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Bielefelder Start-up mit großer Fußballaffinität: Das Matchmetrics-Team mit Geschäftsführer Ulrich Schoof (Bildmitte am Ball). - © PR
Bielefelder Start-up mit großer Fußballaffinität: Das Matchmetrics-Team mit Geschäftsführer Ulrich Schoof (Bildmitte am Ball). | © PR

Wirtschaft Das Spiel entschlüsseln

Das Unternehmen Matchmetrics macht sich auf, ein wichtiger Faktor im professionellen Fußball zu werden. Mithilfe von Lösungen und Produkten rund um Scouting und Matchanalyse haben die Bielefelder schon einige Topklubs als Kunden gewinnen können.

Carsten Blumenstein
09.05.2020 | Stand 08.05.2020, 18:38 Uhr

Wie gewinnt man ein Fußballspiel? Durch gute Spieler und eine gute Taktik. Und am Ende muss man ein Tor mehr geschossen haben als der Gegner. Mit dieser vereinfachten Darstellung sorgt man an jedem Stammtisch für Gesprächsstoff, in Wahrheit ist die Sache etwas komplizierter. Im Fußball wird eine Unmenge an Daten erfasst, um Spiele zu analysieren und um Spieler zu bewerten: Torschüsse, Ballbesitz, Flankenläufe und gewonnene Zweikämpfe sind nur ein Bruchteil von dem, was im professionellen Fußball wichtig ist. Es gibt 2.000 bis 2.500 Event-Datenpunkte pro Spiel. Aber wohin mit dem ganzen Datenwust? Wie bekommt man die Stärken und Schwächen von Mannschaften und deren Akteuren schnell und übersichtlich geliefert?

Genau jetzt kommt Matchmetrics ins Spiel. Das Unternehmen aus der Obernstraße in Bielefeld hat sich auf die Verarbeitung von Daten spezialisiert, nutzt Daten von Kooperationspartnern, um das Scouting von Klubs zu unterstützen. Zusätzlich erfasst Matchmetrics eigene Daten. Getreu dem Motto: Bessere Daten für bessere Entscheidungen. „Wir sind ein junges Start-up, das 2016 gegründet wurde", erklärt Mitgründer und Geschäftsführer Ulrich Schoof. „Wir fokussieren uns auf den Bereich Datenanalytik im Fußball." Mit dabei 25 Mitarbeiter, davon zehn Festangestellte. Der Rest sind Freelancer.

Derzeit drei Produkte am Markt

„Aktuell haben wir drei Produkte am Markt", sagt Schoof. „Das sind alles Software-Produkte, die die gesamten Fußball-Bereiche Scouting und Matchanalyse abdecken. Das Hauptprodukt ist das Scoutpanel. Das ist ein Tool, mit dem man Leistungsdaten und Indikatoren von Spielern weltweit abrufen kann." Mehr als 150.000 Spieler werden abgebildet, 250 Ligen weltweit sind mit Daten erfasst. „Wir decken im Profibereich weltweit fast alles ab. Wenn man einen Spieler sucht, dann kann man den in unserem System finden. Für Sportchefs, Trainer, Scouts und Matchanalysten also eine riesige Fundgrube", erklärt Schoof. Dabei werden Spieler derart abgebildet, dass man einen fundierten Eindruck von ihnen gewinnen kann. Das geht weit über die Daten von gespielten Pässen oder gelaufenen Kilometern hinaus. „Das sind die Basics. Es geht darum, die tatsächliche Performance darzustellen", sagt der Matchmetrics-Geschäftsführer. „Für jeden Spieler haben wir gegen den Ball und mit dem Ball insgesamt 16 Schlüsselindikatoren, die wirklich etwas darüber aussagen, wie wertvoll der Spieler in den jeweiligen Einzelsegmenten ist. Unsere Analyse geht dabei sehr in die Tiefe."

