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Das Szenario Kurzarbeit kommt zumindest für die Betuchten unter den Profifußballern nicht in Frage. - © Noah Wedel
Das Szenario Kurzarbeit kommt zumindest für die Betuchten unter den Profifußballern nicht in Frage. | © Noah Wedel

Corona Warum Kurzarbeit bei Bundesliga-Profis kaum umsetzbar ist

Der staatliche Zuschuss ist auf einen Bruchteil der Star-Gehälter begrenzt. Erst ein Zweitligist schickt seine Spieler heim.

Jan Ahlers
25.03.2020 | Stand 25.03.2020, 17:16 Uhr

Bielefeld. Arbeitnehmer aller Branchen nutzen das staatliche Kurzarbeitergeld, um sich durch die vom Coronavirus ausgelöste Wirtschaftskrise zu hangeln und erhebliche Einnahmenverluste zu kompensieren. Auch viele Fußballklubs greifen zu dieser Maßnahme, vorrangig Drittligisten: 13 von ihnen, jüngst der 1. FC Magdeburg, haben den Zuschuss von der Agentur für Arbeit für ihre Mitarbeiter und Profis beantragt. Bei höherklassigen Klubs ist die Maßnahme dagegen aus gutem Grund bislang weniger populär: Unbegrenzt darf das Kurzarbeitergeld nämlich nicht ausbezahlt werden.

Vielmehr greift bei allen Arbeitnehmern die Beitragsbemessungsgrenze. Sie liegt bei einem monatlichen Brutto-Einkommen von 6.900 Euro (6.450 Euro in den neuen Bundesländern) – auf alles, was darüber hinaus verdient wird, müssen keine zusätzlichen Abgaben an die Renten- und Arbeitslosenversicherung gezahlt werden. Jährlich entspricht das einem Einkommen von etwa 83.000 Euro.

Ein Profi, der von seinem Verein vollständig in Kurzarbeit geschickt werden soll, erhält damit je nach Familienstand 60 bis 67 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Heißt: Brutto sind das für einen kinderlosen Fußballer, dessen Arbeitszeit von 100 auf null Prozent reduziert wird, noch 3.700, netto etwa 2.200 Euro, die am Monatsende auf sein Konto fließen. Egal, ob dieser Perspektivspieler beim VfL Osnabrück mit einer Jahresgage von 100.000 Euro oder ein Superstar beim FC Bayern oder dem BVB ist, der pro Jahr achtstellige Summen einstreicht.

Gehaltseinbußen von 90 Prozent oder mehr - wer macht da mit?

Schon für Zweitliga-Profis, die im Jahr durchschnittlich mehr als 300.000 Euro brutto einstreichen sollen, bedeutet dies einen Verlust von teils 90 Prozent oder mehr des freilich üppigen Gehalts. In der Bundesliga, wo der Durchschnitts-Kicker mittlerweile problemlos als Einkommensmillionär aus einem Fußballjahr hervorgeht, wären die Einbußen noch viel höher.

Es ist daher schwer vorstellbar, dass – ohne etwa freiwillige Zuschüsse der Klubs – eine Übereinkunft mit den Spielern abgeschlossen werden kann. Einseitig darf Kurzarbeit von Arbeitgeberseite nicht angeordnet werden.

Bislang hat in den oberen beiden Ligen nur Erzgebirge Aue diesen Schritt auch für seine Fußballprofis vollzogen, bei Dynamo Dresden und Hannover 96 sind zunächst allen voran die Geschäftsstellenmitarbeiter des Klubs betroffen. Bei den Sportlern, die den Löwenanteil der Gehälter für sich beanspruchen, wird lieber über teilweise Lohnverzichte verhandelt. Den Anfang machte Mönchengladbach vor einigen Tagen, nun scheint sich auch beim FC Bayern und dem BVB Zuspruch für das Abtreten von bis zu 20 Prozent des Gehalts einzustellen. Kurzarbeit für die Spieler? Das ist für Bundesligisten dieser Größe schlicht unrealistisch.

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