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Die mitgereisten Arminia-Fans mussten in Stuttgart einiges über sich ergehen lassen. - © picture alliance/dpa
Die mitgereisten Arminia-Fans mussten in Stuttgart einiges über sich ergehen lassen. | © picture alliance/dpa

Blick vom Block Arminia-Kolumne: Meine Wilde-Liga-Truppe hätte es den Stuttgartern schwerer gemacht

Das 0:6-Pokal-Debakel im Schwabenland lässt unseren Kolumnisten ratlos zurück. Von der Arminia-Mannschaft hat er schon nach 24 Spielminuten die Nase voll.

Armine von der Süd
20.10.2022 , 17:00 Uhr

Gegen 20:55 Uhr dachte ich ehrlich, diese Mannschaft hat aus den letzten Monaten gelernt. Sie schienen auf Augenhöhe mit dem zuletzt verbesserten VfB Stuttgart. Das gab Hoffnung. Für weitere zehn Minuten. Und dann folgte abermals ein inzwischen nicht mehr sonderlich überraschender Absturz, diesmal ins Bodenlose.

Gegen 21:09 Uhr wollte ich mit dieser Arminia nichts mehr zu tun haben. Da waren gerade 24 Minuten gespielt, und aus dem, von unserem Präsidenten sicher motivierend gemeinten "Bonusspiel" wurde ein mittelschweres Desaster. Mittelschwer? Nun, es hätte auch zweistellig werden können, aber dazu waren die Schwaben zu schwach.

Bonus klingt ja positiv, aber (Noch?) Trainer Scherning widersprach seinem (Noch?) Präsidenten Schütte. Was der (Noch?) Geschäftsführer Arabi dazu für eine Meinung hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Die nächste Jahreshauptversammlung könnte nach eher ruhigeren Jahren so ausfallen, wie damals diese denkwürdige Nacht in der Stadthalle. Als der zurückgetretene Präsident Schwick auf einmal wieder Präsident war und die Mitgliedsversammlung kurz vor der Eruption stand. Wer damals nicht dabei war, kann sich das so vorstellen, wie den Grünen-Parteitag zum Thema Restlaufzeit der AKW... Wir dürfen gespannt sein, ob diese JHV in einen größeren Saal oder ins Stadion verlegt wird...

Scherning wirkt komplett verloren

Empfand ich Daniel Scherning mit seiner Arminia-Vergangenheit zunächst als gute Wahl, habe ich inzwischen das Gefühl, er ist auf diesem Posten komplett verloren. Genauso deplatziert, wie zuletzt die Herren Forte und Kramer. Diese beiden sind ja aktuell frei... Zudem wir ja scheinbar noch immer das Kramersche Spiel“system“ pflegen, welches vor allem durch eins geprägt ist: Erfolglosigkeit.

Warum Menschen Schalkefans werden, entzieht sich mir völlig, aber sie tun mir leid, denn so erfolglos dieses Spiel"system“ ist, es ist zudem auch nachhaltig. Sieht man ja bei uns... Macht Nachhaltigkeit in weiten Teilen des Lebens Sinn, hier an dieser Stelle ist sie leider lästiger, hartnäckiger Schmutz auf der Windschutzscheibe, der sich nicht so ohne Weiteres entfernen lässt.

Im Fanklub-Chat wurde nach dem vierten Gegentor gehofft, dass es bis zur Halbzeit so bliebe, sonst wäre es schwer, die Verlängerung zu erreichen. Ich kam auf die Idee, die Spielminuten der Gegentore in einen Lottoschein einzubauen... sollte mir das dann zu einem Millionengewinn verhelfen, könnte ich unseren Profis nacheifern und das Arbeiten einstellen.

Arminia leistet sportlichen Offenbarungseid

Womit ich dann zum sportlichen Teil komme. Bietet die Agentur für Arbeit Fußballprofis eigentlich Umschulungsangebote an? Meine alte Wilde-Liga-Truppe hätte es den Stuttgartern schwerer gemacht. Wohlgemerkt am Mittwochabend, nicht vor 15 Jahren. In nahezu allen relevanten Werten können wir punkten. Gewicht, Alter, Handlungsschnelligkeit. Und viel weiter vom Gegenspieler entfernt kann keiner sein... In diesem Jahr fällt es mir schwerer, morgens durch einen zielgerichteten, leichten Fingerdruck am Kaffeevollautomaten ein leckeres Getränk zu erhalten, als Arminengegnern, ein Tor zu erzielen.

In der Vergangenheit konnte ich auch hohe Niederlagen stolz ertragen. Wusste ich doch, dass die jeweilige Mannschaft (meistens) im nächsten Spiel wenigstens Einsatzbereitschaft und Willen zeigten. Das ist in dieser Saison überhaupt nicht der Fall, wenn man die halbwegs soliden Vorstellungen in Hannover und den Sieg gegen Braunschweig mal abzieht. Jedenfalls kann ich emotional verunsicherten Personen nicht empfehlen, sich derzeit ein Arminiaspiel anzuschauen. Es könnte fatale Folgen haben.

Quo vadis, Arminia?

Wie viel Kredit räumt man einem alten Bekannten ein? Samir Arabi kam, als der DSC weder einen Ball noch einen Eimer Kreide hatte. Er führte Arminia, flankiert von diversen Helfern (hervorzuheben sei hier sicherlich Markus Rejek!) zurück in die Bundesliga. Es gab jedoch viel zu viele Fehleinkäufe bei Spielern und Trainern, die dann oft noch über ein Jahr weiter bezahlt werden mussten.

Unterm Strich sehe ich da eine in etwa ausgeglichene Bilanz bis zum Jahreswechsel 2021/22. Ab da ging es steil bergab. Ziemlich steil. Manchmal ist es besser, sich zu trennen, wenn es irgendwie nicht mehr weiter geht. Allein schon aus Respekt voreinander. Vielleicht wäre dieses angebliche Angebot aus Köln eine gute Gelegenheit gewesen, sich mit einer rauschenden Party voneinander zu verabschieden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt nahmen die Fehlentscheidungen in einer schwer ertragbaren Häufung zu.

Quo vadis, Arminia? Aus einer in der Ära Arabi durchaus sichtbaren Entwicklung nach dem olympischen Motto Citius, altius, fortius ist ein schwarz-weiß-blaues schlechter – tiefer – schwächer geworden. Wer findet die Notbremse und wie sieht diese überhaupt aus?

Euer aktuell ratloser Armine von der Süd!

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