„Mit Scoutpanel verfügen wir über eine optimale und effiziente datenbasierte Ergänzung zum klassischen Live-Scouting", sagt Samir Arabi, Sport-Geschäftsführer des Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld. „Scoutpanel bietet uns sehr gute Möglichkeiten, um die detaillierten Prozesse bei der Suche nach neuen Spielern weiter zu verbessern." Neben Arminia nutzen derzeit unter anderem der VfB Stuttgart, AC Mailand, AZ Alkmaar und Ferencvaros Budapest Scoutpanel. Dass der VfB dabei ist, ist eigentlich logisch. Denn deren Sportdirektor Sven Mislintat, früher Chefscout bei Borussia Dortmund, ist einer der Mitgründer von Matchmetrics. „Ich kann mit Scoutpanel sehr effektiv meine persönlichen Bewertungen mit objektiven Statistiken und Leistungskennzahlen kombinieren und so Talente und Schlüsselspieler frühzeitig identifizieren."

Spieler, Mannschaft und Match – mit Scoutpanel werden drei Sichtweisen abgedeckt. „Unser Tool ist für Fußballklubs auch die Chance, wirtschaftlicher zu arbeiten", sagt Ulrich Schoof. „Man hat Zugriff auf Talente in der ganzen Welt, ohne dabei reisen zu müssen." Teure Scouting-Reisen können so minimiert werden. „Durch die Corona-Krise fehlt vielen Vereinen Geld, mit Scoutpanel kann man nachhaltiger arbeiten."

Für die Macher im Fußballsport

Klar, ganz ersetzen kann man durch die Technik den persönlichen Eindruck von einem Spieler nicht, zudem sind Charakter und Ausstrahlung eines Menschen digital nur schwerlich zu erkennen. Aber mit Scoutpanel haben die Macher von Matchmetrics ein Tool erfunden, dass alle sportlichen Werte abbildet und den Machern im Fußballsport deutlich weiterhilft.

Weitere Produkte von Matchmetrics sind Scoutpad und Matcheye. „Scoutpad ist eine App, mit der Scouts ihre Daten selbst einpflegen, je nach ihren intuitiven Eindrücken", erklärt Schoof. „Die Aktionen werden bewertet, man managt seinen Kader selbst." Mehr als 2.000 Nutzer gibt es bereits weltweit in 50 Ländern. Die Zukunft der Datenerfassung ist Matcheye. Ereignisdaten von Spielen werden im relevanten zeitlichen und räumlichen Kontext aufgenommen. „Damit wird uns unsere Analyse noch tiefer und gewinnt an Qualität", sagt Schoof. Für Matcheye erfasst Matchmetrics die Daten selbst – mit Analysten, die in der bulgarischen Hauptstadt Sofia sitzen. „Das, was wir dort an Daten bekommen, ist sonst nicht zu finden", erklärt Schoof.

»Die Nachfrage wird steigen«

Bei Ulrich Schoof und seinem Team ist die Stimmung trotz Corona derzeit nicht so schlecht. „Wir wissen, dass die Nachfrage steigen wird", sagt der Geschäftsführer. „Datenbasierte Systeme werden immer mehr Verwendung finden bei Fußballklubs und ihren Verantwortlichen. Mittelfristig wird es ein Qualitätsmerkmal sein, mit guten Tools zu arbeiten." So wie mit den Produkten von Matchmetrics. Die vielleicht bald Zuwachs bekommen. „Unser Ziel ist es, alle drei derzeitigen Tools auf einer Plattform zu verbinden", erklärt Schoof. „Einen Arbeitstitel haben wir schon: Matchforce." In einem Jahr soll es soweit sein.

Vorher hofft Schoof, für seine Produkte weitere Kunden und Nutzer zu finden. Neben Klubs und Verbänden hat er Agenturen, zum Beispiel von Spielerberatern, und auch einzelne Unternehmen im Visier. „Ein Nutzer von Scoutpanel ist zum Beispiel der Sportartikelhersteller Puma", sagt Schoof. Auch Wettanbieter hat er auf dem Schirm. „Bessere Matchprognosen mit guten Daten – da sind wir die richtigen."

Den Ausgang eines Fußballspiels werden Schoof und sein Matchmetrics-Team nicht vorhersagen können. Das müssen immer noch die Spieler auf dem Platz regeln. Und am Ende zählt die einfache Binsenweisheit: Wer ein Tor mehr schießt, hat gewonnen. Wie und warum das passiert ist, finden dann Schoof und Co. heraus. Sie entschlüsseln das Spiel, nichts bleibt ihnen verborgen.

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