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Treffsicher: Robert Lewandowski köpft das 1:0 gegen Dortmund. - © Getty Images
Treffsicher: Robert Lewandowski köpft das 1:0 gegen Dortmund. | © Getty Images

Bundesliga-Kommentar, 11. Spieltag Borussia Dortmund bietet bei den Bayern nur Bübchenfußball

Torsten Ziegler
09.11.2019 | Stand 09.11.2019, 22:26 Uhr

Bielefeld. Wer gerne das Gesetz der Serie bemüht, mag sich vom Auftritt der Dortmunder im Spitzenspiel bei den Bayern bestätigt fühlen. In München befällt den selbst ernannten Titelkandidaten in Bundesligaspielen regelmäßig eine sonderbare Passivität. In den Ergebnissen der letzten fünf Jahre drückt sie sich aus westfälischer Sicht deprimierend aus: 1:2, 1:5. 1:4, 0:6, 0:5 und nun ein 0:4. Torverhältnis: 3:26. Das ist in etwa auf dem Niveau der Gastspiele des Hamburger SV in München. Punkte sind hier für den BVB nicht zu holen, nur im Pokal gab es in diesem Zeitraum zwei Mal Trost.

Wer derlei Zahlenspiele ablehnt, kann sich einfach nur wundern. Und zwar über beide Teams. Die Bayern, vor einer Woche unter dem inzwischen geschassten Trainer Niko Kovac noch von Frankfurt vorgeführt, diesmal 90 Minuten dominant. Die Borussen, noch Mitte der Woche gegen Inter Mailand in der zweiten Halbzeit unaufhaltsam, diesmal kollektiv katastrophal, den bemitleidenswerten Torwart Roman Bürki einmal ausgenommen.

Michael Zorc hätte besser nicht über "echte Kerle" gesprochen

Vielleicht hätten sie doch besser vor der Partie öffentlich mehr über Taktik gesprochen. BVB-Sportchef Michael Zorc forderte aber lieber "Männerfußball", wollte "echte Kerle" sehen. Zu registrieren hatte er Bübchenfußball, und so lenkte seine ohnehin fragwürdige Wortwahl die Aufmerksamkeit direkt auf das größte Problem dieser Mannschaft: Sie hat eine Vielzahl von Hochbegabten in ihren Reihen, die besondere Bedingungen brauchen, um ihre beste Leistung zu bringen. Das Wohlfühlklima, Richtung Südtribüne im eigenen Stadion stürmen zu dürfen, ist wohl eine dieser Voraussetzungen, die Zauberfußball möglich macht.

Bei den Bayern wirkte der BVB dagegen von den ersten Zweikämpfen an mutlos, brav und trotz dieser Ansammlung von feinen Technikern mit der Ballbehandlung überfordert. Auch als die Demütigung ihren Lauf nahm, gab es kein Dagegenstemmen. Unfassbar, wie unbehelligt von Dortmunder Abwehrspielern Robert Lewandowski das 1:0 köpfen durfte. Lewandowski! Dass er auch in den zurückliegenden schwächeren Bayern-Wochen immer getroffen hat, sollte sich herumgesprochen haben. Auf jeden Fall hat die sportliche Leitung für die Länderspielpause zu analysieren, ob sie dem kickenden Personal zutraut, konstant gehobenes Niveau auf den Platz zu bringen, oder ob sie dann doch andere Charaktere verpflichten muss, die neben ihrem fußballerischen Potenzial durchgängig einen entsprechenden Behauptungswillen versprechen.

Bayerns Interimstrainer Hansi Flick wagt und gewinnt

Auch die Bayern müssen Antworten finden. Ist es dem nun zwei Mal siegreichen Interimstrainer Hansi Flick zuzutrauen, die Star-Truppe eine ganze Saison lang in allen Wettbewerben bei Laune zu halten? Oder brauchen die Herrschaften im Dauerbetrieb dann doch ein anderes Kaliber? Flick hat gut und mutig aufgestellt: Mit dem jungen Alphonso Davies in der Viererkette links ging er ein Wagnis ein, genauso mit David Alaba als Innenverteidiger. Und Thomas Müller zum zentralen Offensivspieler zu befördern, auf der Position, die eigentlich für den Toptransfer Philippe Coutinho reserviert schien, wurde auch belohnt. Müller gelang längst nicht alles, jedoch kämpfte er defensiv wie offensiv sensationell - und das reicht gegen einen Gegner, der von allem so wenig bietet, schon vollkommen aus. Die Bayern sollten aber die Partie gegen diese Dortmunder nicht zum Maßstab ihrer Trainer-Entscheidung machen. Dafür waren die viel zu schwach.

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