zehn Treffern bei dieser WM zum Torschützenkönig werden wird. In der 108. Minute flankt Jürgen Grabowski von rechts auf den langen Pfosten (O-Ton Kommentator Werner Schneider: "Er hat erstaunlich viel Kraft. Gut, er ist später hereingekommen . . .") auf Hannes Löhr, der den Ball vor das Tor köpft. Dort steht und vollendet: Gerd Müller aus drei Metern. 3:2 - Wembley ist gerächt.

Helmut Schön resümiert kühl: "Erstens war es doch sehr interessant, dass wir in diesem Spiel auch konditionell den Engländern überlegen waren. Und außerdem war es interessant, dass die beiden Kontrahenten von 1966, Franz Beckenbauer und Bobby Charlton, wieder gegeneinander gespielt haben und Franz in diesem Spiel der Größere gewesen ist."

England - Deutschland 2:3 n.V.
England: Bonetti - Newton, Cooper, Mullery, Labone, Moore, Lee, Ball, Hurst, Charlton (70. Bell), Peters (79. Hunter)

Deutschland: Maier - Vogts, Höttges (46. Schulz), Beckenbauer, Schnellinger, Fichtel, Libuda (56. Grabowski), Seeler, Müller, Overath, Löhr

Tore: 1:0 Mullery (31.), 2:0 Peters (49.), 1:2 Beckenbauer (69.), 2:2 Seeler (82.), 2:3 Müller (108.)

Zuschauer: 23.357 in León
Schiedsrichter: Angel Norberto Coerezza (Argentinien)

Alle Teile der Serie: "Das besondere WM-Datum"

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