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Ziege über die Chancen der deutschen Mannschaft

Arminia-Trainer und ehemaliger Nationalspieler im Interview

15.06.2010 | Stand 15.06.2010, 13:17 Uhr

Bielefeld. Ganz Deutschland ist begeistert vom glanzvollen WM-Auftakt der Elf von Bundestrainer Joachim Löw. Auch Christian Ziege. Dem früheren Bayern-Profi, der 2002 in Japan und Südkorea nur knapp den Weltmeister-Titel (0:2 gegen Brasilien im Finale) verfehlte, stellte Rainer Klusmeyer elf Fragen zur WM in Südafrika.

Herr Ziege, Sie haben vor acht Jahren zum Start einen 8:0-Kantersieg über Saudi-Arabien gefeiert. Wie viel ist so ein Ergebnis wert?
CHRISTIAN ZIEGE: Es ist auf jeden Fall von Vorteil, siegreich in eine WM zu starten. Vor allem, wenn man dann auch noch so gut gespielt hat wie Löws Mannschaft. Ein 4:0 ist besser als ein 8:0, weil das damals doch arg leicht war.

Ist denn Australien ein echter Maßstab gewesen?
ZIEGE: Jedenfalls ein bisschen mehr Prüfstein als die Saudis. Die deutsche Mannschaft hätte ja anfangs durchaus in Rückstand geraten können. Hinten raus wurde es dann nach dem Platzverweis gegen Tim Cahill etwas zu leicht. Das birgt die Gefahr, dass man meint, es könnte ohne große Probleme von alleine so weiterlaufen.

Den ersten Treffer erzielte Lukas Podolski. Wie erklären Sie sich, dass ein Spieler, der bei seinem Verein in der Bundesliga kaum etwas zustande bringt, im Nationaltrikot so auftrumpft?
ZIEGE: Ohne das genau beurteilen zu können: Das hat mit dem Umfeld zu tun. In Köln hat es viele kleinere Reibereien gegeben, weil jeder Spieler von seiner Wichtigkeit überzeugt ist. Und plötzlich dreht sich alles um Podolski, was zu noch mehr Eifersüchteleien führt. In der Nationalmannschaft dagegen findet Podolski genau die Umgebung vor, in der er das zeigen kann, was er am liebsten will und kann: einfach nur Fußball spielen.

Das zweite Sorgenkind vor der WM war Miroslav Klose.
ZIEGE: Und für den freut es mich besonders, dass er ein so schönes Tor erzielt hat. Miro durchlebt in München eine schwierige Situation. Aber er hat seine Qualitäten, und ich traue ihm zu, den WM-Rekord von Gerd Müller zu knacken. Es sind ja nur noch drei Tore.

Gegen Australien spielte die jüngste deutsche WM-Elf aller Zeiten. Ein Vorteil?
ZIEGE: Das wird sich zeigen. Es kommen noch ganz andere Mannschaften, die sich defensiv nicht so anstellen wie die Australier und vorne wesentlich gefährlicher sind.

Könnte das Fehlen von Michael Ballack vielleicht sogar die Mannschaft beflügeln?
ZIEGE: Ballack ist zweifelsfrei einer der wichtigsten und besten Spieler, die Deutschland je hatte. Jetzt müssen sich andere zeigen. Sie wollen es und, wie gesehen, sie können es.

Ein weiteres Plus gegen Australien war die Blockbildung aus Bayern-Spielern.
ZIEGE: Das macht das Zusammenspiel leichter. Und ein bisschen von der Bayern-Spielweise hat die Nationalmannschaft ja auch übernommen.

Der nächste Gegner heißt Serbien. Ist das, einer alten Fußballerweisheit nach, auch der schwerste Gegner?
ZIEGE: Auf jeden Fall schwerer als Australien. Wir mussten uns damals in Japan nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien anschließend mit einem 1:1 gegen Irland begnügen. Aber ich sehe keinen Gegner, der uns diesmal in Südafrika in der Vorrunde stoppen könnte.

Wie schafft man es, so fernab der Heimat für viele Wochen die Stimmung hochzuhalten?
ZIEGE: Das ist nicht besonders schwierig. Man kommt ja auch mal raus aus dem Trainingsquartier und hat so die Möglichkeit, ein anderes Land, eine andere Kultur kennenzulernen. Es war damals in Japan beeindruckend, dass man überall angestarrt wurde, nur weil man so ganz anders aussieht als alle anderen im Land.

Deutschland hat gegen Australien vier Tore geschossen, in allen anderen Spielen überwiegt der Minimalistenfußball.
ZIEGE: Na ja, Argentinien hätte auch in diesen Bereich vorstoßen können, wenn Lionel Messi seine Chancen genutzt hätte. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass es gerade am Anfang wichtig ist, nur nicht zu verlieren. Also wird die Defensive gestärkt. Das erklärt die vielen 0:0- und 1:1-Ergebnisse.

Kurz und klein: Was ist für die deutsche Mannschaft möglich?
ZIEGE: Es ist immer alles möglich. Das haben die vielen deutschen Weltmeisterschafts-Erfolge der Vergangenheit gezeigt. Bis ins Finale kann’s gehen – aber da sprechen auch noch ein paar andere mit.

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