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Zurück im Amt: Clemens Tönnies hat seine dreimonatige Amtspause absolviert - offenbar soll die rassistische Entgleisung aus dem August rund um Schalke 04 schnell abgehakt werden. - © picture alliance/Sven Simon
Zurück im Amt: Clemens Tönnies hat seine dreimonatige Amtspause absolviert - offenbar soll die rassistische Entgleisung aus dem August rund um Schalke 04 schnell abgehakt werden. | © picture alliance/Sven Simon

Tönnies-Rückkehr Kommentar: Eine unglaubwürdige Show von Schalke 04

Clemens Tönnies ist zurück auf Schalke. Vom Verein wird er begrüßt wie ein alter, lange vermisster Freund. Die öffentlichkeitswirksame Darstellung des Klubchefs ist unglaubwürdig, meint unser Autor.

Jan Ahlers
08.11.2019 | Stand 08.11.2019, 08:36 Uhr

Zwölf Minuten Schalke-TV waren in der jüngeren Vergangenheit meist aus sportlicher Perspektive schwer zu ertragen. Nun ist es die Rehabilitierung des Schalker Klubchefs Clemens Tönnies in einem Gespräch, das einer Show glich und die Anhängerschaft erschaudern ließ. Denn das Bild, das der Verein von seiner mächtigsten Figur nach dessen rassistischer Äußerung zeichnen will, ist grotesk unglaubwürdig.

Es ist Clemens Tönnies, der frischgebackene Großvater, der sympathische Bartträger, der verlorene und zurückgekehrte Sohn. Sicher: Zum Teil geht es im Gespräch auch noch um die Vorfälle vom Paderborner Handwerkstag Anfang August, die der Fleisch-Unternehmer mutmaßlich gerne ganz unter den Tisch gekehrt hätte. Aber hier hat der Klub vorgesorgt. „Wer dich kennt und weiß, was du alles getan hast in der Vergangenheit", beginnt der schwer befangene, aber wenig distanzierte Moderator, „dem muss eigentlich klar sein: Das kann nicht so gemeint gewesen sein."

Das riesige Negativ-Echo soll einfach verhallen

Tönnies muss sich, etwa im Vergleich zu einem Interview nach journalistischen Qualitätsstandards, nicht einmal mehr selbst reinwaschen. Er darf stattdessen davon erzählen, wie er einst tausende Kilometer durch Afrika fuhr, unter freiem Himmel schlief. Wie er tolle Momente auf dem Kontinent verbrachte, dessen Menschen er pauschal als kinderzeugende Maschinen verunglimpft hat.

Die Intention liegt nahe: Das riesige Negativ-Echo um Tönnies soll nach Wunsch des Vereins einfach verhallen. Die dreimonatige Amtspause ist daher weniger als persönliche Strafe zu deuten denn als Zeit, in der sich die öffentliche Aufruhr um die Person legen kann. Weil Tönnies sogar den tatenlosen Ehrenrat seines Klubs hinter sich weiß, obliegt es den zahlreich kritischen Fans, unnachgiebig weiter zu protestieren. Sie sind offenbar die einzige Schalker Instanz, die aktuell noch Toleranz und Rückgrat vorlebt.

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