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Der Beginn eines gebrauchten Tags: Jerome Boateng muss nach seiner Roten Karte in der 9. Spielminute das Feld verlassen. Ein Platzverweis, der für Trainer Niko Kovac weitreichende Folgen haben könnte. - © Hasan Bratic
Der Beginn eines gebrauchten Tags: Jerome Boateng muss nach seiner Roten Karte in der 9. Spielminute das Feld verlassen. Ein Platzverweis, der für Trainer Niko Kovac weitreichende Folgen haben könnte. | © Hasan Bratic

Bundesliga-Kommentar Das Schweigen der Bayern-Bosse spricht Bände

Ein 1:5 hatte es für den FC Bayern über zehn Jahre in der Bundesliga nicht mehr gesetzt. Nach der deftigen Niederlage von Frankfurt steht der Trainer mehr denn je unter Druck.

Stephanie Fust
02.11.2019 | Stand 02.11.2019, 21:16 Uhr

Bielefeld. "Tooor in Leipzig", "Tooor in Bremen", "Platzverweis in Frankfurt", "Tooor in Leverkusen", wieder "Tooor in Bremen", das dann doch keins war .... In Deutschlands Erstligastadien ging am Samstag ordentlich die Post ab. Treffer fielen im Minutentakt - zur Halbzeit waren es derer insgesamt 13. Größten Anteil am Saisonrekord hatte RB Leipzig mit fünf Toren innerhalb von 45 Minuten. Addiert zu den fünf Pokaltoren gegen Wolfsburg in der zweiten Halbzeit unter der Woche bejubelte das Team von Julian Nagelsmann innerhalb von 90 Spielminuten zehn Torerfolge, gar 13 in 135 Minuten. Sagenhaft.

Noch mehr gefeiert wurde in Frankfurt. Nicht nur, weil dort die laut Bayern-Trainer Niko Kovac "besten Fans der Liga" beheimatet sind, sondern weil die zudem ein glorreiches 5:1 gegen den deutschen Rekordmeister erleben durften. Bei aller Freude darf in der Analyse jedoch nicht unberücksichtigt bleiben, dass die Münchner nach dem Platzverweis von Innenverteidiger Jerome Boateng in der 9. Minute in Unterzahl gegen laufstarke Frankfurter agieren mussten. Bayerns Matchplan war damit hinfällig und dies der Moral der zuletzt schon spielerisch und mental indisponierten Münchner nicht zuträglich. Das soll die Leistung der Hessen nicht schmälern, aber die Höhe des Erfolges einordnen.

Kovac zwischen krisenerprobt und zermürbt

Die Stimmungslage beim FC Bayern hat damit den nächsten Tiefpunkt erreicht. Sehr gut möglich, dass für Trainer Niko Kovac nach dem zweiten "stürmischen Herbst" in München ein ruhiger, weil arbeitsloser Winter folgt. Ein 1:5 hatte es für den FC Bayern seit über zehn Jahren nicht mehr gegeben. Die für die Branche üblichen Mechamismen haben jedenfalls schon eingesetzt und sind nicht zum Vorteil für den Trainer auszulegen: Die sonst so wortgewaltige Vereinsführung schweigt und Kovac selbst verweist bei Fragen zu seiner Zukunft auf eben jene Entscheidungsträger.

Dabei hatte sich der Bayern-Coach noch vor einer Woche "krisenerprobt" gefühlt und die Vereinsbosse hinter sich gewähnt. Doch zwei dürftige bis blamable 2:1-Auftritte seiner Mannschaft gegen Union Berlin und gegen Zweitligist VfL Bochum im DFB-Pokal sowie eine weitere ungeschickte Äußerung in eigener Sache haben die Stellung des Trainers nicht gerade gestärkt. Verbittert und enttäuscht über das Gesehene im Pokal-Achtelfinale, sagte Kovac mit Blick auf die Bochumer: "Da sieht man mal, was passiert, wenn alle machen, was der Trainer sagt."

Nur Lewandowski und Neuer liefern ab

Seit seinem Amtsantritt in München muss Niko Kovac die Zweifel an seinen Fähigkeiten und an seiner Autorität gegenüber den Spielern aushalten. In dieser Woche hat er die nächste Stufe auf der Skala der persönlichen Zermürbung erreicht. Gleichwohl ist ein Trainer für die Leistung seiner Mannschaft verantwortlich. Und die ist nun mal - von Glanztaten Robert Lewandowskis und Manuel Neuers einmal abgesehen - alles andere als meisterlich.

Kovac-Befürworter könnten nun auf die Hochbegabten-Gruppe aus Leipzig verweisen, die vor ihren Torreigen gegen Wolfsburg und Mainz eine ähnliche Flaute durchlebten. Zudem spielt die Bundesliga-Konkurrenz ebenso unstet wie der FC Bayern. Vier Punkte Rückstand auf Borussia Mönchengladbach, das die Tabellenführung mit einem Arbeitssieg gegen Bayer Leverkusen behauptete, ist noch nicht besorgniserregend. Die Haltung, die das Team unter Niko Kovac auf dem Platz zeigt, aber schon.

So müht es sich auch in der kommenden Woche gegen Olympiakos Piräus in der Champions League und gegen Borussia Dortmund im Bundesliga-Klassiker am Samstag. Zwar konnte der BVB beim 3:0 gegen den VfL Wolfsburg nur bedingt überzeugen, ersparte damit aber dem ebenfalls angezählten Lucien Favre weitere öffentliche Diskussionen. Immerhin.

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