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Marco Reus spielte gegen Borussia Mönchengladbach sichtlich angeschlagen. - © picture alliance
Marco Reus spielte gegen Borussia Mönchengladbach sichtlich angeschlagen. | © picture alliance

Gesundheitsrisiko Experte meint: "Fußballprofis sollten nicht krank auf dem Platz stehen"

Wer krank auf den Trainingsplatz geht, riskiert Folgeschäden für seinen Körper.

Andrea Sahlmen
07.11.2019 | Stand 06.11.2019, 22:23 Uhr

Bielefeld. Gegen Borussia Mönchengladbach steht ein grippe-geschwächter Marco Reus auf dem Fußballplatz. Er hustet und ist offensichtlich angeschlagen, dennoch führt er seine Mannschaft als Kapitän auf den Rasen. Hinterher wird er von Borussia Dortmund dafür gefeiert. "Trotz eines grippalen Infekts hat sich unser Kapitän in den Dienst der Mannschaft gestellt", verbreiteten die Dortmunder wenige Minuten nach Abpfiff über Twitter. Mediziner und Sportwissenschaftler kritisieren den Verein für das Verhalten, denn krank sollte niemand Sport machen. Erst recht keinen Leistungssport.

"Mit einem grippalen Infekt sollte niemand Fußball spielen", erklärt der Sportwissenschaftler Milan Dransmann von der Universität Bielefeld. Bei Reus geht er allerdings davon aus, dass Ärzte das Risiko für den Spieler abgewogen und ihm nach diversen Untersuchungen das Einverständnis gegeben haben. Für Dransmann ist Reus Auftritt trotzdem ein Problem: "Profifußballer sind Vorbilder und sollten nicht krank auf dem Spielfeld stehen."

Kinder und Jugendliche könnten auf falsche Gedanken kommen

Vor allem Breitensportler, insbesondere Kinder und Jugendliche, könnten laut Dransmann so auf falsche Gedanken kommen. Denn krank Fußball zu spielen oder andere Sportarten zu betreiben ist nach Angaben des Sportwissenschaftlers gefährlich. "Ein verschleppter Infekt oder eine verschleppte Grippe können eine längere Zwangspause zur Folge haben oder sogar langfristige Schäden verursachen", erklärt Dransmann. So wie bei Fußballprofi Reus, der wenige Tage später im Champions League Spiel gegen Inter Mailand fehlte. "Es war also sicherlich keine weitsichtige Entscheidung, Reus geschwächt spielen zu lassen", sagt Dransmann.

Ob bereits eine laufende Nase oder leichter Husten einen Hobbysportler ausbremsen, kommt laut Dransmann immer auf das persönliche Empfinden an. Pauschal sei es schwierig zu sagen, was erlaubt ist und was nicht. Es gibt allerdings Grenzen: "Bei Fieber ist Sport ein absolutes No-Go." Grundsätzlich sollten Hobbyathleten immer vorsichtiger sein als Profisportler, da sie in der Regel nicht so häufig beim Arzt untersucht werden und sich nicht ständig die Meinungen verschiedener Mediziner einholen.

Im schlimmsten Fall drohen Herzmuskelentzündungen

Wer krank Sport treibt, sorgt laut Dransmann dafür, dass sich Bakterien weiter im Körper verteilen. Im schlimmsten Fall droht eine Herzmuskelentzündung, die aber zum Glück selten vorkommt. "Die sogenannte Myokarditis wird zudem bei Hobbysportlern häufig nicht entdeckt, was jedoch folgenlos bleibt, weil die Erkrankung abheilt." Bei Leistungssportlern fallen Probleme früh auf, weil die Blutwerte engmaschig überwacht werden. Trotzdem sollten nach Angaben des Sportwissenschaftlers auch Leistungssportler Ruhepausen einlegen, wenn sie angeschlagen sind.

Je besser man sich schont, desto schneller ist der Körper wieder fit und kann sportlich aktiv werden. Vielleicht wäre Fußballprofi Reus dann auch für das wichtige Spiel gegen Inter Mailand wieder fit gewesen.

Information
Herzprobleme bei Profisportlern

"Profifußballer sind nicht häufiger von Herzproblemen betroffen, als andere Menschen", sagt Milan Dransmann. Kranke Fußballer würden im Leistungssport einfach mehr auffallen, so der Wissenschaftler. Wie beispielsweise Gerald Asamoah, der mit einem Herzfehler sogar Nationalspieler wurde. Einzig ein Defibillator neben dem Fußballplatz deutete auf seine Krankheit hin.

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